Ernst-Reuter-Platz und Innenstadt  Müll bleibt liegen – verschärft sich das Rattenproblem in Leer?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 15.08.2022 14:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Lorita Röntgen ärgert sich über die liegengelassenen Müllsäcke in der Innenstadt. Foto: Kierstein
Lorita Röntgen ärgert sich über die liegengelassenen Müllsäcke in der Innenstadt. Foto: Kierstein
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Seit Wochen werden in der Mühlenstraße einige Müllsäcke nicht abgeholt. Anwohner äußern Sorge vor Ratten. Die Nager sind auf dem Ernst-Reuter-Platz bereits sehr aktiv.

Leer - Hans Werner und Lorita Röntgen sind sauer. „Hier wurden von irgendwelchen Leuten Müllsäcke abgestellt und niemand nimmt sie mit“, sagt Hans Werner Röntgen. Seit Wochen liegen nun die schwarzen Säcke in deren Auffahrt in der Leeraner Mühlenstraße in der Nähe des Ernst-Reuter-Platzes. Außerdem würden die Säcke Ratten anziehen.

Was und warum

Darum geht es: In der Innenstadt wurden über Wochen Müllsäcke nicht abgeholt. Anwohner sind besorgt, dass nun Ratten kommen

Vor allem interessant für: Alle, die wissen wollen, was in der Stadt gegen Müll und Ratten getan wird

Deshalb berichten wir: Ein Anwohner meldete sich bei der Redaktion

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Das Problem: Niemand fühlt sich zuständig. Da die falschen Säcke benutzt wurden, wurden sie vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises mit Zetteln versehen und stehen gelassen. „Das ist aber nicht mein Müll. Wir zahlen etwa 90 Euro im Jahr für die Müllentsorgung. Und jetzt heißt es, ich soll fremden Müll umpacken, damit der mitgenommen wird. Das ist doch nicht meine Aufgabe“, sagt Röntgen.

Müll lockt Ratten an

Der Müll an sich ist dabei aber gar nicht das Hauptproblem: „Durch den Müll werden Ratten angezogen. Auf dem Ernst-Reuter-Platz besteht schon länger ein Rattenproblem, das sich auszudehnen scheint. „Wir hatten bei uns im Garten ein Nest mit 20 Ratten“, sagt Röntgen. Des Problems hat sich die Stadt angenommen.

Am Ernst-Reuter-Platz wurden Köderboxen für Ratten aufgestellt. Foto: Kierstein
Am Ernst-Reuter-Platz wurden Köderboxen für Ratten aufgestellt. Foto: Kierstein

„Das Rattenproblem auf dem Ernst-Reuter-Platz ist bekannt. Ein Schädlingsbekämpfer wurde bereits beauftragt und hat die dementsprechenden Köderboxen im Bereich Ernst-Reuter-Platz aufgestellt. Weiterhin wird im Kanalsystem bekämpft. Ebenfalls bekämpfen die Anwohner auf ihren Grundstücken die Ratten“, sagt Stadtsprecherin Sabine Dannen. Das Vorgehen werde alle zwei Wochen kontrolliert und bei Bedarf angepasst.

Container auf dem Ernst-Reuter-Platz

Für Anwohner Röntgen ist das nur ein Teil der Lösung. „Die Container auf dem Ernst-Reuter-Platz ziehen die Ratten und auch Möwen an. Die müsste man wegstellen“, sagt er. tatsächlich stehen in einer Ecke des Platzes mehrere Müllcontainer, die zu Restaurants und Imbissen gehören, die in der Mühlenstraße liegen.

Auf dem Ernst-Reuter-Platz stehen mehrere nicht verschlossene Container von Restaurants. Foto: Kierstein
Auf dem Ernst-Reuter-Platz stehen mehrere nicht verschlossene Container von Restaurants. Foto: Kierstein

„Die Müllcontainer auf dem Ernst-Reuter-Platz stellen ein großes Problem dar. Leider gibt es im Bereich Ernst-Reuter-Platz keine geeigneten Unterstellmöglichkeiten für die privaten Container. Dies sollte bei einer möglichen Umgestaltung des Ernst-Reuter-Platzes bedacht werden“, so die Stadtsprecherin. Neben dem Aufstellen der Boxen geht man auch auf die Anwohner zu. „Die Stadtverwaltung ist im regelmäßigen Austausch mit den Anwohnern und sensibilisiert diese für die Problematik“, sagt Dannen.

