Geplanter Neubau stockt noch  Borkumer Tierschutzverein muss sich in Geduld üben

Lukas Münch
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Von Lukas Münch
| 11.08.2022 18:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Hund Balu gibt der ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins Borkum brav das Pfötchen. Eventuell kann er sich demnächst über mehr Auslauf freuen. Foto: Archiv
Hund Balu gibt der ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins Borkum brav das Pfötchen. Eventuell kann er sich demnächst über mehr Auslauf freuen. Foto: Archiv
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Vor gut einem Jahr berichtete diese Zeitung über die Neubaupläne des Tierschutzvereins Borkum e.V sowie die, einen Tierfriedhof einzurichten. Das ist nun daraus geworden.

Borkum - Die Trödelaktion des Borkumer Tierschutzvereins sei ein echter Renner, freut sich die erste Vorsitzende Melanie Güldenpfennig. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt – das weiß sie auch. Das zum Verein zugehörige Tierheim schiebt seit geraumer Zeit Projekte an, die die Verantwortlichen des Vereins betreuen und voranbringen wollen. Das alles wird gemacht, um kostspielige Projekte finanzieren zu können. Der Verein generiert sein Geld nämlich aus Spenden. Diese Projekte sind aktuell: Der Neubau des Tierheims, die Erweiterung des Hunde- und Katzenbereichs sowie die Einrichtung eines Tierfriedhofs. Auch Insekten und gefiederte Inselbewohner werden in den Plänen des Vereins bedacht.. Zusammen mit Kassenwart Fokke Schmidt erklärt Güldenpfennig, wieso es trotzdem beizeiten langsamer vorangeht als gewünscht.

Tierfriedhof

„Es ist uns wirklich ein großes Anliegen, dass der Tierfriedhof, der nunmehr seit über einen Jahr in Planung ist, umgesetzt wird. Es ist einfach unwürdig für das Tier und unschön für den Menschen, mit dem verstorbenen Tier entweder auf das Festland zu müssen oder es im Garten zu begraben. Da sollte man sich nichts vormachen, das ist zwar nicht erlaubt – wird aber dennoch gemacht“, sagt die erste Vorsitzende.

Es hapere an der Grundstücksfläche. Laut den Tierschützern habe eine Anfrage bei der Stadt ergeben, dass große Sperrflächen durch Wasserschutzgebiete vorliegen. Schatzmeister Fokke Schmidt macht sich weniger Sorgen, dass eine Fläche gefunden werden könne: „Ein Stück Grün für uns werden wir schon auf der Insel finden. Ich denke nicht, dass hier drin das Grundproblem liegt.“ Erst seien Kirchen angefragt worden, ob eine Mitnutzung, der bestehenden Friedhöfe möglich sei. Dies sei aktuell noch in Prüfung. Auch der Landkreis Leer teilte nach Angaben der Schützer mit, dass er nur diesen einen denkbaren Ort, an dem der Tierfriedhof quasi alleinstehend errichtet werden könne – und zwar am Hafen, gebe, so Schmidt. Das sei aber eine sehr ungünstige Lage, denn weniger mobile Insulaner hätten dann ein echtes Problem, das Grab ihres Tieres zu erreichen. Also ist dieser Standort wohl nicht die erste Wahl in der Standortfrage um den Tierfriedhof.

Neubau

Das Mammutprojekt ist der Neubau des Heims, der schon seit über einem Jahr per Bauantrag bei der Kreisverwaltung angefragt ist. Dieser wartet seither auf eine Bewilligung. Das ist aber auch noch kein großes Hemmnis, denn noch stünden ohnehin nicht genug Finanzmittel zur Verfügung. Es sei schwer zu sagen, wie viel der Neubau nun am Ende genau Kosten würde, aber man gehe definitiv von einer sechsstelligen Summe aus, so Güldenpfennig. Man sei beim Sammeln auf einem extrem guten Weg, aber habe das Spendenziel noch nicht erreicht. Das heißt: Bewilligt der Landkreis den Bau, ginge es noch nicht direkt los. Bislang konnte laut den Tierschützern ein höherer fünfstelliger Betrag gesammelt werden. Der Verein finanziert sich aus Spendengeldern.

