Trockener Sommer  Wie gut geht es dem Emder Stadtwald?

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 23.08.2022 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Refugium im Emder Stadtnorden: der Stadtwald aus der Vogelperspektive. Foto: Bruns
Refugium im Emder Stadtnorden: der Stadtwald aus der Vogelperspektive. Foto: Bruns
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Und wieder stehen den Ostfriesen trockene, heiße Tage ins Haus. Abkühlung in Emden verspricht ein Spaziergang im Stadtwald. Förster Erich Delfs rät, Zigaretten und Feuer unbedingt Zuhause zu lassen.

Emden - Für manche sind Temperaturen um die 30 Grad eine Qual. Ihnen wird es schlichtweg zu heiß. In einer Woche wie dieser, in der der Sommer auch in Ostfriesland wieder aufdreht, suchen sie schattige Plätze und Entlastung. Ein beliebter Ort, der natürliche Abkühlung jenseits energiehungriger Klimaanlagen verspricht, ist der Stadtwald. Im Zentrum und unter dem dichten Blätterdach könnte der Temperaturunterschied schnell „bis zu acht Grad“ ausmachen, schätzt Erich Delfs. Er ist als Bezirksförster für das Wohl und Wehe der grünen Lunge in Emden verantwortlich. Und er hat mit der Redaktion über den Zustand des Naherholungsgebiets gesprochen.

Was und warum

Darum geht es: Die trockenen Sommer setzen der Natur zu.

Vor allem interessant für: diejenigen, die den Emder Stadtwald schätzen und nutzen

Deshalb berichten wir: Die Temperaturen klettern in Ostfriesland wieder in die Höhe. Einerseits verspricht der Stadtwald Abkühlung. Andererseits erhöhen viele Besucher potenziell die Waldbrandgefahr.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Der Anlass für das Gespräch sind die seit Monaten anhaltenden Berichte über die Trockenheit in weiten Teilen Europas und die Bilder immer neu aufflammender Waldbrände auch in Deutschland. Wir wollten von Delfs wissen, wie es um die größte zusammenhängende Waldfläche in Emden und dem Umland bestellt ist. Alle, die sich Sorgen um den Stadtwald machen, kann der Förster beruhigen: Es gehe ihm im Verhältnis zu vielen anderen noch gut, so Delfs. „Es ist ein junger Wald“, sagt er. Bedenken habe er eher für die Altbestände.

Junge Bäume sind im Vorteil

Was er meint: Der nördlich an den Emder Flugplatz angrenzende Stadtwald wächst erst seit wenigen Jahren heran, genauer: seit dem Jahr 2000. Es ist ein ehrgeiziges, naturnahes Forstprojekt. Rund 450.000 Bäume sind seinerzeit gepflanzt worden, perspektivisch sollen auf einer 71 Hektar großen Fläche, durch die die Grenze zwischen Emden und der Gemeinde Hinte verläuft, bis zu 700.000 Bäume wachsen. Das geringe Alter der Bäume gibt ihnen in trockenen Perioden wie jetzt einen wichtigen Vorteil gegenüber älteren und höher aufragenden Gehölzen. Die Wurzeln reichen noch nicht so tief, der Niederschlag kommt eher bei ihnen an.

Dramatischer wirkt sich der fehlende Regen der vergangenen Monate in den immer stärker ausgelaugten tieferen Erdschichten aus. Je trockener der Untergrund, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Wasser einzelner Schauer vor dem Absinken in tieferen Boden verdunstet. So gesehen steht der Stadtwald auch im innerostfriesischen Vergleich gerade weit besser da als andere, sagt Delfs: „Er gehört noch zu den besseren Gegenden.“

Landkreis erlässt Eilverordnung wegen Waldbrandgefahr

Trotzdem ist auch der Stadtwald potenziell gefährdet. „Offenes Feuer fängt bei einer Zigarette an“, gibt der Bezirksförster zu Bedenken. Er appelliert: „Am besten gar nicht im Wald rauchen bei der Hitze.“ Noch riskanter als eine brennende und unachtsam ins trockene Unterholz weggeschnippte Zigarette sind Lagerfeuer oder glühende Grillkohle. Gerade in Kiefernwäldern können sich trockene Nadeln schnell entzünden und kann ein Brand rasch außer Kontrolle geraten.

Aus diesem Grund sieht man sich außerhalb von Ostfriesland zu Eingriffen in die Bewegungsfreiheit gezwungen. So hat der Landkreis Vechta zum 18. Juli per Eilverordnung strengere Verhaltensregeln für seine Wälder verfügt. „Es handelt sich nicht um ein Betretungsverbot“, stellt Jochen Steinkamp vom Landkreis-Referat für Öffentlichkeitsarbeit klar. Allerdings ist die Nutzung sämtlicher Feuerquellen in Wäldern und Mooren seitdem untersagt. Die Sorge um die Natur ist in diesem erneut heißen Sommer groß.

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Stadt Emden rüstet Einsatzfahrzeug um

Bei der Stadt Emden sind solche Einschnitte derzeit offenbar noch kein Thema. Während der Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes in dieser Woche für Graslandflächen in der kreisfreien Stadt die zweithöchste Stufe ausweist, wird die Brandgefahr für den Wald deutlich geringer eingeschätzt. Trotzdem ist die Verwaltung wachsam. „Der Grund sind das sehr trockene Unterholz sowie die seit Wochen ausbleibenden längeren Regenereignisse“, lässt die Pressestelle auf Anfrage schriftlich wissen.

Um für den speziellen Fall eines Waldbrandes besser gewappnet zu sein, wurde ein Fahrzeug der Feuerwehr umgerüstet. Nach Informationen der Stadt handelt es sich um ein besonders leichtes und geländegängiges Fahrzeug, mit dem man schnell Wasser dahin bringen kann wo es benötigt wird. Außerdem hätten die Einsatzkräfte der hauptberuflichen Wachbereitschaft Ausbildungen für Waldbrände und Vegetationsbrände absolviert, teilt die Sprecherin der Stadt, Theda Eilers, mit. Zusätzlich stehe den Einsazukräften Spezial-Equipment zur Verfügung.