Kultursommer  Der kulturelle Sommer geht in Emden in den Endspurt

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 22.08.2022 08:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Duo „Eya y Compania“ zeigte ihr Können beim Straßenkunstfestival in Emden. Foto: Hock
Das Duo „Eya y Compania“ zeigte ihr Können beim Straßenkunstfestival in Emden. Foto: Hock
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Eigentlich ist der Kultursommer nur am Stephanplatz. Aber unter dem griffigen Begriff werden ganz viele Veranstaltungen zusammengefasst – und es geht in den Endspurt.

Emden - Kurzweilige Unterhaltung bot am vergangenen Wochenende das Straßenkunstfestival in Emden. Fünf Einzelkünstler und Gruppen boten Akrobatik, Feuershow und Lustiges.

Was und warum

Darum geht es: Auch wenn die Kulturbranche weiter stark zu kämpfen hat: Manche Konzepte funktionieren weiterhin, so der Kultursommer am Stephansplatz.

Vor allem interessant für: Kulturinteressierte

Deshalb berichten wir: Wir wollten einen Zwischenstand zum Kultursommer bringen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Das Straßenkunstfestival wechselte zwischen dem Neuen Markt beziehungsweise dem Bereich an der Westeremstonne und dem Stadtgarten hin und her. Das Straßenkunstfestival war Teil des ansonsten auf dem Stephansplatz stattfindenden Kultursommers. Dieser läuft noch ein paar Wochen, dennoch haben wir die Organisatoren um ein erstes Fazit gebeten.

Viele der Darbietungen, hier "Muy Moi", auf dem Straßenkunstfestival waren auch gut für Kinder geeignet. Foto: Hock
Viele der Darbietungen, hier "Muy Moi", auf dem Straßenkunstfestival waren auch gut für Kinder geeignet. Foto: Hock

Viele Zuschauer beim Straßenkunstfestival

Gemessen an den Menschenmassen, die die Darbietungen der Straßenkünstler verfolgten, war das Straßenkunstfestival für sich schon ein Erfolg. Das bestätigt auch Innenstadtkoordinatorin Heika Ring. Sie ist zusammen mit dem Musiker und Veranstalter Tim Gressler für den Kultursommer verantwortlich. „Das Straßenkunstfestival und auch die Veranstaltungen auf dem Stephansplatz werden sehr gut angenommen“, so ihr bisheriges Fazit. Das bestätigt auch Tim Gressler im Gespräch mit dieser Zeitung. Gressler organisiert die Konzerte und Angebote auf dem Stephansplatz. „Es läuft super“, sagt er. Man befinde sich jetzt im Endspurt.

Für manche vielleicht verwirrend: Auf den Programmflyern zum Kultursommer werden auch weitere, im Sommer stattfindende Kulturangebote beworben. „Wir wollten hier gemeinsam auftreten und uns präsentieren“, so Heika Ring. Gefördert wurde der Kultursommer mit EU-Mitteln, Teil des Förderprogramms „Perspektive Innenstadt“. Ursprünglich sollte dieser nicht nur am Stephansplatz stattfinden, aber andere angedachte Flächen seien schon belegt gewesen, so Ring. Das sei für die Anwohner sicher nicht immer leicht, aber die Rückmeldungen seien, das sagt auch Gressler, insgesamt positiv.

Für Wiederholung im kommenden Jahr offen

Am 9. September endet der Kultursommer. Dann ist dieser Punkt für die Innenstadtkoordinatorin erstmal abgeschlossen. Für eine Wiederholung im kommenden Jahr sei man aber offen, bestätigt auch Stadtsprecherin Theda Eilers. Allerdings müsse man dann schauen, wie das Ganze finanziert werden kann. „Dem Publikum hat es sehr gefallen. Ich wüsste nichts, was grundsätzlich dagegen sprechen würde, so etwas nochmal zu veranstalten“, sagt Ring.