Allerdings komme man extrem gut voran, was die Spenden angeht, weiß Schatzmeister Fokke Schmidt. „Unsere Trödelmärkte laufen seitdem wir sie ins Leben gerufen haben immer besser. Die Leute nehmen das echt toll auf und anscheinend ist es besonders motivierend, dass die Erlöse einem guten Zweck zukommen.“ Melanie Güldenpfennig lobt ihren Kollegen: „Fokke Schmidt hat an der Trödelfront echt etwas aufgebaut“. Fokke Schmidt selbst weiß: „Aktuell sammeln wir wirklich wie die Wahnsinnigen. Der letzte Flohmarkt etwa war mit über 4000 Euro in Einnahmen ein voller Erfolg. Die Leute können Dinge erstehen und am Ende selbst bewerten, wie viel ihnen das Stück wert ist. Unsere Erfahrungen damit sind sehr gut.“

Die regelmäßig stattfindenden Flohmärkte auf Borkum seien laut dem Tierschutzverein Borkum ein voller Erfolg. Foto: Archiv
Die regelmäßig stattfindenden Flohmärkte auf Borkum seien laut dem Tierschutzverein Borkum ein voller Erfolg. Foto: Archiv

Der Pressesprecher des Landkreises, Philipp Koenen, erklärt, wieso der Verein ein Jahr nach der Antragstellung immer noch auf die Bewilligung der Baugenehmigung wartet: „Es kommt immer mal vor, dass die Unterlagen nicht vollständig sind und die Behörde dann die fehlenden Unterlagen nachfordern muss.“ Das war auch hier der Fall, weshalb sich das Verfahren dementsprechend verlängert.“ Nun seien aber alle notwendigen Schriftstücke eingereicht und deshalb sei der Antrag seit Frühsommer dieses Jahres vollständig. „Eine Entscheidung in den Bauantragsverfahren wird in Kürze erwartet“, so Koenen.

Weitere Projekte und Hunde- und Katzentrakt

Die Trakte für Hunde und Katzen sind zwar separat voneinander aber beide gleichermaßen ein Thema. Die Bestimmungen für die Haltung und die Zwinger der Vierbeiner ändere sich ständig und deshalb müssen auch baulich immer wieder Anpassungen getroffen werden – ein Ausbau ist dann zwingend von Nöten. Die Quadratmeterzahl, die ein jedes Tier braucht wird immer wieder erhöht. Dies stelle den Verein aktuell vor eine knifflige Aufgabe. Die Sanierungen waren in der Vergangenheit schon kein Selbstläufer aus finanzieller Sicht. Nun aber, wo der Inflation und dem Fachkräftemangel geschuldet Personal rar ist und Baukosten explodieren, werde auch solche eine Sanierung erheblich erschwert, so Melanie Güldenpfennig. Erfreut habe es den Verein, dass kürzlich neue Hundehäuser beziehungsweise -hütten gespendet wurden.

So sehen sie aus: die Bienenautomaten, die auf Borkum nun aufgestellt werden. Foto: Tierschutzverein Borkum
So sehen sie aus: die Bienenautomaten, die auf Borkum nun aufgestellt werden. Foto: Tierschutzverein Borkum

Melanie Güldenpfennig konnte auch schon einen Ausblick auf die nächsten Projekte geben. „Ideen haben wir immer – daran wird es wohl niemals scheitern“, schätzt Schatzmeister Fokke Schmidt die Dynamik in der Entwicklung des Tierschutzvereins und des dazugehörigen Heims ein. So plane man sogenannten Taubentürme, die den Vögeln ein sicheres Zuhause bieten sollen. Auch im Gespräch sind immer wieder Bienenautomaten. Es werden nicht etwa Bienen im Glas verkauft oder Honig im Glas – im Angebot gibt es Blumensamen für beispielsweise Wildblumen, die gepflanzt werden können und dann in letzter Konsequenz die Insekten anlocken sollen Auf die Kinderförderung oder eher gesagt das Einbeziehen von Kindern solle verstärkt ein Augenmerk gelegt werden, so die Vorsitzende.

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