Schützenverein mal anders  In der Krummhörn gibt es mehr als Gewehre und Pistolen

Dorothee Hoppe
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Von Dorothee Hoppe
| 19.08.2022 08:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schütze Jupp Mathia zeigt einen Pfeil, mit dem ein Blasrohr geladen werden kann. Foto: Hoppe
Schütze Jupp Mathia zeigt einen Pfeil, mit dem ein Blasrohr geladen werden kann. Foto: Hoppe
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Der Krummhörner Schützenverein bietet seit einigen Monaten auch Blasrohrschießen an. Doch was hat es damit auf sich und gibt es noch andere Disziplinen neben Gewehren und Pistolen?

Krummhörn - Dass der Schießsport aus mehr bestehen kann als aus Luftdruckwaffen, ist in Schützenvereinen ein Thema. Auch die Schützen in der Krummhörn gehen neue Wege.

Was und warum

Darum geht es: welche anderen Disziplinen Schützenvereine neben Gewehren und Pistolen anbieten

Vor allem interessant für: Schützinnen, Schützen und die, die es werden wollen

Deshalb berichten wir: Der Krummhörner Schützenverein bietet seit einigen Monaten auch das Blasrohrschießen an.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de

Neben einer elektronischen Schießanlage für Luftgewehre und -pistolen bieten sie nun auch die Disziplin des Blasrohrschießens an. Doch was ist das genau und gibt es bald vielleicht noch mehr?

Trend kommt nach Norddeutschland

Seit diesem Mai hat das Blasrohschießen in der Krummhörn Einzug gehalten. Durch die neue Disziplin habe der Verein bereits in verschiedenen Altersgruppen neue Mitglieder gewonnen. „Die schnuppern dann auch mal in die Gewehre und Pistolen rein“, meint Kai Dorn, Vorsitzender des Schützenvereins Krummhörn. Um den Nachwuchs zu sichern, sei das Blasrohrschießen eine gute Idee, findet auch Erwin Esderts vom Ostfriesischen Schützenbund. „Man braucht den jungen Nachwuchs, um den Verein am Leben zu erhalten. Das Blasrohrschießen ist ein guter Einstieg, um Kinder früh für den Verein zu begeistern.

Vorsitzender Kai Dorn zeigt, wie man ein Blasrohr ansetzt. Foto: Hoppe
Vorsitzender Kai Dorn zeigt, wie man ein Blasrohr ansetzt. Foto: Hoppe

Später sind sie vielleicht sonst schon in einem Fußballverein oder so und dieses Abwerben ist nicht so schön“, sagt Esderts. Außerdem sei durch das Blasrohrschießen in der Krummhörn auch der Kontakt mit anderen Vereinen mehr geworden, berichtet Dorn: „Die waren dann zu Besuch, um zu schauen, wie sie das selbst auch aufbauen können.“

Der Pfeil wird am Mundstück eingelegt und festgedrückt. Foto: Hoppe
Der Pfeil wird am Mundstück eingelegt und festgedrückt. Foto: Hoppe

Bei den Norddeutschen Schützenvereinen sei das Blasrohrschießen seit anderthalb bis zwei Jahren im Kommen, so der Vorsitzende aus der Krummhörn. Seit diesem Jahr gebe es in der Region nun Turniere. „Jetzt ist es bundesweit durch den Schützenbund ausgerollt worden. Vorher war das erst nur in Süddeutschland, so im bayrischen Raum, bekannt“, weiß Dorn. „Ich sage jetzt mal vorsichtig, dass das für manche ja vielleicht auch gesundheitliche Aspekte hat, da es durchaus auch die Lunge trainiert.“ Das bestätigt auch Erwin Esderts. „Man muss Druck erzeugen, um den Pfeil ins Ziel zu befördern. Das ist ähnlich wie beim Luftdruckgewehr, nur dass da eine Feder die Kugel durch den Lauf treibt. Beim Blasrohr kommt der Druck aus der Lunge“, erklärt der Geschäftsführer des Ostfriesischen Schützenbunds. In der Krummhörn sei es eine willkommene Abwechslung. Sie müssten eben auch mehr anbieten, „damit die Leute etwas ausprobieren können und merken, da wird was gemacht. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg“, findet Dorn. „Bei Vereinen ergibt es immer Sinn, zu schauen, wie sie sich weiterentwickeln und Trends ausprobieren können“, so Esderts.

