Alarm nach Kostenexplosion  Kliniken fordern Hilfe von der Politik

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 25.08.2022 18:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die finanzielle Situation in den Krankenhäusern wurde schon durch die Corona-Pandemie verschärft. Jetzt kommen auch noch die Energiekrise und die Inflation hinzu. Foto: Gollnow/dpa
Die finanzielle Situation in den Krankenhäusern wurde schon durch die Corona-Pandemie verschärft. Jetzt kommen auch noch die Energiekrise und die Inflation hinzu. Foto: Gollnow/dpa
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Die Energiekrise und die Inflation bedrohen auch die Krankenhäuser in Ostfriesland. Sie rechnen mit einer enormen Kostensteigerung. Um die Versorgung nicht zu gefährden, wird Hilfe vom Bund gefordert.

Hannover/Ostfriesland - Niedersachsens Krankenhäuser schlagen Alarm. „Die Lage ist wirklich für viele sehr dramatisch“, weiß auch Holger Glienke, Geschäftsführer am Klinikum Leer. Grund für die prekäre Lage sind massive Preissteigerungen – vor allem im Energiebereich.

Ein Beispiel: Beim Klinikum Leer werden jährlich 10 Millionen Kilowattstunden Gas und 6 Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht. „Das kostete uns im Jahr rund 1,5 Millionen Euro – ab 2023 rechnen wir mit Kostensteigerungen zwischen 2 und 4 Millionen Euro“, rechnet Glienke vor. Und schon jetzt käme man mit der jährlich eingeplanten 2,3 Prozent Steigerungsrate im Budget nicht mehr hin. „Es ist ja alles teurer geworden“, sagt Glienke und rechnet bereits jetzt mit einer Million Euro an Mehrkosten.

„Situation so angespannt wie nie“

Weil das Klinikum Leer kein Einzelfall ist, haben die niedersächsischen Kliniken kurzfristig finanzielle Unterstützung vom Staat gefordert. „Die Situation ist so angespannt wie nie zuvor“, sagte der Vorsitzende der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG), Hans-Heinrich Aldag, am Donnerstag in Hannover. Im Gegensatz zu anderen Branchen könnten Mehrkosten für Energie, medizinische Produkte, Medikamente oder Lebensmittel nicht in Form von Preiserhöhungen weitergegeben werden. Die Kliniken werden durch Fallpauschalen vergütet, die ausgehandelt wurden, als Ukraine-Krieg und Energiekrise nicht absehbar waren.

„Deshalb muss der Bundesgesundheitsminister jetzt unbedingt tätig werden“, sagt auch Glienke. Bisher schrieb das Klinikum Leer immer schwarze Zahlen – „ab jetzt wohl nicht mehr“, befürchtet der Geschäftsführer. Viel schlechter sieht es jetzt schon bei der Trägergesellschaft für die Kliniken Emden, Aurich und Norden aus. Laut einer Pressemitteilung geht es beim Jahresabschluss 2021 um ein Defizit von rund 12,2 Millionen Euro. „Angesichts des hohen Defizits der drei Kliniken der Trägergesellschaft steht außer Frage, dass finanzielle Unterstützung erforderlich ist. Unsere Träger, also der Landkreis Aurich und die Stadt Emden, unterstützen die Kliniken finanziell und gleichen die Defizite jährlich aus“, teilt die Trägergesellschaft auf Nachfrage mit.

Finanzielle Einbußen werden nicht mehr abgefedert

Die finanzielle Situation werde insbesondere durch die Corona-Pandemie, aber auch durch weitere Faktoren wie etwa die Inflation zusätzlich verschärft, heißt es weiter. Finanzielle Einbußen würden im Moment nicht mehr abgefedert, betont Aldag. Der Corona-Rettungsschirm mit Ausgleichszahlungen vom Bund lief Ende Juni aus. Im Klinikum Region Hannover zum Beispiel werden laut Geschäftsführung derzeit zehnmal so viele coronainfizierte Patienten behandelt wie im Sommer 2021. Auch Pflegekräfte und Mediziner, die wegen Infektionen ausfallen, belasteten die Häuser.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens äußerte Verständnis. „Ich halte eine kurzfristige finanzielle Unterstützung der Krankenhäuser für unabdingbar“, sagte die SPD-Politikerin. Das betreffe vor allem die laufenden Betriebskosten, für die der Bund zuständig sei. Daher habe sie Bundesminister Karl Lauterbach (SPD) bereits im Juni um schnellstmögliche Hilfen gebeten. Die Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur des KRH Klinikums Region Hannover, Barbara Schulte, rechnet allein für ihr Haus mit seinen zehn Standorten mit inflationsbedingten Mehrkosten in Höhe von über 30 Millionen Euro im Jahr 2023. Darauf entfielen allein zwölf Millionen Euro auf Kostensteigerungen im Bereich Energie.

Protestaktion in Oldenburg geplant

Die Krankenhausgesellschaft kündigt unter dem Motto „Die Krankenhäuser in Niedersachsen stehen vor der Zerreißprobe“ eine landesweite Protestwoche an. Symbolisch wird zwischen zwei Lastwagen ein Krankenhausbett gespannt. Am Freitag, 2. September, findet eine Aktion in Oldenburg statt. Daran wollen sich auch Ostfrieslands Kliniken beteiligen.

Mit Material von dpa

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