Stephan Weil in Norddeich Ministerpräsident und Ørsted sprechen über Offshore-Pläne
Neuer Ausbildungsberuf, Kontrollzentrum in Norddeich, Rettungspersonal auf hoher See: Ørsted hat im Raum Ostfriesland noch einiges für die Windkraftbranche vor.
Norddeich - Als der Helikopter in Norddeich landet, strömen die Journalisten Stephan Weil (SPD) entgegen. Im Überlebensanzug steigt Niedersachsens Ministerpräsident aus der Maschine und kneift im Sonnenlicht die Augen zu. Begleitet wird er von Jörg Kubitza, Deutschland-Chef von Ørsted – dem Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie, wie es in der Einladung zu diesem Termin heißt. Beide Männer kommen gerade vom Umspannwerk im Windpark Borkum Riffgrund 2 zurück. Es ist zwar Wahlkampf und nur einer von vielen Terminen von Weil, aber auch ganz konkrete Vorhaben werden an diesem Donnerstag gegenüber den Medien verkündet.
Was und warum
Darum geht es: Deutschlands Ørsted-Chef und Niedersachsens Ministerpräsident haben auf der Nordsee und in Norddeich über den Ausbau der Offshore-Branche gesprochen.
Vor allem interessant für: Verbraucher, die auf grüne Energie setzen wollen beziehungsweise es in Zukunft ohnehin werden
Deshalb berichten wir: Die Niedersächsische Staatskanzlei hat uns zu einem Pressegespräch in Norddeich eingeladen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Kubitza spricht von den Unternehmensplänen, den Offshore-Servicetechniker zu etablieren. Eine neue Ausbildung, der die Berufe des Mechanikers und Elektrikers kombinieren soll. „Mit Hochdruck“ versuche er, die Pläne voranzubringen, so Kubitza. Allerdings gebe es viel Abstimmungsbedarf mit Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer und anderen. Auch müssten noch Räume für die Ausbildung geschaffen werden.
Gespräche mit Berufsschulen
Wie aus der Unterhaltung mit ihm und Ørsted-Sprecher Steffen Kück hervorgeht, könnte es schon im kommenden Jahr damit losgehen. Einen genauen Starttermin gebe es aber nicht und man müsse eine Berufsschule in Ostfriesland für eine mögliche Kooperation finden. Derzeit beschäftige das Unternehmen alleine am Standort Norddeich mehr als 150 Mitarbeiter und 50 weitere müssten in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach dazukommen. Das Problem sei allerdings, dass nicht jeder für die Arbeit auf See geeignet sei. Das Sicherheits- beziehungsweise Überlebenstraining für den Offshore-Einsatz sei nicht ohne, man müsse mindestens 18 Jahre alt sein und habe im Wechsel immer zwei Wochen Dienst und zwei Wochen frei.
Weiterhin kündigt Kubitza an, eine Außenterrasse beim Flugplatz Norddeich zugunsten eines neuen Kontrollraums für ganz Kontinentaleuropa abzureißen. Von dort sollen dann die neuen Windparks im Blick behalten werden. Auch sei es wichtig, neue Kavernen für die Speicherung von Strom in Form von grünem Wasserstoff zu schaffen. Der Umbau von bisherigen Gaskavernen reiche dafür nicht aus.
Idee: Mediziner sollen mit aufs Meer
Schließlich könnte sich auch in Sachen Gesundheitsversorgung auf den Offshore-Plattformen einiges tun. Laut Kubitza liegen diese immer weiter draußen, während gleichzeitig die Rettungszeiten per Hubschrauber von Land aus eingehalten werden müssen. Künftig müsse man daher Ärzte und Rettungssanitäter von vornherein mit auf die Nordsee nehmen.
Das Emder Unternehmen Northern Helicopter (NHC) müsste sich dann umstellen. Spätestens eine Stunde nach der Alarmierung sind die Mitarbeiter derzeit vor Ort – auch wenn der Notfall 100 Kilometer weit draußen in der rauen Nordsee ist. Das führt schon jetzt dazu, dass die Notärzte nicht mehr von Emden aus starten, sondern spätestens ab dem kommenden Jahr eine Station in Norddeich beziehen.
Ørsted versorgt derzeit 1,4 Millionen Haushalte
Es ist der erklärte Wille der Bundesregierung, bis zum Jahr 2030 die Produktion von Windenergie auf dem Meer auf dann 30 Gigawatt auszubauen. Bis 2045 sollen es sogar 70 Gigawatt werden. Zum Vergleich: Aktuell werden etwa 7,7 Gigawatt erreicht. Laut Weil ein ambitioniertes Ziel „auf dem Weg Niedersachsens zum Energieland Nummer Eins“ – auch wenn die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes für weniger Verzögerungen bei der Genehmigung neuer Anlagen sorgen soll. Diese Verzögerungen hatten es der Branche zuletzt schwer gemacht, weshalb auch der Ministerpräsident betont, dass man nun „schnell vorwärts“ kommen müsse. Das liege im „nationalen Interesse“. In wenigen Jahren seien die neuen Anlagen die Grundlage für eine klimaneutrale Energieproduktion in Deutschland.
Laut Kück betreibt der dänische Konzern momentan vier Offshore-Windparks: Borkum Riffgrund 1 und 2 sowie Gode Wind 1 und 2. Man könne damit rein rechnerisch rund 1,4 Millionen Haushalte versorgen. Im kommenden Jahr sollen noch Riffgrund 3 und Gode Wind 3 dazukommen. Geplant ist dann, dank effizienterer Technik auf insgesamt 2,4 Gigawatt zu kommen, was ungefähr 2,4 Millionen Haushalten entspreche. Alle Anlagen befinden sich dann vor Borkum und Norderney.
Der Termin neigt sich dem Ende zu. Die Regierungssprecherin Anke Pörksen schaut auf die Uhr. Für den Ministerpräsidenten ist es Zeit, aufzubrechen. In Aurich steht noch ein Folgetermin beim Windanlagenbauer Enercon an.