Ungewöhnliches Naturphänomen Tausende Feuerquallen am Strand angespült
Auf Langeoog wurden Anfang des Monats massenhaft Feuerquallen am Strand angespült. Etliche Urlauber wurden verletzt. Rettungsschwimmer der DLRG sorgte bei vielen mit einem Hausmittel für Linderung.
Ostfriesland - An den heißen Sommertagen der vergangenen Wochen freuten sich viele auf eine erfrischende Abkühlung an den Stränden an der Küste und auf den Inseln. Auf der Insel Langeoog wurde das Badevergnügen aber getrübt. Am Strand sorgte eine regelrechte Feuerquallen-Flut für viele Verletzte.
Was und warum
Darum geht es: Auf Langeoog wurden viele Menschen durch Feuerquallen verletzt.
Vor allem interessant für: alle, die an der Küste und den Inseln gerne im Meer baden gehen
Deshalb berichten wir: Wir haben vom massenhaften Auftreten von Feuerquallen auf Langeoog erfahren und wollten die Hintergründe des Phänomens erfahren. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
„Man kann sich so etwas kaum vorstellen: Der ganze Strand war quasi mit Quallen gepflastert“, berichtet Olaf Gedrowitz. Der Rettungsschwimmer ist als Abschnittsleiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) für die Sicherheit der Badegäste auf der Insel zuständig. „Es waren solche Massen, dass sie mit dem Radlader abtransportiert werden mussten“, erzählt Gedrowitz.
Rasierschaum als Erste Hilfe
Viele Urlauber wurden durch die Nesseln der glibbrigen Meeresbewohner verletzt. „Eine Frau erlitt einen anaphylaktischen Schock und wurde wegen Atemproblemen mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik auf dem Festland geflogen“, erzählt der Lebensretter. Auch der Rettungsschwimmer selbst ist schon mit den Nesselquallen in Kontakt gekommen. „Das fühlt sich ein bisschen so an, als wenn man mit Brennnesseln in Berührung gekommen ist. Es brennt unangenehm.“
Die Rettungsschwimmer wissen aber, wie man Verletzten leicht Linderung verschaffen kann: mit Rasierschaum und einer ausrangierten EC-Karte. „Wenn man auf die betroffenen Stellen den Schaum aufträgt, richten sich die Nesseln auf und man kann sie dann mit der Karte ganz einfach abschaben.“ Die benötigten Mengen an Rasierschaum waren so groß, dass nach den Worten des DLRG-Abschnittsleiters sogar Nachschub geordert werden musste. Denselben Effekt erzielt man übrigens, wenn man die betroffene Hauptpartie mit Essig benetzt. Eines sollte man laut Gedrowitz aber vermeiden: die Stellen mit Wasser oder Sand abzureiben. Dadurch würden die Nesseln nur noch tiefer in die Haut eindringen. „Dann dauert es noch länger, bis das Brennen nachlässt.“
Bis zu 80 Badegäste „verarztet“
Bis zu 80 Badegäste täglich hätten er und seine Kollegen behandelt. „Weil wir zeitweise allemann am Verarzten waren, konnten wir keine Bewachung sicherstellen und haben daher gelb und rot geflaggt.“ Nach einigen Tagen habe der Wind gedreht. Inzwischen steht dem ungetrübtem Badespaß auf Langeoog nichts mehr entgegen. „Das ist eben ein Naturphänomen, das alle paar Jahre mal auftritt“, sagt Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn, „Wassertemperatur, Strömung und die Windrichtung spielen dabei eine Rolle, weil die Quallen sich passiv bewegen“.
Es sei schade, wenn Gäste dadurch auf das Badevergnügen verzichten müssen. „Aber letztlich haben wir darauf keinen Einfluss.“ Dass wüssten auch die Urlauber. Beschwerden habe es nicht gegeben. Die Strände am Festland blieben von dem Massenphänomen verschont. Auch auf der Insel Borkum gibt es kein Quallenproblem. „Hier tauchen nur vereinzelt Quallen im Wasser auf“, berichtet der Borkumer DLRG-Abschnittsleiter Holger Schrank.
Quallen profitieren vom Klimawandel
Aber wie kommt es zu diesem Massenphänomen? „Bereits seit den 1950er Jahren ist ein vermehrtes Quallenvorkommen zu beobachten“, berichtet Dr. Benedikt Wiggering. Der Biologe ist bei der Nationalparkverwaltung Nieder für die Bereiche Monitoring und Biodiversität zuständig. Die Quallen profitieren gewissermaßen vom Klimawandel. „Die Wassertemperatur ist angestiegen und die Winter sind mild.“ Dadurch habe sich nicht nur das Plankton, Nahrungsquelle der Quallen, verändert.
Durch die Klimaveränderungen seien auch einige Fischarten abgewandert. Es gebe dadurch aber nicht nur mehr Nahrung und weniger Fressfeinde für die Quallen. Unbewusst hat auch der Mensch dazu beigetragen, dass die Quallen in der Nordsee gute Fortpflanzungsbedingungen finden. Die Polypen, das ist ein Entwicklungsstadium der Quallen, finden an den Betonfüßen der Windkraftanlagen auf See, gute Entwicklungsmöglichkeiten.