Zum Tod von Wolfgang Petersen  Hollywood-Regisseur hatte ersten Kontakt zum Kino in Emden

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 17.08.2022 16:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wolfgang Petersen beim Besuch des Emder Filmfestes im Juni 2001. Foto: Filmfest Emden-Norderney
Wolfgang Petersen beim Besuch des Emder Filmfestes im Juni 2001. Foto: Filmfest Emden-Norderney
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Der verstorbene Filmemacher Wolfgang Petersen verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in Emden. Als Star-Regisseur kehrte er dreimal zurück in seine Geburtsstadt.

Emden/Los Angeles - Häufig war Wolfgang Petersen seit seiner Kindheit nicht mehr in Emden, dennoch hat die Nachricht vom Tod des Hollywood-Regisseurs in seiner Geburtsstadt Erinnerungen an frühere Besuche wachgerufen. Petersen verbrachte die ersten neun Jahre seines Lebens in Emden, bevor die Familie 1950 nach Hamburg zog. Am Dienstag war bekannt geworden, dass Petersen am 12. August im Alter von 81 Jahren in seinem Haus im kalifornischen Brentwood gestorben ist.

Das Geburtshaus des Machers von Kino-Schlagern wie „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“ befand sich in Emden an der Fürbringerstraße. Diese Straße liegt an der Bahnlinie, die das Behördenviertel vom Stadtteil Port Arthur/Transvaal trennt.

Sein Geburtshaus steht nicht mehr

Das Haus stand schon lange nicht mehr, als Petersen sich im Juni 2001 in Begleitung des damaligen Emder Oberbürgermeisters Alwin Brinkmann erstmals seit seiner Kindheit wieder an diese Stelle begab. Der Star-Regisseur war damals Gast des 12. Emder Filmfestes.

Der frühere Emder Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (rechts) im Gespräch mit Wolfgang Petersen. Foto: Privat
Der frühere Emder Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (rechts) im Gespräch mit Wolfgang Petersen. Foto: Privat

Er besuchte auch den Hafen. Dort war Petersen in einer Barackensiedlung aufgewachsen, nachdem seine Familie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in das von Bomben zerstörte Emden zurückgekommen war. „Wir lebten in ganz ärmlichen Verhältnissen“, schilderte er im Oktober 1993 dieser Zeitung nach einem Auftritt in der ZDF-Fernsehshow „Wetten, dass . . .?“, die damals live aus der Emder Nordseehalle ausgestrahlt wurde.

Im Hafen entstand die Beziehung zu den USA

Der Sohn eines Emder Schiffsmaklers erinnerte sich in diesem Gespräch auch an die amerikanischen Besatzungssoldaten, die im Hafen Lebensmittel und Kaugummis von Bord ihrer einlaufenden Schiffe warfen, während er und seine Freunde am Kai standen. „Dies hat meine positive Beziehung zu Amerika geprägt“, sagte er später. Und so hat seine Entscheidung, sich 1987 nach seinem internationalen Durchbruch mit dem Kinoepos „Das Boot“ in Los Angeles niederzulassen, womöglich einen Teil ihres Ursprungs im Emder Hafen.

Im Juni 2001 trugt sich Regisseur Wolfgang Petersen in das Goldene Buch der Stadt Emden ein. Foto: Privat
Im Juni 2001 trugt sich Regisseur Wolfgang Petersen in das Goldene Buch der Stadt Emden ein. Foto: Privat

Seinen ersten Kontakt zum Kino hatte Petersen ebenfalls in Emden. Im früheren Apollo-Theater sah er als Kind einen Film über Schnecken. „Es hatte mich sehr fasziniert, dass sich Dinge auf der Leinwand bewegten“, sagte er 1993 dieser Zeitung. Hinzu gekommen sei „das gemeinsame Erlebnis im Kino“.

