Osnabrück Gehaltscheck: Wie viel verdienen Helene Fischer und Anna Netrebko?
130000 Gäste erlebten Helene Fischer bei ihrem Konzert in München. Die teuersten Karten, die „VIP-Tickets“ kosteten bis zu 1300 Euro, Schweinefilet inklusive. Da stellt sich doch die Frage: Wie viel verdient eigentlich die Künstlerin selbst an so einem Konzert?
Ein Branchenkenner stellt für das Konzert von Helene Fischer folgende Rechnung auf: 130000 Zuschauer, die im Schnitt 200 Euro fürs Ticket gezahlt haben, macht Gesamteinnahmen von 26 Millionen Euro. Die Hälfte geht für die Kosten drauf, für Technik, Stadionmiete, Versicherung, Gemagebühren und was sonst so anfällt, bleibt ein Gewinn von 13 Millionen Euro. Davon will das Management etwas haben, Musiker müssen bezahlt werden, und Helene Fischer will auch ein Stück vom Kuchen. Wie groß das ist, wissen allerdings nur wenige Eingeweihte. Gagen sind die am besten gehüteten Geheimnisse der Branche, aber einen siebenstelligen Betrag wird Fischer selbst eingenommen haben.
Konkrete Summen sickern nur hin und wieder durch: 700000 Euro soll der Unternehmer Reinhold Würth für einen Auftritt Helene Fischers gezahlt haben. Den Schlagerstar hatte sich der Milliardär Würth für die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Jubiläum seiner Firma gegönnt. Bereits 2019 soll Fischer beim 100-jährigen Jubiläum der Firma Trigema ebenfalls 700000 Euro erhalten haben. So berichtet es das Nachrichtenportal „watson.de“, das sich wiederum auf „Bild“ beruft.
Soll und könnte: „Bild“ und „Watson“ bewegen sich im spekulativen Bereich. Das Portal „schlagerprofis.de“ wettert heftig gegen die Berichterstattung: „Bild“ habe für das Würth-Firmenkonzert keine konkreten Zahlen genannt, sondern einfach angenommen, Würth bezahle die gleiche Summe wie vor Jahren Trigema. So oder so: Die genannte Summe ist keinesfalls die Gage, sondern die Gesamtsumme, die für den Auftritt fällig wird, inklusive der Kosten für Ton, Licht, Aufbau - was eben so anfällt. Und dann, entrüstet sich schlagerprofi.de, würden ja auch noch Steuern fällig.
Aber konkrete Zahlen? Fehlanzeige. Was man aber sicher sagen kann: Im Segment der Superstars werden im Pop-Rock-Bereich die üppigsten Gagen bezahlt. So raunte ein Insider vor Jahren, Blues-Legende B. B. King hätte 500000 Euro für einen Auftritt beim Movimentos-Festival in Wolfsburg erhalten, einem hochwertigen Tanz- und Musikfestival des VW-Konzerns auf seinem Firmengelände. Nix genaues weiß man nicht, aber sechs- bis siebenstellige Gagen scheinen durchaus möglich zu sein. Für die Spitzenverdiener, versteht sich. Auch eine Helene Fischer hat mal mit 300 Euro Abendgage angefangen.
Auf Platz zwei der Gagenhierarchie stehen die Stars der Klassikbranche: Anna Netrebko, Jonas Kaufmann, Anne-Sophie Mutter, Igor Levit und so weiter. Aber auch hier herrscht weitgehend Stillschweigen. Abendgagen für Konzerte in Höhe von 80000 Euro, manchmal auch 100000 Euro sollen da durchaus möglich sein, erzählt man sich.
2017 kursierte ein Ranking über Gagen für Opernstars; da war von 15000 Euro für Anna Netrebko die Rede, als Teil einer Opernproduktion in einem Theater von der Kategorie der Staatsopern in Wien, Berlin oder Hamburg. Ist das wahr? Netrebko protestierte damals lautstark, allerdings weniger gegen die Spekulationen über ihre Abendgage als gegen die, die „Forbes“ über ihr Jahreseinkommen angestellt hatte: Auf 6,35 Millionen Euro hatte die Zeitschrift das beziffert. Netrebko entgegnete „hört auf zu lügen.“ Fest steht: Sänger, die an einem Opernhaus ihre Karriere starten, erhalten derzeit 2200 Euro. Monatlich.
Am Ende der Nahrungskette stehen aber nicht die Klassikmusiker, sondern die Jazzer. Ein müder Witz beschreibt die Situation ziemlich treffend: Was unterscheidet einen Jazzer vom Rockmusiker? Der Jazzer spielt tausende Akkorde für drei Zuschauer. Beim Rocker ist es umgekehrt. Das schlägt sich in den Gagen nieder: Für einen Soloabend mit dem fantastischen Pianisten Brad Mehldau sei man mit 10000 Euro dabei, sagt ein Kenner. Und der Nachwuchs ist schon dankbar, wenn nach dem Konzert der Hut rumgeht.