Autorin Alicia Zett Über Bücher, queere Liebe und die Liebe zum Meer
Am 2. September liest Autorin Alicia Zett aus ihrem queeren New-Adult-Roman in der VHS in Emden vor. Vorab hat die Spiegel-Bestseller-Autorin im Interview etwas über sich und ihre Bücher erzählt.
Emden/Frankfurt am Main - Von Frankfurt am Main bis nach Emden sind es etwa fünf Stunden mit dem Auto, mit dem Zug um die sechs. Doch diesen Weg nimmt Spiegel-Bestseller-Autorin Alicia Zett gerne auf sich, um aus Band 3 ihrer Reihe „Love is Queer“ (deutsch: „Liebe ist queer“) zu lesen. Außerdem liebt sie das Meer und möchte ihm bei der Gelegenheit einen kleinen Besuch abstatten.
„Queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich beispielsweise als lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell (LGBTQ+) bezeichnen. Die 26-jährige Autorin ist selbst Teil dieser Gemeinschaft und setzt sich für Aufklärung in dem Bereich ein. Angefangen hat sie damit ursprünglich auf der Videoplattform Youtube. Dort folgen ihr über 40.000 Menschen.
Mit Ihren Büchern wollen Sie unter anderem Aufklärung im LGBTQ+-Bereich betreiben – warum haben Sie sich das zur Aufgabe gemacht?
Zett: Ich will einfach nur zeigen, dass die Welt bunt ist und alles dazugehört. Gerade in meiner Jugend gab es das nicht so viel. Es gab nicht die Bücher, die ich gerne gelesen, nicht die Serien und Filme, die ich gerne geschaut hätte. Zumal so etwas vor Streamingdiensten wie Netflix und Co. auch nicht so leicht zugänglich war. Social Media hat angefangen, als ich etwa 15 Jahre alt war. Diese ganze Sache mit Instagram und den Influencer:innen kam auch erst viel später. Durch sie hat man Menschen, zu denen man aufsehen kann, die einem zeigen: „Hier, ich bin auch queer und das ist total okay.“ Deswegen finde ich es wichtig, das jetzt weiter voranzutreiben.
Im Ankündigungstext der Lesung wurde Ihr Buch „No Place for us“ (deutsch: „Kein Ort für uns“) als Ihre queere Version von dem Film „Notting Hill“ beschrieben – was hat es damit auf sich?
Zett: Es war so, dass ich den Film „Notting Hill“ zum vierten oder fünften Mal geschaut habe – ich mag den sehr gerne – und mir dann gedacht habe: „Schon schön, aber was wäre, wenn das zwei Frauen wären?“ Das war der Funke, der die Idee zum Buch geliefert hat. Eine Gemeinsamkeit ist, dass sowohl der Film als auch mein Buch teilweise in London spielt. Außerdem gibt es bei beiden eine berühmte Person – eine Schauspielerin. Bei mir ist die andere Person eine Blumenhändlerin. Also jemand im „normalen Leben“. Sie ist das Pendant zum Buchhändler bei „Notting Hill“. Dazu kommen dann die Umstände, ob man eine Beziehung eingeht, ob da die Presse involviert ist und so weiter. Bei queeren Menschen ist das nochmal schwieriger durch die Frage, ob sie offen zu ihrer Sexualität stehen oder nicht. Das sind die Hauptgemeinsamkeiten, aber es ist nicht eins zu eins der Film umgeschrieben. Es war nur der Film, der die Grundidee geliefert hat.
Warum haben sowohl die Bücher als auch die Reihe englische Titel?
Zett: Das ist bei den Genre „New Adult“ (Anm. d. Redaktion: neue oder junge Erwachsene) so. Die Charaktere der Reihe sind zwischen 19 und 26 Jahre alt. Sie sind aus der Schule raus und studieren oder starten zum ersten Mal ins Berufsleben. Die englischen Titel sind bedingt durch das Marketing. Ich liebe aber auch die englischen Titel. Die passen einfach perfekt zu den Büchern.
Der erste Band der Reihe ist überraschend Spiegel-Bestseller geworden – wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das erfahren haben?
Zett: Ich habe es nicht realisieren können, weil das leider zur großen Lockdown-Zeit war und ich nirgendwo mein Buch in diesen Spiegel-Bestseller-Regalen gesehen habe, weil die Buchhandlungen alle geschlossen waren. Wenn man das nicht mit den eigenen Augen sieht, realisiert man das einfach nicht.
Meine ganze Reihe kam im ersten Jahr der Pandemie raus. Vielleicht wurden sie aber auch deswegen so gern gelesen, weil sie eine Flucht aus der Realität waren. Band 1 ist ein Roadtrip (Anm. d. Redaktion: weite Reise mit dem Auto, oft ohne feste Streckenplanung) nach Italien ans Meer. In Band 2 spielt sich das Meiste in Vancouver ab und Band 3 eben in London. Und das gerade in einem Jahr, in dem man nicht reisen konnte. Vielleicht hat das die Leute auch so fasziniert.
Die drei Bücher aus Ihrer „Love is Queer“-Reihe gehören zusammen, aber man muss nicht mit Band 1 anfangen, oder?
Zett: Es sind alles unterschiedliche Charaktere. Wenn man es in der richtigen Reihenfolge liest, tauchen die auch wieder auf. In Band 2 kommen irgendwo in diesem Buch auch mal die Charaktere aus Band 1 vor und in Band 3 ist es genauso. Bei „No Place for us“ lebt die eine Protagonistin zum Beispiel in einer Wohngemeinschaft mit dem Protagonisten aus Band 2. Ich finde es sehr schön, dass der Verlag mir die Möglichkeit gegeben hat, direkt drei Geschichten zu erzählen. Damit ist die Reihe für mich aber auch abgeschlossen. Ich schreibe schon an einer neuen Reihe.
Die neuen Geschichten, an denen Sie gerade schreiben, werden auch wieder queere Literatur?
Zett: Für mich sind queere Charaktere immer dabei, weil das unsere Lebensrealität ist. Ob das in meiner ganzen Laufbahn als Autorin immer im Fokus stehen wird, weiß ich nicht. Bisher ist es aber der Fall. Bei meiner neuen Buchreihe gibt es ein Buch, bei dem beide Hauptfiguren heterosexuell sind, aber auch bei diesem Buch gibt es queere Nebencharaktere. Und tatsächlich spielt meine neue Jugendbuchreihe in einem fiktiven Ort in Ostfriesland. Es geht um ein Internat direkt am Meer.
Am Freitag, den 2. September, findet die Lesung von Alicia Zett in der Volkshochschule Emden statt. Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird jedoch gebeten.