Standort für Bestattungswald gefunden  Letzte Ruhe unter Bäumen in Popens

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 10.08.2022 14:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Vorbild für Aurich? Auf Schildern wird an die Toten im Gedächtniswald in Logabirum erinnert. Foto: Archiv/Ortgies
Ein Vorbild für Aurich? Auf Schildern wird an die Toten im Gedächtniswald in Logabirum erinnert. Foto: Archiv/Ortgies
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Schon seit Jahren wird in Aurich über einen Bestattungswald diskutiert. Vier Standorte waren zuletzt im Rennen. Nun kristallisiert sich ein Favorit heraus. Doch viele Fragen bleiben offen.

Aurich - Aurich und der Bestattungswald: Das ist eine lange und wechselvolle Geschichte, die sich nun der Zielgeraden nähert. Als Standort kristallisiert sich das Popenser Gehölz heraus. So wünscht es sich die Politik, wie Fachbereichsleiterin Laura Rothe auf Anfrage mitteilte. Einige rechtliche Fallstricke müssen noch beseitigt werden.

In einem Bestattungswald werden biologisch abbaubare Urnen mit der Asche der Verstorbenen an Baumwurzeln beigesetzt. Diese Bestattungsform, die in Deutschland seit 2001 möglich ist, wird immer beliebter. Laut einer Studie der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas aus dem Jahr 2019 liegt der Wunsch nach einer Baumbestattung bundesweit mit 19 Prozent inzwischen auf Platz zwei der bevorzugten Bestattungsarten, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Nur pflegefreie Beisetzungen auf einem Friedhof seien noch beliebter.

Drei Bewerber im Rennen

In Aurich wurde bereits 2009 das erste Mal über einen Bestattungswald diskutiert. Die Idee verschwand zunächst in der Schublade. 2019 klopfte die Firma Friedwald bei der Stadt an. Sie möchte in Zusammenarbeit mit den Landesforsten im Sandhorster Wald auf einer Fläche von 31 Hektar Baumbestattungen anbieten. Weil damit Eingriffe in die Natur verbunden wären – unter anderem Baumfällungen im großen Stil –, stieß die Idee auf Skepsis.

Daraufhin schlug die Gedächtniswald Logabirum GmbH vor, im Eschener Gehölz einen 6,7 Hektar großen Gedächtniswald anzulegen, ähnlich der Einrichtung in Leer-Logabirum. 2020 meldete sich schließlich ein dritter Interessent: die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH mit Sitz in Schirum. Sie möchte den Bestattungswald im 8,5 Hektar großen Popenser Gehölz anlegen, das ihr gehört. Geschäftsführer Jakob Janssen ist derjenige, der schon vor vielen Jahren über einen Bestattungswald in Aurich gesprochen hatte.

In letzter Minute gestoppt

Im Juli 2020 fasste der Auricher Rat einen Grundsatzbeschluss zur Einrichtung eines Bestattungswaldes und startete ein Auswahlverfahren. Im September 2021 schien die Sache dann geklärt zu sein. Die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH sollte den Zuschlag bekommen. Die Politik war von dem Konzept restlos überzeugt. Der Ratsbeschluss galt als Formsache. Krematoriums-Geschäftsführer Janssen hatte in Aussicht gestellt, dass ab Mitte 2022 in Popens die ersten Urnen unter Bäumen bestattet werden könnten.

Der Standort für den Bestattungswald in Aurich steht jetzt fest. Grafik: Will
Der Standort für den Bestattungswald in Aurich steht jetzt fest. Grafik: Will

Doch in letzter Minute stoppte Rothe, die kurz zuvor bei der Stadt angefangen hatte, das Verfahren. Das Projekt müsse öffentlich ausgeschrieben werden, erklärte die Juristin, sonst könnten unterlegene Bewerber oder andere Interessenten, die nichts davon wussten, auf Schadenersatz klagen. Bestattungen seien wie die Versorgung mit Wasser und Strom eine Pflichtaufgabe der Kommune, erklärt die Juristin. Daher sei eine Konzessionsvergabe erforderlich, wie bei Buslinien oder Energienetzen. Rothes Fazit: Die Mehrheit der Kommunen in Deutschland mache es falsch. „Wo kein Kläger, da kein Richter“, sagt sie. Doch sie wolle für Aurich kein Risiko eingehen. Das Vergaberecht sei „die heilige Kuh des öffentlichen Dienstes“.

„Wir wollen ja etwas für Aurich tun“

Die Kanzlei, die für die Stadt das Vergabeverfahren vorbereitet, hat empfohlen, für den Bestattungswald ein städtisches Grundstück zu wählen. „Wir müssen den vollen Zugriff darauf haben“, erklärt Rothe. Sonst könne es vergaberechtliche oder vertragliche Schwierigkeiten geben. Die Juristin schlug daher im Frühjahr vor, ein städtisches Grundstück in Wallinghausen zu wählen, ein drei Hektar großes Wäldchen namens Herrenholz. Dort sei Platz für 200 bis 250 Buchen und Eschen mit jeweils mehreren Urnen. Doch ihr Vorschlag sei in der Politik auf wenig Gegenliebe gestoßen, berichtet sie nun. Der stets nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss habe sich mit dem Thema befasst. Die Politiker bleiben dabei: Sie wünschen sich als Standort für den Bestattungswald das Popenser Gehölz.

Das Problem: Dieses Waldstück gehört nicht der Stadt, sondern der JJ Krematorium Ostfriesland GmbH. Die mögliche Lösung: Die Firma stellt der Stadt das Grundstück im Erbbaurecht zur Verfügung, dann hat die Kommune dort dieselben Rechte wie ein Eigentümer. Die Stadt habe der JJ Krematorium Ostfriesland GmbH einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, den diese prüfen wolle, so Rothe. Geschäftsführer Jakob Janssen ist grundsätzlich einverstanden, wie er auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Er werde in Kürze auf die Stadt zugehen. „Wir wollen ja etwas für Aurich tun.“

Die Entscheidung für das Grundstück bedeutet aber nicht, dass automatisch Janssens Firma auch die Konzession für den Betrieb des Bestattungswaldes bekommt. Sie muss sich wie alle anderen Interessenten im Vergabeverfahren darum bewerben. Die Gedächtniswald Logabirum GmbH und die Firma Friedwald hatten zuletzt Ende April betont, dass sie weiter Interesse hätten. Wo Aurich demnächst Baumbestattungen ermöglichen wird, ist somit geklärt: aller Voraussicht nach in Popens. Nur wer es macht und ab wann, das ist nach wie vor offen.

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