Fahndungserfolg der Polizei Aurich Schockanrufer hinter Schloss und Riegel
Mit Schockanrufen und dem Enkeltrick hauen Betrüger immer wieder ältere Menschen übers Ohr. Das Geld ist meist auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Nicht so am Dienstag in Aurich.
Aurich - Sie versetzen ältere Menschen am Telefon in Angst und Schrecken, indem sie vorgaukeln, ein Familienmitglied sei in Not: Mit dem Enkeltrick und mit Schockanrufen schaffen es Betrüger immer wieder, Senioren um teils sechsstellige Beträge zu bringen. Die Täter sind gut geschult und gehen äußerst geschickt vor. Die Opfer plündern ihr Sparbuch, um der angeblichen Enkelin oder dem angeblichen Enkel aus der vorgespielten Notlage zu helfen. Die Chance, das Geld zurückzubekommen, geht in der Regel gegen null.
Nicht so am vergangenen Dienstag. Da ist es der Auricher Polizei endlich einmal gelungen, solche Betrüger dingfest zu machen. Die Beamten meldeten am Mittwoch einen außergewöhnlichen Fahndungserfolg: Nach einem Schockanruf mit Geldabholung in Aurich seien zwei Tatverdächtige aus Polen festgenommen worden.
67-Jährige fiel auf den Trick herein
Eine 67 Jahre alte Frau aus Aurich hatte am Dienstag einen Schockanruf erhalten. Es war die übliche Masche: Ihre Tochter habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht, hieß es, und es drohe nun eine Gefängnisstrafe. Um diese abzuwenden, sollte die 67-Jährige eine fünfstellige Summe in bar zahlen. Die Frau fiel auf den Trick herein und übergab das Geld an einem vereinbarten Treffpunkt in der Auricher Innenstadt an eine ihr unbekannte Frau.
Was das Opfer nicht wusste: Die Frau war bereits im Visier von Polizeibeamten. „Aufgrund vorausgegangener Ermittlungen der bayerischen Polizei und des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei Aurich“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei, sei die Tatverdächtige „zeitnah ermittelt“ worden. Was das genau bedeutet, verriet Polizeisprecherin Wiebke Baden am Donnerstag auf Nachfrage nicht. Sie bat um Verständnis, dass sie nicht ins Detail gehen könne, sagte Baden im Gespräch mit der Redaktion. Das habe ermittlungstaktische Gründe.
Verfolgungsjagd endet in Filsum
Nur so viel: Es habe sich nicht um eine fingierte, sondern um eine echte Geldübergabe gehandelt, eine vollendete Tat. Die Polizei habe den Wagen der Verdächtigen verfolgt und sie sowie einen mutmaßlichen Komplizen in Filsum gestoppt. In dem Auto fanden die Beamten Bargeld, Mobiltelefone und weitere Beweismittel, darunter auch das Geld der Geschädigten aus Aurich. Sie bekommt es nun zurück.
Die 27 Jahre alte Tatverdächtige und ihr 34 Jahre alter mutmaßlicher Komplize wurden festgenommen und am Mittwoch in Aurich dem Haftrichter vorgeführt. Wie Baden weiter mitteilte, sitzen sie mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern an. Zuständig ist in diesem Fall die Staatsanwaltschaft Osnabrück, weil dort die Zentralstelle zur Bekämpfung organisierter und bandenmäßiger Betrugs- und Diebstahlstaten angesiedelt ist.
Ein solches Fahndungsergebnis sei im Bereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund noch nicht vorgekommen, sagte Baden. Das sei „ein großer Erfolg“ und „nicht alltäglich“. Normalerweise sei es sehr schwierig, die Täter zu überführen. Dass es in diesem Fall geklappt habe, sei der guten Zusammenarbeit mit der bayerischen Polizei zu verdanken. „Das hat sehr gut funktioniert.“