Lese-Empfehlungen Wie verkauft sich queere Literatur in Emden?
Wie verkaufen sich Bücher mit queeren Charakteren und Themen und welche sind zu empfehlen? Diese Zeitung hat eine Buchhandlung in Emden und das Café Life-Point gefragt.
Emden - Im Film „Notting Hill“ von 1999 verlieben sich Anna, gespielt von Julia Roberts, und William, verkörpert durch Hugh Grant, ineinander. Aber was wäre, wenn das zum Beispiel zwei Frauen wären?
Was und warum
Darum geht es: Empfehlungen für Literatur mit queeren Themen und Charakteren
Vor allem interessant für: Leseratten und Menschen, die sich für Themen wie gleichgeschlechtliche Liebe interessieren.
Deshalb berichten wir: Am 2. September liest Autorin Alicia Zett aus ihrem queeren New-Adult-Roman in der VHS in Emden vor. Aus diesem Anlass hat diese Zeitung eine Buchhandlung in Emden und das Lifepoint Café gefragt, was bei „queerer Literatur“ gerade gelesen wird. Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de
Diese Frage hat sich Autorin Alicia Zett gestellt und so entstand ihr Buch „No Place for us“. Daraus liest sie Anfang September in der Volkshochschule Emden vor. Doch wie verkaufen sich Bücher mit queeren Charakteren und Thematiken? Und welche sollten Leseratten auf jeden Fall auf dem Zettel haben?
Trends auf sozialen Medien fördern den Verkauf
„Queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich beispielsweise als schwul, lesbisch, trans- oder bisexuell bezeichnen. „Tatsächlich verkaufen sich Bücher mit queeren Charakteren und passende Regenbogenartikel sehr gut. Egal, ob es ein Trend auf dem sozialen Netzwerk Tiktok ist oder wir es besonders präsentiert haben“, sagt Natascha Hinrichs, Filialleiterin von Thalia Emden. Letztes Jahr hätten sie sogar eine ganze Wand mit Regenbogenartikeln gehabt. „Das Sortiment war aber extrem schnell ausverkauft. Insbesondere eine Regenbogen-Tasche, die auch auf Tiktok immer wieder präsent war“, erzählt Hinrichs. Aktuell steht in der Buchhandlung ein bunter Tisch, dekoriert mit Blumen, Stickern und Trillerpfeifen mit Regenbogenbändern. Sie umrahmen die Bücher der Reihe „Heartstopper“, die laut der Filialleiterin „wahnsinnig gut läuft“.
Daran dürfte auch die dazugehörige Serie von dem Streamingdienst Netflix einen Anteil haben. Es geht um zwei Jungs, die an einer reinen Jungenschule sind. Der eine ist Charlie, der an der Schule als schwul bekannt ist. Der andere heißt Nick, ist Rugbyspieler und braucht ein bisschen länger, bis ihm klar wird, dass er das eigene Geschlecht genauso gut findet wie das andere. Die Bücher sind ab 13 Jahren und im Comic-Stil gehalten. „Deshalb lesen das auch viele auf Englisch“, so Hinrichs. Außerdem empfiehlt die Buchhändlerin die Titel „In all seinen Farben“ (ab 16) und „Call me by your name“ (für Erwachsene), welches ebenfalls durch einen Trend auf Tiktok gut laufe.
Warum es wichtig ist, dass queere Lebensweisen repräsentiert werden
Janik Daniels veranstaltet im Café Life-Point in Emden unter anderem regelmäßige Treffen für Menschen aus der LGBTQ+-Community, zu der sich unter anderem Personen zählen, die lesbisch, schwul, bi-, trans- oder intersexuell sind. Daniels findet es großartig, dass queere Charaktere in Büchern, Filme und Serien immer häufiger werden: „Ich bin heute 25 Jahre alt und in meiner Kindheit und Jugend, die ja noch überhaupt nicht so weit in der Vergangenheit liegt, waren nur wenige queere Charaktere in den Medien zu sehen. Wenn sie gezeigt wurden, wurden sie häufig extrem klischeehaft dargestellt, so dass es damals wenige Rollenvorbilder gab, an denen man sich als junger queerer Mensch orientieren konnte“, erinnert er sich. „Heutzutage sehen die Jugendlichen in vielen Filmen, Serien und Büchern emanzipierte, stolze queere Menschen, die ihren Weg trotz gesellschaftlicher Widerstände, die auch heute noch existieren, gemeistert haben.“ Diese Sichtbarkeit und Repräsentanz queerer Lebensweisen sei bei queeren Jugendlichen extrem wichtig für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit und zur Findung ihrer eigenen Identität.
Daniels empfiehlt unter anderem den Roman „Die Geschichte von Lili Elbe. Ein Mensch wechselt sein Geschlecht“. Darin geht es um das Künstlerpaar Einar und Gerda Wegener, die in den 1920ern leben. Als seine Frau ihn eines Tages bittet, ihr in Frauenkleidern Modell zu stehen, setzt das bei Einar eine Entwicklung in Gang. Daraufhin tritt Einar immer öfter bei gesellschaftlichen Anlässen als geheimnisvolle Frau namens „Lili“ auf. Aus dem Spaß wird bald ein ernster innerer Konflikt. Einar ringt um seine Identität, bis er sich mehreren Operationen unterzieht, um fortan als Lili Elbe weiterzuleben. Eine weitere Empfehlung aus dem Life-Point ist „Die Mitte der Welt“. In dem Roman geht es um den 17-jährigen Phil, der sein Leben für alles andere als „normal“ hält. Das könnte auch an den ungewöhnlichen Menschen liegen, die ihn umgeben: Zum einen ist da Glass, die einen merkwürdigen Zauber auf Menschen ausüben kann. Diane ist schroff und eigenwillig. Und schließlich wäre da noch Nicholas, in den Phil sich unsterblich verliebt. Eines ist für den 17-Jährigen sicher: Dieses Jahr wird über seine Zukunft entscheiden.
Doch es gibt auch Sachbücher, die laut Janik Daniels einen Blick wert sind – zum Beispiel „Diversität im Klassenzimmer* - Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Schule und Unterricht“. Denn schon im Interview zum Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit im Mai sagte Daniels dieser Zeitung, dass in Schulen noch zu wenig über queere Themen aufgeklärt werde. In der Beschreibung zum Buch heißt es: „Die Vorstellungen von geschlechtlicher oder sexueller Identität reichen längst über die Kategorien Frau und Mann oder hetero- und homosexuell hinaus. Auch in jeder Klasse gibt es Schüler/-innen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans, intergeschlechtlich oder queer (LSBTIQ) sind. Für alle ist daher die Auseinandersetzung mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt ein bedeutendes Thema.“ In dem Sachbuch sind sowohl theoretisches Wissen, als auch rechtliche Grundlagen, Handlungsstrategien und Beispiele enthalten, um Schüler/-innen bei diesen Auseinandersetzungen zu stützen.
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