Stadtwerke kämpfen gegen Nager

Auch bei den Stadtwerken sieht man in den Containern auf dem Ernst-Reuter-Platz ein Problem. „Ratten werden in der Regel nicht durch Müll, sondern durch mögliche Speisereste im Müll angelockt. Da es sich um Container eines Fast-Food-Betriebes handelt, ist dieses nicht ausgeschlossen“, so der Stadtwerkesprecher Edgar Behrendt.

Ratten würden sich überall dort aufhalten, wo eine Nahrungsquelle ist. Dies können sowohl Speisereste im Müll sein als auch für Wildvögel bereitgestelltes Futter, Katzen- oder Igelfutter. Auch das illegale Füttern von Enten im Hafen lockt die Nager an. „Sobald wir bei den Stadtwerken Hinweise auf einen Befall im Stadtgebiet haben, gehen wir dem nach. Bestätigt sich bei unseren Kontrollen im dortigen Kanalnetz der Verdacht auf ein erhöhtes Aufkommen in einem bestimmten Bereich, werden wir aktiv“, sagt er. Für eine Bekämpfung auf Privatgrundstücken sei jedoch der jeweilige Eigentümer zuständig.

Müll in der Innenstadt

Die Stadtwerke sind in den frühen Morgenstunden in der Innenstadt aktiv und räumen Müll weg. Doch auch sie lassen die Säcke liegen. „Die Hausmüllabfuhr ist Sache des Landkreises. Wir sind da als Stadtwerke außen vor, da es sich nicht um eine wilde Müllablagerung handelt. Wenn Säcke wegen falscher Befüllung abgeklebt werden, so ist erstmal der Verursacher dafür zuständig. Würden wir diese Säcke dann einfach so mitnehmen, wäre das für den ,Erziehungseffekt´ sicherlich kontraproduktiv“, sagt Stadtwerke-Sprecher Edgar Behrendt.

Das Problem mit den Müllsäcken, die liegengelassen werden, liege jedoch nicht im Einflussbereich der Stadt. Dafür ist der Abfallbetrieb des Landkreises zuständig. Und warum werden seit Wochen die Säcke liegen gelassen? „Für die Abfallentsorgung gelten Regeln. Deshalb dürfen nur die in der ,Satzung über die Abfallbewirtschaftung für den Landkreis Leer´ zugelassenen Säcke und Behälter genutzt werden“, sagt Landkreissprecher Philipp Koenen. Die Säcke dienen dazu, nachzuweisen, dass für die Entsorgung der Abfälle im Vorfeld bezahlt wurde.

„Umgekehrt heißt das, dass Säcke ohne diesen Aufdruck stehen gelassen werden und einen Aufkleber bekommen; darauf steht der Grund, warum die Säcke nicht mitgenommen werden können“, erklärt er. Auch das spezifische Problem sei dem Landkreis bekannt. „Wir hatten bereits mehrfach Kontakt zu einem Herrn, der sich dazu bei uns gemeldet hat. Da die Säcke dem Haus zuzuordnen sind, blieben sie bisher liegen. Eine Entsorgung durch den Abfallwirtschaftsbetrieb würde Kosten verursachen, die von allen Entgeltzahlern zu zahlen wären“, so Koenen. Hans Werner Röntgen betont, dass der Müll nicht von ihm stammt. Jedoch vermietet er auch einige Wohnungen in dem Gebäude. „Wir haben unsere Mieter dahingehend sensibilisiert. Natürlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob sie die Säcke dahin gestellt haben, aber die Säcke liegen ja auch an anderen Stellen in der Straße“, sagt er. Röntgen wird allerdings wohl auf den Müllsäcken sitzen bleiben. Egal, ob er, einer seiner Mieter oder jemand anderes die Säcke in seine Einfahrt gestellt hat.

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