Geplante Flüchtlingsunterkunft  Tickets für die Emder Nordseehalle gekauft? Das müssen Sie wissen

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 19.08.2022 17:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Tickets für die Nordseehalle? Erstmal keine Panik: Noch ist gar nicht heraus, was ausfallen wird und was einfach nur an einem anderen Ort oder zu einem anderen Termin stattfindet. Symbolfoto: Archiv
Tickets für die Nordseehalle? Erstmal keine Panik: Noch ist gar nicht heraus, was ausfallen wird und was einfach nur an einem anderen Ort oder zu einem anderen Termin stattfindet. Symbolfoto: Archiv
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Der Umbau der Nordseehalle zur Unterkunft für Geflüchtete wirft die Emder Veranstaltungsplanung völlig aus der Bahn. Das müssen Kartenbesitzer jetzt wissen.

Emden - Seit sich in dieser Woche Verwaltung und Politik der Stadt Emden dazu entschlossen hatten, in der Nordseehalle Platz für Geflüchtete, vor allem aus der Ukraine, zu schaffen, wird hinter den Kulissen im Akkord gearbeitet. Das wurde nicht nur bei der Pressekonferenz der Stadt am Donnerstag deutlich, sondern auch gerade, wenn man in Richtung Kulturevents Emden blickt. Denn dieser städtische Eigenbetrieb betreibt die Nordseehalle – und es müssen nicht nur Mitarbeiter koordiniert, sondern auch Veranstaltungen abgesagt werden.

Was und warum

Darum geht es: Grammel, Sasha und Popolski finden in der Nordseehalle noch statt. Ob alle anderen Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Vor allem interessant für: diejenigen, die Karten für Veranstaltungen in der Nordseehalle oder für andere Angebote von Kulturevents Emden haben

Deshalb berichten wir: Kulturevents Emden hat sich zu der Zeit nach dem 10. September geäußert.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Denn Emdens größte Veranstaltungshalle war bis Ende dieses Jahres schon gut mit Veranstaltungen belegt. Wie viele, das vermochte die Stadt am Donnerstag gar nicht genau zu beziffern. Es seien aber „40 Veranstaltungstage“, also Tage, an denen irgendeine Art von Versammlung oder Veranstaltung stattfinden sollte, betroffen. Während Versammlungen und Tagungen relativ einfach abzusagen sind, ist das bei Konzerten und Theater eine andere Sache, denn: Hier wollen viele Menschen wissen, was mit ihren Karten passiert.

Was findet noch statt?

Findet noch statt: der Auftritt von Sascha Grammel an diesem Sonntag (21. August). Auch die Auftritte von "Sasha & Band" sowie von Pawel Popolski können stattfinden. Foto: Veranstalter/Archiv
Findet noch statt: der Auftritt von Sascha Grammel an diesem Sonntag (21. August). Auch die Auftritte von "Sasha & Band" sowie von Pawel Popolski können stattfinden. Foto: Veranstalter/Archiv
Am Freitag hat sich Kulturevents Emden mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt. Wer Karten für folgende Veranstaltungen in der Nordseehalle hat, muss sich um eine Ticketrückgabe oder eine Verschiebung keine Gedanken machen: Sascha Grammel (21. August), Sasha & Band (3. September) und Pawel Popolski (10. September). Diese Veranstaltungen finden wie geplant statt, auch wenn Teile der Halle schon umgebaut werden.

Sämtliche anderen Veranstaltungen in der Nordseehalle, zunächst bis zum 31. Dezember dieses Jahres, sind gerade in der Umplanung. Die Kulturevents-Veranstaltungen in der Johannes-á-Lasco-Bibliothek „finden planmäßig statt“, heißt es in der Mitteilung.

Fallen alle anderen Veranstaltungen aus?

Wer Tickets für die Nordseehalle hat, aber nicht für die oben genannten Veranstaltungen, sollte erstmal abwarten. „Wir bitten die Kartenkäufer um Verständnis und etwas Geduld“, heißt es von Kulturevents. Aufgrund der Kurzfristigkeit der Entscheidung, die Nordseehalle als Unterkunft zu nutzen, sei es noch nicht möglich gewesen „alternative Veranstaltungsorte oder -termine zu koordinieren“. Das bedeutet: Die Kultur-Veranstaltungen nach dem 10. September fallen nicht zwangsläufig aus. Bei manchen könnten sich noch Optionen in anderen Spielstätten auftun. Sollten Veranstaltungen „endgültig abgesagt werden müssen“, werde darüber „umgehend“ informiert.