Durch die Resonanz habe man gemerkt, wie ausgehungert das Publikum nach der Corona-Zeit sei. Auch die Spendenbereitschaft für die Künstler, die gegen Hutgeld gespielt haben, sei groß gewesen. Das gelte auch für das Straßenkunstfestival. „Hier müsste man bei einer Wiederholung aber überlegen, ob nicht ein Tag ausreiche“, sagt Ring.

Konzept „Kultursommer“ funktioniert

Das Konzept auf dem Stephanplatz, mit dem ein bisschen „Urbanität“ und ganz unterschiedliche kulturelle Angebote in diesen Teil der Innenstadt gebracht werden sollen, funktioniert auch laut Gressler. „Es ist immer ein ganz unterschiedliches Publikum da“, freut er sich. Darunter seien auch viele Anwohner, Senioren, aber aufgrund des nahegelegenen Spielplatzes auch Kinder. „Auf der offenen Bühne haben sich schon ein paar ziemliche Perlen präsentiert“, resümiert Gressler.

Auch beim eigentlichen Kultursommer am Stephansplatz gibt es viel zu erleben. Noch bis 9. September gibt es hier Veranstaltungen. Foto: Stadt Emden/Veranstalter
Auch beim eigentlichen Kultursommer am Stephansplatz gibt es viel zu erleben. Noch bis 9. September gibt es hier Veranstaltungen. Foto: Stadt Emden/Veranstalter

Aber nicht nur bei der offenen Bühne, bei der vorher nicht bekannt ist, wer auftritt, seien bislang viele Gäste gewesen. Auch bei den angekündigten Künstlerinnen und Künstlern sei der Zulauf immer gut gewesen. „Wir hatten auch queeren Hiphop aus Leipzig vor einem doch eher älteren Publikum“, so Gressler. „Spaß hatten trotzdem alle.“ Auch Ring bestätigt Gressler eine „sehr gute Arbeit“. Gerade angesichts der nur sehr kurzen Planungsphase. „Ohne seine Erfahrungen und Kontakte wäre es sicher nicht möglich gewesen, dass innerhalb von knapp zwei Monaten auf die Beine zu stellen“, so Ring.

Situation für Veranstalter weiter schwierig

Dennoch sollte der Erfolg des geförderten Kultursommers nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Veranstaltungsbranche weiter leidet. „Bei Veranstaltungen drinnen sieht das noch schlimmer aus“, so Gressler. Er selbst ist Musiker und will ab September wieder auf Tour. „Das ist alles nur schwer planbar.“

Trotz aller Corona-Nachwirkungen und Geldsorgen angesichts der steigenden Preise könne Gressler aber nicht davon sprechen, dass die Menschen keine Lust mehr auf Kultur haben. Eine Gewisse Vorsicht und Zurückhaltung, ja. „Aber wir bringen mit dem Kultursommer die Kultur dorthin, wo die Menschen sind“, sagt er. Für eine Fortführung dieses Konzeptes, bei dem Kunst „in die Fläche“ gebracht wird, sei auch die Stadt Emden offen, so Eilers. „Mit der Komischen Nacht geht es ja schon in eine ähnliche Richtung“, sagt sie. Die komische Nacht findet am 24. November in sieben Kneipen, Cafés und Restaurants in der Emder Innenstadt statt. Und, so gibt Eilers zu bedenken: Ab dem Frühjahr stehe ja auch wieder das Festspielhaus am Wall, das vormalige Neue Theater, zur Verfügung. „Dann haben wir wieder ganz andere Möglichkeiten.

So geht es weiter auf dem Stephansplatz

  • 25. August, 17 Uhr: Offene Bühne
  • 26. August, 19 Uhr: David Weber „Songs & Poetry“ aus Bremen
  • 27. August, 19 Uhr: Tin Tin Deo, Latin Jazz aus Emden
  • 1. September, 17 Uhr: Offene Bühne
  • 8. September, 17 Uhr: Offene Bühne
  • 9. September, 16 Uhr: Abschlussfest Kultursommer
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