Hamburg  Neue Nilkrokodile sollen im Tierpark Hagenbeck Streit schlichten

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 19.08.2022 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Um die drei Weibchen zu fangen, brauchte es einige Hilfsmittel und viel Geduld. Foto: Hagenbeck
Um die drei Weibchen zu fangen, brauchte es einige Hilfsmittel und viel Geduld. Foto: Hagenbeck
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Weil sich zwei Krokodile regelmäßig angekeift haben, hat der Tierpark Hagenbeck nach einer Lösung gesucht. Mit drei neuen Tieren haben sie die offenbar in Frankreich gefunden. So verliefen Transport und Eingewöhnung.

Es gibt neuen Zuwachs im Tierpark Hagenbeck: Die Krokodilweibchen Abby und Vicky sowie wie das Männchen Raja dürfen seit einer Woche drei neue Artgenossen bei sich im Tropen-Aquarium begrüßen: Mia, Zonja und Linyanti.

„Es war zum einen möglich, weil die Anlage das hergab, und zum anderen war es nötig, weil sich die beiden Damen immer mehr gestritten haben“, erklärt der zoologische Direktor Guido Westhoff die Entscheidung für die Neuzugänge. Krokodile seien äußerst sozial und man erhofft sich, dass die drei neuen Weibchen in der 400 Quadratmeter großen Krokodilanlage die angespannte Situation entschärfen. Bislang funktioniert es.

Mit ihren 29 Jahren sind die drei Neuankömmlinge jedoch längst keine Jungtiere mehr. Laut Westhoff hat man sich bewusst gegen solche entschieden, weil sie keinen Einfluss auf die beiden 32-jährigen Streithähne hätten nehmen können. Vielmehr hätte da die Gefahr bestanden, dass sie sich nicht gegen die älteren Krokodile hätten behaupten können und gegebenenfalls gefressen worden wären. Das sei nicht unüblich unter Krokodilen, etwa 90 Prozent der Babys fielen in der freien Natur den eigenen Artgenossen zum Opfer.

So fiel die Wahl am Ende auf Mia, Zonja und Linyanti. Sie gehören zur Art der bedrohten Nilkrokodile, genau wie ihre drei neuen Aquariumsgenossen. Diese stammen von einer Reptilienfarm im südfranzösischen Pierrelatte, wo zurzeit etwa 300 Krokodile leben.

Letzte Woche Donnerstag begann ihr Aufbruch für die Reise in das weit entfernte Hamburg. Doch so leicht sei es gar nicht, ein drei Meter langes und mehrere hundert Kilogramm schweres Tier zu transportieren, dessen Biss tödlich enden kann, wie der Direktor berichtet.

Demnach hat man die Krokodile zunächst mit Seilen fixiert und die Schnauze abgebunden, um die Verletzungsgefahr zu verringern. Mit einem Handtuch über dem Kopf des Tieres und einem Beruhigungsmittel hat man das Tier entspannt, um es daraufhin auf eine Trageleiter zu legen und in eine Transportbox mit Luftlöchern zu manövrieren. Sechs Menschen brauchte man dafür. Dann begann die eintägige Tour über 1300 Kilometer in einem klimatisierten Spezialtransporter.

Nun sind die drei dabei, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen und auch das Tagesprogramm im Tierpark Hagenbeck zu lernen. Ihr Leben besteht nämlich nicht nur daraus, sich im Wasser treiben zu lassen und auf die Fütterung zu warten: Jeden Tag gibt es beispielsweise auch 20 Minuten Kommando-Unterricht. Die „alten“ Krokodile hören unter anderem auf ihren Namen und kommen auf Ansage angeschwommen. Und jedes Mal, wenn es klappt, gibt es einen Tintenfisch als Belohnung. So haben sie bereits acht Kommandos gelernt.

Für die intelligenten Tiere dient dies zum einen als Beschäftigung, zum anderen ist es eine Hilfe für Pfleger, um auf Wunsch das Becken freizubekommen oder zum Beruhigen, wenn bei einem Krokodil mal eine Verletzung behandelt werden muss. Das müssen die Neuankömmlinge noch lernen, aber etwas Zeit haben sie ja noch: Krokodile werden bis zu 80 Jahre alt und werden daher noch einige Zeit in Hamburgs Tierpark verbringen.

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