Kriminelle Angler Wilderer schleifte Leeraner Fischereiaufseher mit dem Auto mit
Der Einsatz eines Leeraner Fischereiaufsehers endete in der Notaufnahme. Ein Wilderer hatte ihn mit dem Auto angefahren und mitgeschleift. Wie kriminell sind Schwarzangler?
Ostfriesland - Es geschah gegen 21.45 Uhr im Bereich der Leeraner Hafenstraße. An jenem Sonnabend, dem 23. Juli, stellte dort ein Fischereiaufseher des Angelsportvereins (ASV) einen 78-jährigen Wunstorfer fest, der keine Fischereierlaubnis vorweisen konnte. Der Mann floh offenbar mit dem Auto und fuhr dabei den ASV-Vertreter an, wie die Polizeiinspektion Leer/Emden berichtet: „Dabei wurde der Aufseher nach bisherigen Erkenntnissen noch einige Meter mitgezogen und entsprechend verletzt.“
Was und warum
Darum geht es: Dass Fischwilderei in Ostfriesland zuletzt mit Körperverletzung und Tierquälerei einherging.
Vor allem interessant für: Anglerinnen und Angler
Deshalb berichten wir: Weil der ASV Leer unsere Redaktion auf einen Fischwilderei-Fall hingewiesen hat, der mit einer Körperverletzung endete. Den Autor erreichen Sie unter: a.ellinger@zgo.de
ASV-Vorsitzender Uwe Brahms spricht von der „Spitze einer allmählichen Eskalation“ – einem „krassen Fall der Fischwilderei“. Von einem Kavaliersdelikt könne bei der Fischwilderei insgesamt nicht mehr die Rede sein. Brahms berichtet von einem Täter, bei dem sogar eine Gefängnisstrafe verhängt worden sei. Und ein anderer Fischwilderer habe – aufgrund von Vorstrafen, die mitberücksichtigt worden seien – mehr als 1500 Euro aufgebrummt bekommen.
Leeraner Fischereiaufseher: „Er fuhr mit Vollgas auf mich zu“
Der Fischereiaufseher schildert den Vorfall vom 23. Juli so: „Ich informierte ihn“ – also den Wilderer – „dass ich die Polizei angerufen habe und ich gerne die Köder sehen wollte, mit denen er geangelt hat“. Das habe der Mann zu verhindern versucht, indem er ihn vom Kofferraum weggeschoben habe. Anschließend sei der Wilderer ins Auto gestiegen: „Er setzte zurück, circa einen Meter, und fuhr mit Vollgas auf mich zu.“
Bei dieser Attacke habe er sich „gerade so“ an der Motorhaube festhalten können, so der ASV-Vertreter, „um nicht überrollt zu werden“. Danach sei es ihm gelungen, ein Foto vom Autokennzeichen des Wilderers zu machen: „Ich wollte gerade zur Seite gehen, als er erneut auf mich zufuhr und mich mit seiner Fahrzeugseite erfasste.“ Rund zwei Meter sei er mitgeschleift worden, wodurch er diverse Verletzungen erlitten habe. Er sei anschließend in der Notaufnahme behandelt worden. Soweit der Fischereiaufsichtsbericht.
Polizei ermittelt wegen „gefährlicher Körperverletzung“
Die Polizei hat auf Anfrage mitgeteilt, dass der Tatverdächtige ermittelt worden sei: „Der Mann muss sich nun zum einen in einem Verfahren bezüglich der Fischwilderei und zum anderen in einem Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.“ Eine Beschuldigtenvernehmung sei veranlasst worden – so der Stand am 23. August.
Fischwilderei ist ein Straftatbestand, der in Paragraf 293 des Strafgesetzbuchs geregelt ist: „Wer unter Verletzung fremden Fischereirechts oder Fischereiausübungsrechts fischt [...] wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Nimmt die Fischwilderei in Ostfriesland zu?
Die Fischwilderei-Statistik der Polizeiinspektion Leer/Emden weist in den Jahren 2017 bis 2021 sieben bis 16 Fälle pro Jahr auf – im laufenden Jahr erst drei Stück. „In den Jahren 2020 und 2021 hatten wir etwas höhere Zahlen als in den Vorjahren“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage unserer Zeitung. „Der Trend in diesem Jahr ist rückläufig.“
Auch die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund berichtet von einem rückläufigen Trend. Im Jahr 2017 verzeichnete sie zwölf Strafverfahren wegen Fischwilderei, 2020 waren es 36 Fälle, 2021 dann 18 Verfahren und im laufenden Jahr bislang neun. Es gehe dabei um Fischen ohne Fischereierlaubnis und das Auslegen von Kiemennetzen.
Wilderer bedrohen und beleidigen – Emder BVO stellt Anzeigen
Der Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) in Emden schildert jedoch eine Entwicklung, die von den Polizei-Statistiken abweicht: „Eine Zunahme der Fälle von Fischwilderei ist deutlich erkennbar, unsere Fischereiaufseher melden immer häufiger entsprechende Erkenntnisse“, schreibt Holger Flick, der im Verein für die Fischereiaufsicht zuständig ist.
Man habe es „immer mehr mit dem Stellen von Netzen oder Reusen zu tun, die schon professionellen Charakter aufweisen“, erläutert er. Würden Wilderer auf frischer Tat ertappt, komme es immer wieder zu Beleidigungen und Drohungen. Im laufenden Jahr seien bereits 25 Strafanzeigen wegen Schwarzangelns und Reusenstellerei gestellt worden.
Auf frischer Tat ertappt: Tierquälerei im Leeraner Hafen
Der Leeraner ASV-Chef Brahms berichtet noch von einem Fall am vergangenen Sonntag im Leeraner Hafen. Dort sei ein Angler angetroffen worden, der sich nicht ausweisen habe können und zunächst einen falschen Namen angegeben habe. Es sei die Polizei eingeschaltet worden.
Bei dem Mann seien Brassen in einem Plastiksack festgestellt worden, die nicht vorschriftsmäßig getötet worden seien. Laut Brahms ist kein Herzstich mit einem Messer ausgeführt worden. Das sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.