Fockenbollwerkstraße in Aurich Anwohner wünschen sich „Turbo“ für XXL-Baustelle
Geschäftsleute und Anwohner sehen gegen die Bauarbeiten an der Fockenbollwerkstraße in Aurich an. Einer regte eine Zwei-Schichten-Baustelle an. Wie realistisch ist das?
Aurich - Anderthalb Jahre lang soll die Fockenbollwerkstraße in Aurich saniert werden. Mitte Juni hat die Firma Strabag die Baustelle eingerichtet. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Ende 2023 dauern. Schon jetzt sind einige Kaufleute und Anwohner der Fockenbollwerkstraße genervt. Die Baustelle raube ihnen Kunden und damit Umsatz, hieß es. In Gesprächen, die die Redaktion vor Ort geführt hat, tauchte immer wieder die Frage auf: Warum kann die Straße nicht im Zwei-Schicht-Betrieb saniert werden? Also von zwei Teams, die jeweils acht Stunden lang arbeiten und sich gegenseitig ablösen? Das würde den Prozess doch deutlich beschleunigen, so die Vermutung. Man könne sich somit schneller von Beeinträchtigungen, Lärm und Dreck verabschieden. Wäre das für die Fockenbollwerkstraße theoretisch ein gangbarer Weg gewesen?
Frank Buchholz winkt ab. Der Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich verweist darauf, dass gleich mehrere Gründe gegen ein Zwei-Schicht-Modell sprächen. Dafür sei in der Regel doppelt so viel Personal erforderlich. Das müsste die Baufirma einstellen und einsetzen. In den Augen von Frank Buchholz ist ein solche Option unrealistisch. Allerorten sei die Rede von Arbeitskräftemangel. Wie soll ein Unternehmen ausreichend Personal rekrutieren?, stellt der Behördenleiter eine rhetorische Frage in den Raum. Abgesehen davon brächte ein Zwei-Schicht-Betrieb eine Reihe von logistischen Anforderungen mit sich, die ein Unternehmen zusätzlich lösen müsste: „Es könnte eine Schnittstellenproblematik geben“, sagte Frank Buchholz. Nach Ende der einen Schicht müsste die folgende immer über den Stand der Dinge informiert werden. Welche Probleme gab es auf der Baustelle? Was muss bei den Arbeiten am Nachmittag und Abend berücksichtigt werden? Eine klassische Übergabe, wie sie in vielen ähnlich strukturierten Betrieben gang und gäbe sei, müsse abgewickelt werden. Das sei bei der Komplexität einer Baustelle wie der an der Fockenbollwerkstraße eine echte Herausforderung, so der Behördenleiter.
Lärm müsste länger ertragen werden
Auch auf die Anwohner kämen zusätzliche Belastungen zu. Sie müssten dann acht Stunden länger Lärm und Staub ertragen, als dies derzeit bereits der Fall sei. Ganz grundsätzlich gebe es vonseiten des Bundesverkehrsministeriums eine Direktive, dass 24-Stunden-Baustellen oder eben ein Zwei-Schicht-Betrieb vorrangig Autobahnen vorbehalten sein sollten. Dort gibt es im Vorfeld sorgfältige Kosten-Nutzen-Analysen, ob eine solche beschleunigte Vorgehensweise tatsächlich vertretbar ist. Die Redaktion wollte auch von der Firma Strabag wissen, wie ihre Meinung zu verlängerten Tagesarbeitszeiten ist.
Beim Telefonat gab sich der zuständige Bauleiter sehr reserviert. Er werde sich gegenüber der Zeitung nicht zu dem Thema äußern. Wer etwas zu der Frage wissen wolle, könne jeden Mittwoch in der Zeit von 9 bis 10 Uhr die Sprechstunde im Baustellenbüro an der Fockenbollwerkstraße 17 besuchen. Dort stehe ein Mitarbeiter seiner Firma Rede und Antwort.
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Die Arbeiten an der Fockenbollwerkstraße gliedern sich in mehrere Abschnitte, die die Sperrung unterschiedlicher Bereiche erforderlich machen. Das Volumen der Sanierung ist beträchtlich: So werden sowohl eine neue Fahrbahn als auch neue Rad- und Gehwege geschaffen. Die Radfahrer und Fußgänger erhalten mehr Platz im Verkehrsraum. Einige Parkstreifen fallen deshalb weg. Außerdem wird aus dem Knotenpunkt am östlichen Ende (Richtung Krankenhaus) ein Kreisverkehr. Während der Bauarbeiten ist die Straße nur in Richtung Innenstadt (Ostertorkreuzung) befahrbar. Die Arbeiten am Kreisverkehr beginnen voraussichtlich im Spätsommer.