Von wegen 24-Stunden-Flohmarkt  Ärger über vorzeitigen Rückzug der Trödler in Simonswolde

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 22.08.2022 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Beim Stöbern in Simonswolde hatten viele alle Hände voll zu tun. Fotos: Boschbach
Beim Stöbern in Simonswolde hatten viele alle Hände voll zu tun. Fotos: Boschbach
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Beim 24-Stunden-Flohmarkt haben viele das Motto der Veranstaltung nach Meinung einiger Besucher nicht ernst genug genommen. Das könnte Konsequenzen haben.

Simonswolde - Es hat etwas von einem Spiel ohne Grenzen, einer Herausforderung: Der 24-Stunden-Flohmarkt in Simonswolde am vergangenen Wochenende bezieht seinen Charme dadurch, dass Trödeln rund um die Uhr möglich ist. Von 17 Uhr am Sonnabend bis 17 Uhr am Sonntag. Doch in diesem Jahr hat der Flohmarkt nach Meinung vieler einiges von seinem Reiz eingebüßt: „Alle packen um 23 Uhr ihre Sachen ein und sind weg“, klagt eine Nutzerin des Facebook-Profils „Verspotted Landkreis Aurich“. Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause habe sie sich darauf gefreut, mal wieder nachts über den Flohmarkt zu schlendern. Doch Fehlanzeige! Viele Beschicker hätten sich bereits vom Acker gemacht. Diese Beobachtung haben offenbar auch andere Besucher gemacht und äußern sich dementsprechend: „Die Leute haben kein Stehvermögen mehr“, sagt Facebook-Nutzer Henrik Hartmann dazu.

Eine junge Frau hat offenbar auch in Simonswolde verkauft. Sie sagt, dass sie bereits am Sonnabend um 10.20 Uhr dort gewesen sei und aufgebaut habe. Gegen 22.30 Uhr sei sie „platt gewesen“ und habe alles wieder zusammengepackt, um nach Hause zu fahren. Ist das die Umkehr des ursprünglichen Prinzips? Hinrich Päben erinnert sich noch an die Anfänge des Flohmarkts im Jahr 1981. Der Simonswoldmer Ortsbürgermeister sagt, dass die Veranstaltung früher an einem Sonntag um 6 Uhr begonnen habe. „Wenn man damals ein Schnäppchen haben wollte, musste man ganz früh, also eigentlich mitten in der Nacht, an den Ständen entlangleuchten, um einen Fang machen zu können“, entwirft er ein stimmungsvolles Bild. Aus der damaligen Zeit habe sich die Notwendigkeit entwickelt, entweder die Nacht zum Sonntag durchzumachen oder am Morgen sehr früh aufzustehen.

Mehr Besucher als sonst

Fast 30 Jahre lang wurde der Flohmarkt vom Gewerbeverein ausgerichtet. Als die Veranstaltung immer größer wurde und der Zulauf an Publikum zu einem Verkehrschaos geführt hatte, ging die Regie an professionelle Anbieter. Vorher hatte der damalige Ortsbürgermeister Arno Ulrichs dafür gefochten, dass der Landkreis Aurich den „Flohmarkt nicht mit seinen Auflagen erdrosseln soll“, wie es in einem Schreiben hieß. Die Behörde hatte damals ein neues Verkehrskonzept gefordert. Dies war Voraussetzung dafür, dass der Flohmarkt genehmigt wurde. Damals hieß es, dass bis zu 13.000 Besucher durch den kleinen Ort flanierten. In diesem Jahr hatte Veranstalter Horst Harms davon gesprochen, rund 25.000 Besucher gezählt zu haben. Telefonisch war der Neu-Simonswoldmer am Montag nicht zu erreichen. Die Redaktion hätte gerne gewusst, wie er das Verhalten der Beschicker wahrgenommen hat.

Die Händler hatten ihre Ware sehr professionell präsentiert.
Die Händler hatten ihre Ware sehr professionell präsentiert.

Gemeindebürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) hatte am Sonntag im Gespräch mit dieser Zeitung ebenfalls erwähnt, dass etliche Händler bereits vor Mitternacht ihre Siebensachen zusammengepackt hätten und nach Hause gefahren seien. Dieses Verhalten ist unter Umständen einer Veränderung des Zeitrahmens zuzuschreiben. Wenn der Flohmarkt aktuell um 17 Uhr öffnet, sind viele Schnäppchenjäger bestrebt, vielleicht schon beim Aufbau, also am späten Mittag, dort zu sein, um ersten Zugriff auf Raritäten zu haben. Das heißt, dass sich die Haupt-Feilschzeiten verschieben.

Jakob Schönemann, ein Mann der ersten Nachtflohmarkt-Stunden, erinnert sich daran, dass bereits in den 80er Jahren nicht alle Beschicker tatsächlich die ganze Nacht ausgehalten hätten: „Auch damals gab es schon welche, die nicht dort im Wagen oder einem Wohnmobil schlafen wollten.“ Wie aktuell das zahlenmäßige Verhältnis von jenen, die geblieben sind, zu den Abgewanderten war, konnte er nicht quantifizieren.

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