Blasrohrschießen soll nicht die einzige Neuerung bleiben

Aber wie funktioniert Blasrohrschießen? Die 20 Zentimeter großen Zielscheiben erinnern an solche, die es auch beim Bogenschießen gibt. Der äußerste Ring in Blau gibt beim Blasrohrschießen sechs Punkte. Wer die Mitte trifft, erhält zehn Punkte. Erwachsene stehen sieben Meter vom Ziel entfernt, Kinder fünf. „Wenn der König ausgeschossen wird, hat jeder zehn Schuss“, erklärt Jupp Mathia, Mitglied des Krummhörner Schützenvereins. „Man glaubt nicht, was da für eine Geschwindigkeit hintersitzt. Das knallt richtig, wenn der Pfeil auf die Scheibe trifft“, fügt Dorn hinzu. Es gebe verschiedene Rohre: In der Länge können sie nach 1,20 Metern, 1,60 und 1,90 Metern unterschieden werden. Der Durchmesser kann zehn oder 16 Millimeter betragen. Des Weiteren gibt es verschiedene Pfeilarten. „Es liegt am Schützen, wo er am besten mit klarkommt“, so Dorn. Ein Vorteil der neuen Disziplin sind die geringen Anschaffungskosten, wie Esderts vom Ostfriesischen Schützenbund weiß: „Eine Sportwaffe kostet richtig Geld, da ist ein Blasrohr wesentlich günstiger. Das kann eigentlich jeder Verein gut ausprobieren.“

Schütze Jupp Mathia zeigt die verschiedenen Pfeile. Foto: Hoppe
Schütze Jupp Mathia zeigt die verschiedenen Pfeile. Foto: Hoppe

Doch das Blasrohrschießen soll in der Krummhörn nicht die einzige Neuerung bleiben, wenn es nach dem Vorsitzenden geht: „Es ist noch was bei uns im Köcher“, verrät er. Noch in diesem Jahr soll es eine weitere Neuheit bei dem 1980 gegründeten Verein geben. 2023 die nächste, sogar in Kooperation mit einem anderen Verein. Um welche Disziplinen es sich dabei genau handelt, gibt Kai Dorn jedoch noch nicht preis. Aber er kündigt an: „Wir werden immer wieder etwas Neues machen. Da wird noch einiges passieren.“

Lichtschießen, eine Art Biathlon oder Dart?

Aber auch in anderen Schützenvereinen kommen immer wieder neue Ideen für Disziplinen und Kooperationen zustande. Im Verein von Erwin Esderts in Emden gebe es zum Beispiel das Lichtschießen. „Dabei erzielt das Licht das Ergebnis. Es gibt also kein Geschoss“, erklärt er. Des Weiteren sei eine Art „Sommer-Biathlon“ auf Rollen im Kommen.

Das sei aber sehr komplex und aufgrund der Anlagen und spezieller Waffen für Vereine schwierig umzusetzen. Ähnlich dazu sei auch die Disziplin Target-Sprint. „Das ist eine Kombination aus 400 Meter-Lauf und dem Schießen auf Klappziele mit Luftgewehren“, weiß der Schütze. Durch die Lauf-Etappen biete sich dabei die Möglichkeit für Kooperationen mit Sportvereinen. Auch der Bogensport gehöre mittlerweile selbstverständlich zu einigen Schützenvereinen.

Die Ringe der Zielscheiben geben zwischen sechs und zehn Punkte. Foto: Hoppe
Die Ringe der Zielscheiben geben zwischen sechs und zehn Punkte. Foto: Hoppe

„Dart gewinnt immer mehr an Popularität. Als Untergruppen oder Kooperationen mit Dartvereinen ist das auch bei Schützenvereinen hier in der Region denkbar, um mehr Leben in die Vereine zu bringen“, sagt Esderts. Man müsse eben schauen, wie man die Menschen zum Verein bringt. So könne man den Dartspielern auch die Räumlichkeiten der Schützen zur Verfügung stellen, wenn diese frei sind, gibt er ein Beispiel. „Da haben wir in Emden auch schon drüber nachgedacht.“

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