Schützenverein Krummhörn Mit Biergartenfest etwas zurückgeben
Am 21. August veranstaltet der Krummhörner Schützenverein ein Biergartenfest. Das Ausschießen der Königsleute wird dort aber keine Rolle spielen. Vorsitzender Kai Dorn weiß mehr.
Krummhörn/Ostfriesland - Unter dem Eingangsschild des Schützenhauses in Pewsum hängt ein Banner mit der Aufschrift: „Herzlich Willkommen zum 1. Krummhörner Biergartenfest“. Am Sonntag, 21. August, um 11 Uhr soll es losgehen.
Früher gab es auch in der Krummhörn regelmäßig ein Schützenfest. Mit einem großen Festzelt, Weck- und Festumzug. Doch seit 2012 hat der Verein, der in Pewsum sein Schützenheim hat, das eingestellt. Warum eigentlich?
Königsposten wird intern ausgeschossen
„Wir haben für uns festgestellt, dass sich ein Schützenfest nicht lohnt. Die Bevölkerung findet da nicht so zu, wie wir Schützen“, erklärt der 1. Vorsitzende Kai Dorn die Entscheidung für ein Biergarten- und gegen ein Schützenfest. „Wir haben viel versucht, das aufzupeppen, aber es hat nicht so den Anklang gefunden.“ Große Schützenfeste wie das in Esens wären immer sehr erfolgreich, sagt dazu Erwin Esderts, Geschäftsführer des Ostfriesischen Schützenbunds, „aber einige kämpfen ganz schön“. Er schlägt vor, über Kooperationen mit anderen Vereinen nachzudenken. 2016 hat der Krummhörner Verein genau das schon getan, nämlich mit dem Schützenchor Emden. Dann haben sie entschieden, sich wieder mehr um eigene Aktionen zu kümmern.
Vor dem Fest, zu dem alle aus der Gemeinde Krummhörn und der Umgebung eingeladen sind, wollen die Schützen aber dennoch König und Königin krönen. Das geschieht aber intern. Am Freitagabend, 19. August, geht es mit der neuen Disziplin – dem Blasrohrschießen – los. Samstag folgt der Kampf um die Schützenkrone am Gewehr. Sonntag wird dann gemeinsam gefeiert. Ab 11 Uhr geht es los. Um 15 Uhr gibt es eine Siegerehrung und die Pokalvergabe der Schießsportwoche, die bereits Ende Juli stattfand. Dort sind Hobbymannschaften gegeneinander angetreten. „Wir hatten eine gute Besucher- und Startzahl“, so Dorn.
Nachwuchsproblem in der Krummhörn
„Ein Schützenverein muss sich immer wieder neu erfinden, um bei den Menschen anzukommen. In einigen Gebieten läuft es einfach so, aber wir müssen uns in der Krummhörn schon bewegen“, meint der Vorsitzende. Ein Nachwuchsproblem hätten Schützenvereine generell. „Es gibt einfach ein Überangebot für die Altersgruppe. Neben Tablet und Handy sind sie lieber im Fitnessstudio, zahlen monatlich mehr, haben aber dafür keine Verpflichtungen, wie es in einem Verein mit Ehrenamt üblich ist.“
Diese Erfahrung kann Erwin Esderts, Geschäftsführer des Ostfriesischen Schützenbunds, nicht uneingeschränkt teilen: „Man darf nicht alle Vereine in Ostfriesland über einen Kamm scheren. Teils gibt es Schwierigkeiten, aber insgesamt einfach sehr große Unterschiede – auch im Nachwuchsbereich.“ Corona sei ein Faktor gewesen, der vielen Vereinen zu schaffen gemacht habe. „In Emden hatten wir zum Beispiel eine gute Jugend laufen, aber die sollen auch etwas geboten bekommen. Unter Corona hat das stark gelitten und einige sind ausgetreten. Die muss man zurückholen“, findet der Emder. Dazu müssten aber auch Mitglieder da sein, die sich mit den Kindern und Jugendlichen beschäftigen und dafür auch die Qualifikation haben.
Krummhörner stolz auf ihren Verein
Dass es in Ostfriesland starke Unterschiede bei den Mitgliederzahlen gibt, lässt sich gut an einem Beispiel festhalten: Laut Esderts ist der größte Schützenverein in Ostrhauderfehn mit rund 500 Mitgliedern. Im Vergleich dazu hat die Krummhörn rund 55 Mitglieder – und das trotz knapp 2.000 Einwohnern mehr. Kai Dorn vermutet, dass das an der verhältnismäßig späten Gründung im Jahr 1980 liegt. Die meisten Schützenvereine seien bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. „Das ist ein bisschen unser Nachteil. Oft ist die Mitgliedschaft eine Familiensache und wird generationsübergreifend weitergegeben. Das fehlt uns durch die späte Gründung ein bisschen“, überlegt der Vorsitzende.
Auf ihre 55 Mitglieder sind die Krummhörner stolz. „Mich begeistert, dass wir wie eine riesige Familie sind und miteinander arbeiten. Es gibt keinen Stress. Es ist eine Harmonie, die seinesgleichen sucht. Außerdem ist es für mich ein guter Ausgleich zur Arbeit“, sagt Dorn, der als Instandhalter bei Volkswagen tätig ist. Dem stimmt auch Mitglied Jupp Mathia zu: „Die Kameradschaft und der Zusammenhalt gefallen mir. Es will keiner besser sein als der andere – außer beim Schießen“, sagt er und lacht. Auch Frauen seien bei ihrem Schützenverein willkommen. Die sind teils sogar besser, da können wir Männer uns verkriechen“, meint Dorn. „Die sind bei Meisterschaften auch immer am weitesten gekommen.“
Wie das dieses Jahr beim Ausschießen aussieht, könnten Interessierte die Schützen dann beim Biergartenfest persönlich fragen. Das Fest sei vor allem für die Bevölkerung und stehe unter dem Motto „50 Jahre Krummhörn“. Der Titel sei in Absprache mit der Gemeinde gewählt worden, „die uns immer unterstützt und gut mit uns zusammengearbeitet hat“, so Dorn. Dafür wollen die Schützen etwas zurückgeben – gerade nach der für viele Menschen schwierigen Corona-Zeit. Es sei bewusst als Biergartenfest betitelt worden, denn auch die Schützen kommen in zivil, also ohne Tracht. So wollen sie unter anderem den Zugang einfacher machen. „Sie sollen so kommen, wie sie sind. Außerdem ist es draußen, um die Berührungsängste zu nehmen“, so der Traditionsschütze. Für das leibliche Wohl würde mit Bratwurst, Getränken und Eiswagen gesorgt. Die Blaskapelle Riepe begleite das Fest. Auch eine Hüpfburg und Kinderschminken soll es geben.