Hamburg Immer mehr Männer sind unfreiwillig Single – und selbst schuld daran
Eine Familie ernähren zu können und kein Schläger zu sein, reicht heute längst nicht mehr aus, um eine Partnerin zu finden. Immer mehr Männer fallen durchs Raster.
In diesem Artikel erfährst Du:
Stell Dir bitte vor, wie der einsamste Mensch der Welt aussehen könnte. Hast Du ein Bild vor Deinem inneren Auge? Wenn Du an einen älteren, mobilitätseingeschränkten Menschen denkst, liegst Du ebenso falsch wie bei einer verwitweten Person oder einem überforderten alleinerziehenden Elternteil. Denn niemand fühlt sich so einsam wie junge Männer in westlichen Industrienationen wie den USA, Großbritannien oder Deutschland. Das hat das große „BBC Einsamkeits-Experiment“ herausgefunden. Gleichzeitig stieg die Anzahl der US-Männer, die dauerhaft ohne Partnerin leben, von 29 Prozent in 1990 auf 38 Prozent in 2019 in gerade mal 30 Jahren.
Auch in Deutschland sind deutlich mehr junge Männer alleinstehend als junge Frauen. Als alleinstehend gelten Personen, die ohne Ehe- oder Lebenspartner und ohne Kinder in einem Haushalt leben, unabhängig vom Familienstand.
Das zeigt diese Grafik mit Daten des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2021:
Gerade in der Altersgruppe zwischen 25 und 45, in der viele eine Familie gründen, gibt es deutliche Unterschiede:
Ob man ein glückliches und ausgefülltes Leben führt, ist nicht davon abhängig, ob man mit oder ohne einen Partner durchs Leben geht. Doch deutet das Gefühl der Einsamkeit unter jungen Männer darauf hin, dass nicht alle freiwillig Single sind. Warum ist das so?
Das beantwortet Paartherapeut Greg Matos in der renommierten Fachzeitschrift „Psychology today“. In seinem Artikel „The Rise of Lonely, Single Men“ führt er den Anstieg von Langzeitsingles auf drei Gründe zurück:
Auf vielen Dating-Apps tummeln sich deutlich mehr Männer als Frauen. Frauen haben die Auswahl – und nutzen diese: Bereits 2017 berichtete die „New York Times“, dass Frauen nur 14 Prozent der Männer liken. Männer liken wahlloser und setzen auf Masse: 35 Prozent der Männer gaben in einer Studie der Queen Mary University an, jede Frau zu liken.
Ein Ernährer mit einem guten Gehalt, der nicht gewalttätig ist und nur gelegentlich fremdgeht: Was in vergangenen Jahrhunderten einen Mann zu einem passablen Ehemann gemacht hat, reicht schon lange nicht mehr, um eine potenzielle Partnerin für sich zu gewinnen.
Dabei geht es Frauen nach Einschätzung des Psychologen nicht um Geld, Körper oder Macht, sondern um grundlegende Eigenschaften im Bereich Kommunikation und gemeinsame Werte.
Wenn Männer diesen „Beziehungsstandards“ nicht entsprechen, wenden sich Frauen Matos Einschätzung nach anderen Männer zu – und immer mehr Männer bleiben immer länger Single.
Als dritten Punkt, warum Männer Single bleiben, führt Matos die Erziehung auf.
Dass manche Menschen, in diesem Fall heterosexuelle Männer, nicht verstanden haben, welches Verhalten selbstverständlich sein sollte, zeigt ein Trend auf Tiktok. Unter dem Hashtag #bareminimum posten Frauen, welche Verhaltensweisen Grundlagen zwischenmenschlichen Verhaltens sind und nicht als Grund reichen, mit jemandem zusammen sein zu wollen.
Dabei zählen sie Dinge auf, die viele im Umgang mit Familie oder Freunden einhalten – von denen sie aber erlebt haben, dass Ex-Partner dagegen verstoßen haben. Dazu zählen etwa, sich den Geburtstag der Freundin zu merken oder mit ihr Ausflüge zu unternehmen.
Den Partner zu einem sozialen Wesen zu erziehen, ist nicht die Aufgabe einer Freundin oder Frau, erläutert diese Tiktokerin:
Vielleicht kann ja #bareminimum manchen Männern etwas auf die Sprünge helfen, damit sie merken, dass es nicht auf das Gehalt, den Bizeps oder das Auto ankommt, sondern einfach darauf, die eigene Freundin ernst zu nehmen.