Vor 21 Jahren kam er zum Emder Filmfest

Der Auftritt beim ZDF-Klassiker „Wetten, dass . . .?“ war der erste Besuch Petersens nach 43 Jahren in seiner Geburtsstadt. Er war aber nur für die Sendung eingeflogen, um seinen Film „In the line of fire“ vorzustellen. Zeit, sich in Emden umzusehen, blieb ihm damals nicht. Er betrat auch das für ihn reservierte Hotelzimmer nicht. Deshalb fand er auch nicht den Zettel, den das Emder Filmfest-Team dort hinterlegen ließ.

Acht Jahre später klappte es aber doch noch. Der Star-Regisseur kam im Juni 2001 zum Emder Filmfest. Für seinen gut 24-stündigen Aufenthalt war er von Kalifornien nach Bremen geflogen und von Bremen nach Emden gefahren. Etwa zwei Stunden blieben ihm im eng getakteten Besuchsprogramm, um sich vom damaligen Oberbürgermeister die Stadt zeigen zu lassen.

Auf den Spuren der Kindheit

Alwin Brinkmann erinnert sich noch gut daran. „Wolfgang Petersen wollte Spuren seiner Kindheit suchen“, sagte er dieser Zeitung. Es sei eine Begegnung mit herzlichen Gesprächen gewesen. Er habe den Filmemacher als sehr sympathischen Menschen mit viel Empathie“ kennengelernt.

Die Stadt hatte ihren berühmten Sohn damals mit einem Empfang geehrt. Der Eintrag Petersen in das Goldene Buch geriet zum Medienereignis. „Mit herzlichem Dank - besonders Oberbürgermeister Brinkmann und natürlich all den lieben Menschen des Emder Filmfestes. Wolfgang Petersen, geboren in Emden 14.3.1941“, schrieb Petersen in schwungvollen schwarzen Zügen auf das weiße Papier.

Mit Otto Waalkes verband ihm eine Freundschaft

Danach sah er schnell noch nach, wo sich Otto Waalkes eingetragen hat. Beide gebürtige Emder verband eine lange Freundschaft. Sie trafen sich auch mehrmals in den USA, wo der Komiker und Schauspieler seinen Zweitwohnsitz hat. „Wolfgang Petersen habe ich sehr bewundert. Er hat es weit gebracht: von Emden bis nach Hollywood. Und dort hat er sich behauptet, wie noch kein Emder zuvor. ‚Farewell, Wolfgang‘“, schrieb Waalkes dieser Zeitung am Mittwoch.

In der Geschichte des heutigen Internationalen Filmfestes Emden-Norderney sei der Besuch von Petersen „ein Meilenstein“ gewesen, sagte Festivalleiter Rolf Eckard dieser Zeitung am Mittwoch im Rückblick. Für das Festival sei das „total wichtig“ gewesen, weil damit auch das Niveau und das Renommee gestiegen seien.

Ein „Meilenstein“ für das Emder Filmfest

Petersen sei „ein sehr angenehmer und sympathischer Gast“ gewesen, der es als „einer der ganz Großen der Branche“ nicht nötig hatte, Starallüren anzunehmen. Er sei auch gekommen, weil er sich für das Festival interessierte und helfen wollte. „Davon ist immer etwas geblieben“, so Eckard. Er hatte Petersen im Jahr 2008 noch einmal in Emden wiedergetroffen. Für den Dokumentarfilm „Mit dem ‚Boot‘ nach Hollywood“ hatten sich Ilona Kalmbach und Sabine Jainski mit Petersen auf eine Reise zu früheren Lebensorten begeben. Dafür waren sie auch in Emden.

Der amtierende Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hat den verstorbenen Regisseur und Ostfriesen als großen Künstler der Filmgeschichte gewürdigt. „Mit Werken wie ‚Das Boot’ und ‚Troja’ hat Petersen unerschütterliche Meilensteine der deutschen und internationalen Filmgeschichte gesetzt“, schrieb Kruithoff in einer Mitteilung am Mittwoch. Trotz seiner weltweiten Erfolge sei Petersen „stets bodenständig und nahbar geblieben.“ Sein herausragendes Schaffen sei „bemerkenswert und wird auch künftig die Filmwelt prägen.“

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