Schon fest steht derweil, dass die traditionsreiche Emder Fußball-Stadtmeisterschaft aufgrund der Umnutzung der Nordseehalle zum dritten Mal in Folge ausfallen muss. Das bestätigte Rainer Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender des Fußball-Kreises Ostfriesland und Organisator der Veranstaltung, am Donnerstag.

Können Tickets trotzdem schon zurückgegeben werden?

Weil diese Planungen noch nicht abgeschlossen sind, seien die Veranstaltungen nach dem 10. September auch „noch nicht zum Storno freigegeben“. Kulturevents bittet deswegen Ticketbesitzer, „von einer umgehenden Rückgabe“ abzusehen. Gleiches gelte für „betroffene Rabatt-Aktion-Kunden (Mehrfachbuchungen)“.

Diese werden von Kulturevents noch separat informiert. Da, je nach Ausgang der Planungen, mit zahlreichen Rückabwicklungen gerechnet werden muss, bitten die Nordseehallenbetreiber auch hier um Geduld.

Was passiert mit den Mitarbeitern?

Wenn keine Veranstaltungen in der Nordseehalle stattfinden, bedeutet das in diesem Fall keine Arbeitslosigkeit für die angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie Stadtrat Volker Grendel am Donnerstag sagte, wird das Team von Kulturevents auch weiterhin in der Nordseehalle arbeiten. Sie werden in der Sammelunterkunft eingesetzt. „Die Mitarbeiter kennen sich dort aus“, sagte Grendel. Zudem würde sich die Stadt so ersparen, einen externen Betreiber für die Sammelunterkunft organisieren zu müssen.

Was sagt Kulturevents Emden?

„Flexibilität, Belastbarkeit, Teamgeist und Eigenverantwortlichkeit sind Grundvoraussetzungen für einen Arbeitsplatz in der Veranstaltungswelt“, heißt es dazu in der Mitteilung von Kulturevents Emden. „Da wird nicht gleich bei der ersten Herausforderung der Kopf in den Sand gesteckt, sondern in Teamleistung auf Plan B bis Z ausgewichen.“

Dennoch sei die vergangene Zeit hart gewesen. „Das Team von Kulturevents Emden fand sich plötzlich nicht hinter den Bühnen wieder, sondern war in der zum Impfzentrum umfunktionierten Nordseehalle als Impfhelfer in administrativen Bereichen tätig“, heißt es weiter. Nun stehe das Team vor der nächsten Herausforderung. Auch dieser wolle und werde man sich stellen. „Während das Veranstalterauge selbstverständlich weint, stellen wir uns mit Zuversicht der neuen, temporären Aufgabe und sind dankbar, Menschen in einer Notlage unterstützen zu können, die sie selbst nicht verursacht haben.“

Was sagen die Emderinnen und Emder?

Auch in der Stadt wird über die Pläne der Verwaltung gesprochen. Die meisten zeigen im Gespräch mit dieser Zeitung Verständnis. Gerd Borcherding zum Beispiel: „Die Stadt kann ja gar nichts anderes tun, die muss ja irgendwie Platz für die armen Menschen schaffen“, sagt der 79-Jährige. Auch die 18-jährige Malena Trinkner sagt: „Ich finde es gut, weil es momentan wichtiger ist. Die Veranstaltungen kann man ja auch nachholen.“

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Etwas kritischer sieht Norbert Greiser, 69 Jahre alt, die Sache. Für ihn sei es eine Frage der Alternativen. „Wenn es eine Notlage ist, ist es ja okay. Aber ich erwarte von der Politik, dass die das eher auf die Reihe kriegen, das zu organisieren, das Problem ist ja nicht neu.“ Für die Menschen, die geflüchtet sind, sei es gut, „aber von Seiten der Politik finde ich es unmöglich, dass die Bürger das ausbaden müssen. Die Verteilung fängt ja auch nicht erst in Emden an“, so Greiser.

Auch Kerstin Wittke fragt sich, ob es nicht auch andere Möglichkeiten gegeben hätte: „Schwierig zu sagen. Ich denke, eigentlich müsste es auch andere Möglichkeiten geben, wie zum Beispiel ein Containerdorf aufzubauen. Weil man ja durch Corona schon auf so viel verzichtet hat“, sagt die 39-jährige Hinteranerin.