Sport trotz Krebsbehandlung  Krebspatient hat 81. Marathonstart im Blick

Maren Stritzke
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Von Maren Stritzke
| 13.08.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach seiner Chemotherapie schnürt sich Boldt wieder seine Laufschuhe. Foto: Ortgies
Nach seiner Chemotherapie schnürt sich Boldt wieder seine Laufschuhe. Foto: Ortgies
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Manfred Boldt aus Hesel läuft seit drei Jahrzehnten, doch seine Krebserkrankung holt ihn immer wieder ein. Nach seiner Chemotherapie will er jetzt erneut für einen Marathon trainieren.

Hesel - Nach einer längeren Zwangspause stieg Manfred Boldt erst kürzlich wieder ins Lauftraining ein. Nach nur wenigen Einheiten folgte vor drei Wochen bereits der Wettbewerbsstart: Der 73-Jährige aus Hesel, der seit 16 Jahren gegen Knochenmarkkrebs kämpft, nahm am Logabirumer Spendenlauf über 5,3 Kilometer teil. Jetzt möchte sich der Sportler wieder den längeren Strecken widmen: Nach überstandener Chemotherapie will er den Kampf gegen die Kilometer angehen: Im nächsten Jahr will er erneut einen Marathon absolvieren. Es wäre sein 81. Lauf über 42 Kilometer.

„Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt“, sagt der Mann mit dem markanten weißen Bart und lächelt. 2006 bekam der gelernte Schriftsetzer die bittere Diagnose. Während seines Marathons in Wellen (Landkreis Cuxhaven) knackte es plötzlich im Rücken. Boldt spulte die Kilometer bis ins Ziel wie gewohnt ab. In den Tagen nach dem Marathon ging er zum Arzt. Nach mehreren Praxisbesuchen folgte die schockierende Nachricht: Er hat Knochenmarkkrebs und einen Bruch der Wirbelsäule – der Knacks im Rücken. Der Heseler begann mit der Chemotherapie, kämpfte sich wie beim Laufen Schritt für Schritt nach vorne. Nach erfolgreicher Behandlung ging es für Boldt zurück auf die Laufstrecke. Bis heute hat er 80 Marathons, zwei 100-Kilometer-Läufe und zwei 24-Stunden-Läufe absolviert. Doch der Krebs holt ihn immer wieder ein. „Mittlerweile habe ich fünf, sechs Chemotherapien hinter mir“, sagt Boldt, der erneut den Kampf gegen die Krankheit anging. Weil sich der Heseler auch noch eine Wundrose – eine durch Bakterien zugezogene Hautinfektion – am rechten Unterschenkel zuzog, war er zu einer rund einjährigen Zwangspause verdonnert. Wie hat der ambitionierte Ausdauerläufer diese Zeit überstanden? „Ich konnte es ja nicht ändern. Meine Frau und ich sind stattdessen viel spazieren gegangen“, sagt er und bringt noch einmal seine positive Einstellung zum Ausdruck: „Man darf in dieser Phase nie den Mut verlieren.“

Sport hilft bei der Krebstherapie

Dass ihm der Sport über all die Jahre immer wieder neue Kraft gegeben hat, bestätigt auch Dr. Lothar Müller. „Patienten, die regelmäßig Sport machen, vertragen die Therapien besser, sie leiden weniger unter den Nebenwirkungen“, sagt der Onkologe aus Leer. Zudem führe Sport zum Stressabbau, was wiederum das psychische Empfinden verbessert.

Manfred Boldt ist nach seiner Krebsbehandlung wieder ins Training eingestiegen. Foto: Ortgies
Manfred Boldt ist nach seiner Krebsbehandlung wieder ins Training eingestiegen. Foto: Ortgies

Nach seiner Laufpause entschied sich Boldt für einen Start beim Logabirumer Spendenlauf. Die Veranstaltung liegt ihm besonders am Herzen, da er den Benefizwettbewerb zusammen mit seinem Onkologen Dr. Müller ins Leben rief. Der Erlös kommt dem Verein zur Förderung der onkologischen Palliativ-Versorgung zugute. In diesem Jahr fand der Spendenlauf bereits zum 15. Mal statt. „Für mich war das etwas Besonderes“, sagt Boldt und absolvierte am 23. Juli die 5,3-Kilometer-Strecke. „Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl, als ich an den Start gegangen bin. Ich hatte zuvor ja nicht viel trainiert“, erklärt Boldt. Doch sein langjähriger Sportsfreund Stefan Schewiola vom Lauftreff TuS Aurich-Ost unterstützte ihn und lief auf der gesamten Strecke an seiner Seite.

Vom Sportmuffel zum Ultraläufer

Den Spaß am Laufen entdeckte der Heseler recht spät für sich. Seinen Ehrgeiz weckte sein damaliger Chef, der stichelte, dass Boldt niemals den Ossiloop schaffen würde. Der Sportmuffel, der etwas zu viel auf den Rippen hatte – bei einer Größe von 1,81 Meter wog er mitunter bis zu 95 Kilo –, begann mit dem Training. Der damals 40-Jährige schaffte den Sechs-Etappen-Lauf und zwei Jahre später meisterte er seinen ersten Marathon.

Nach seiner Krebsbehandlung trainiert er nun für seinen 81. Marathon, den er im nächsten Jahr absolvieren möchte. Und wenn es nach Boldt geht, dann wird es nicht der letzte große Wettbewerb gewesen sein: „Wenn es möglich ist, möchte ich mindestens bis zu meinem 80. Lebensjahr weiterlaufen.“

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