Was machen die Touristen? Neues System sammelt Daten von Küstenbesuchern
Die Pandemie sorgte an der Küste entweder für totale Leere oder übervolle Strände. Um solche Überlastungen zu vermeiden, werden nun Daten über das Gästeverhalten gesammelt. Es gibt erste Erkenntnisse.
Wangerland/Küste - An den Stränden im Wangerland sind sie schon seit einiger Zeit zu sehen: hohe Stelen auf einem Betonsockel, rundum verkleidet mit Sonnenkollektoren. Die Kollektoren versorgen die kleine Kamera an der Spitze des Konstrukts mit Strom. Die kleine Kamera wiederum hat stets genau im Blick, wie viele Menschen über den Deich kommen und an den Strand gehen. Oder wieder zurück. „Es ist alles noch in der Lernphase“, erklärt Sonja Janssen, Geschäftsführerin des Tourismus-Dachverbandes „Die Nordsee“. Heißt: Noch werden Daten aus der Kamera gesammelt.
„Die Nordsee“ hat das Projekt „Digitale Besucherlenkung“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Besucher sollen über Echtzeitdaten gelenkt werden, zum Beispiel weg von vollen Stränden hin zu Gegenden, wo es gerade nicht so voll ist. Weiter ins Hinterland etwa, oder in die nächste Eisdiele. Oder an einen leereren Strandabschnitt gar nicht weit weg. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie will man an der Küste nicht nochmal machen: vollkommen überfüllte Strandabschnitte und -parkplätze. Ein „Jahrhundertprojekt“ hatte Sonja Janssen das neue System beim Start der Umsetzung Anfang Mai genannt. Kostenpunkt etwa 1,6 Millionen Euro, wovon 80 Prozent vom Land Niedersachsen kommen.
Wie es funktioniert
Unterschiedliche Sensoren sollen entlang der niedersächsischen Nordseeküste erfassen, wie viele Menschen sich gerade an einem Ort aufhalten. Das können einfache Drehkreuze sein oder sogenannte Lidar-Sensoren, die wie Kameras aussehen, aber eben keine detailgetreuen Bilder machen, sondern nur sehr grobe Punktdiagramme. Man kann also erkennen, ob da ein Mensch oder ein Auto steht, aber nicht viel mehr. Damit soll der Datenschutz gewährleistet werden.
Diese Daten werden dann in Echtzeit an ein System übermittelt, das die Daten wiederum hochrechnet und irgendwann feststellt: Jetzt wird’s voll. Übersetzt heißt das dann: Für diesen Strandabschnitt springt eine digitale Ampel auf Rot. Und nicht nur das: Das System zeigt auch an, wo die Ampel noch auf Grün steht; wo also aktuell noch mehr Platz ist am Strand. Einsicht in dieses Ampelsystem hat jeder Urlauber über die digitale Gästecard und auch jeder andere, der dieses System über die Homepage einer der teilnehmenden Tourismusgesellschaften ansteuert. Im Grund sollen sich die Besucher also selbst lenken.
Erste Erfahrungen
Das Wangerland ganz im Osten der ostfriesischen Halbinsel ist mit dem Aufbau der Infrastruktur schon vergleichsweise weit. Mittlerweile seien zwölf Lidar-Sensoren installiert, teilt die Wangerland-Touristik auf Nachfrage mit. Und es sollen noch mehr werden. Auch aus dem Wangerland heißt es: Das System ist noch in der Lernphase. Erste Erkenntnisse hat man aber schon gewonnen. Beispiel: Beim „Schollenbraten im Watt“ in Schillig und Hooksiel haben sich die Besucher durchschnittlich 1,5 Stunden aufgehalten.
Erfahrungswerte, auf die man aufbauen könnte: „Das Besucherlenkungssystem ermöglicht uns Informationen, aus denen Schlüsse gezogen werden können, für die das ehemalige Bauchgefühl oder das Pi-mal-Daumen-Prinzip nicht ausreichen“, schreibt die Wangerland-Touristik. So könnten beispielsweise Besucheraufkommen und Veranstaltungsprogramme mit Hilfe der Sensoren abgeglichen werden, um zu überprüfen, welche Programmpunkte viel Interesse weckten. So könnten künftig Veranstaltungen passgenauer zugeschnitten werden.
Wer alles mitmacht
Nicht alle Orte an der niedersächsischen Nordseeküste machen bei dem Projekt mit; aber doch genug, um das Gästeaufkommen quasi in Echtzeit vom Dollart bis zur Elbmündung abbilden zu können, also konkret von Greetsiel bis Otterndorf (Kreis Cuxhaven). In Ostfriesland sind es Krummhörn-Greetsiel, Norden-Norddeich und Dornumersiel.
Die Ostfriesen sind allerdings noch nicht so weit wie das Wangerland. In der Krummhörn aber hat man den Aufbau der Sensoren mittlerweile abgeschlossen. „Wir haben mit der Zählung begonnen und sind jetzt in der Testphase“, sagt Wolfgang Lübben von der Touristik-GmbH Krummhörn-Greetsiel. Sechs Sensoren seien auf Parkplätzen aufgestellt, ein zusätzlicher mitten in Greetsiel. „Unser Ziel ist es, dass wir prognostizieren können, welche Parkplätze wann wie voll sind“, sagt er. Das sei aber frühestens in einem Jahr der Fall. Im Grunde müssen ein Jahr lang Daten gesammelt werden, auf die das System dann im nächsten Jahr bei seinen Prognosen zurückgreifen kann.
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