Berlin Welche Nahrungsergänzungen brauchen Schwangere wirklich – und wie viel?
Während der Schwangerschaft, der Stillzeit oder bei einem Kinderwunsch können bestimmte Nahrungsergänzungen unterstützend wirken. Doch viele Produkte sind zu hoch dosiert. Worauf Verbraucher achten müssen.
Nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch schon beim Kinderwunsch oder in der Stillzeit ist es meist notwendig, dass Frauen Nahrungsergänzungen einnehmen. Wichtige Nährstoffe wie Jod oder Folsäure sind für die Entwicklung des Ungeborenen sehr wichtig. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg 2021 zeigt jedoch, dass Betroffene bei der Wahl des Präparates aufpassen müssen. Nicht alle sind gut – oder überhaupt ihr Geld wert.
Eine essenzielle Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch ist Folsäure. Das Vitamin Folsäure ist im Körper an Prozessen der Zellteilung und des Wachstums beteiligt und kann das Risiko kindlicher Fehlbildungen verringern.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt deshalb eine tägliche Dosis von 400 Mikrogramm Folsäure am Tag – in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch. Bei einer ungeplanten Schwangerschaft ist es auch ratsam, die Dosis im ersten Trimester der Schwangerschaft zu verdoppeln.
Zusätzlich sollten Schwangere zwischen 100 und 150 Mikrogramm Jod in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen, da es unter anderem für eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung des wachsenden Kindes sorgt. Während der Stillzeit werden 100 Mikrogramm empfohlen. Vor der Schwangerschaft benötigt es daneben kein extra Jod.
Viele Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln für werdende Mütter werben häufig mit verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen, die enorm wichtig für die Entwicklung des Babys sind. Im Vergleich zum Energiebedarf steigt der Bedarf für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in der Schwangerschaft deutlich an. Das heißt jedoch nicht, dass Stoffe wie Eisen, die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA), Vitamin D, Zink und Co. ergänzt werden müssen.
Eine ausgewogene Ernährung ist laut Experten vollkommen ausreichend für die Aufnahme von den meisten Vitaminen und Mineralstoffen, mit Ausnahme von Jod und Folsäure. Für DHA empfiehlt es sich, zwei bis drei Mal die Woche Fisch zu essen. Vitamin D oder Eisen sollten nur bei ärztlich nachgewiesenem Mangel zugesetzt werden.
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Ansonsten können alle notwendigen Nährstoffe durch die Ernährung aufgenommen werden. Hierfür können Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte (pro 100 kcal viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente), wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fettarme Milch und Milchprodukte sowie fettarmes Fleisch und Geflügel helfen. Die Aufnahme von Folsäure kann zusätzlich durch Blattgemüse (Spinat, Salate), Kohlsorten, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tomaten oder Orangen unterstützt werden.
Im Marktcheck hat nur ein einziges Produkt keine zusätzlichen Vitamine oder Mineralstoffe enthalten und hat die Empfehlung für die Höchstmengen des BfR für Jod und Folsäure eingehalten. Ein weiteres Problem der Hersteller ist ihr Motto: „Viel hilft viel.“ Deshalb werden den Präparaten weitere Stoffe zugesetzt und Schwangeren vermittelt, es sei notwendig, diese Stoffe zu ergänzen.
Dabei werben die Anbieter vor allem mit der Wirkung von den Stoffen: „Zink leistet einen Beitrag zur normalen Funktion des Immunsystems und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress“; „Die Aufnahme der Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung der Augen und des Gehirns beim Fötus und beim gestillten Säugling bei.“
Zwar trifft dies zu, allerdings muss dafür nicht extra Geld ausgegeben werden. Die getesteten Produkte, die besonders viele Zusätze haben, sind deutlich teurer. Die Preisspanne für eine Tagesdosis der Produkte im Test lag zwischen 0,03 Euro und 1,92 Euro, wodurch über die Schwangerschaft hinweg ein Kostenunterschied von mehreren hundert Euro entstehen kann.