Hamburg  „Schadet dem Tierpark“: SPD sendet klare Worte an Hagenbeck-Chef

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 08.08.2022 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Elefanten-Orakel «Yashoda» Foto: dpa
Elefanten-Orakel «Yashoda» Foto: dpa
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Seit Monaten liegen sich Belegschaft und Geschäftsführung bei Hagenbeck in den Haaren. Jetzt hat sich auch die Politik eingeschaltet. SPD und Linke solidarisieren sich mit den Mitarbeitern.

Sie fordern faire und einheitliche Arbeitsbedingungen: Die Mitarbeiter von Hagenbecks Tierpark wollen einen Tarifvertrag, doch die Geschäftsführung stellt sich quer. Mit einem Warnstreik kam es in der vergangenen Woche zu einer neuen Eskalationsstufe. Und auch die Hamburger Politik schaltet sich nun in den Arbeitskampf ein.

„Die Geschäftsführung von Hagenbecks Tierpark muss endlich einsehen, dass der Kampf gegen einen Tarifvertrag aussichtslos ist“, sagte Sabine Ritter, Bezirksabgeordnete von der Linken in Eimsbüttel. Mikey Kleinert, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel ergänzt: „Gerade in Zeiten der Inflation und hohen Mieten muss der Tierpark seine Mitarbeiter:innen anständig vergüten und die Geschäftsführung muss ihr Gebahren einstellen.“

Konkret geht es den Beschäftigten, die sich durch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) vertreten lassen, unter anderem um Urlaubsanspruch, Zuschläge, Arbeitszeiten und Kündigungsfristen. Geschäftsführer Dirk Albrecht aber kündigte zunächst an, juristisch prüfen lassen zu wollen, ob die IG BAU überhaupt für die Verhandlungen zuständig sei.

Unverständnis über derartige Äußerungen kommt auch von der SPD. „Das Recht von Beschäftigten, sich in Gewerkschaften zu organisieren und durch sie gemeinsam ihre Interessen zu vertreten, ist im Grundgesetz verankert“, sagte Jan Koltze, Sprecher der SPD-Fraktion Hamburg für Arbeit und Gewerkschaften. „Die Geschäftsführung des Tierparks Hagenbeck muss die grundlegenden Arbeitnehmerrechte auf Organisation in Gewerkschaften und den Schutz durch Tarifverträge akzeptieren. Nur Tarifverträge garantieren faire Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen.“

Auch gegen Geschäftsführer Albrecht sendet Koltze klare Worte: „Mit ihrer Unternehmensführung von vorvorgestern schadet die Geschäftsführung dem Tierpark. Es wäre schade, wenn bei dem ‚tierischen‘ Vergnügen Hagenbeck der Mensch auf der Strecke bleibt.“ Und weiter: „Ein Besuch im Zoo darf nicht vom Umgang mit dem Personal überschattet werden. Die Beschäftigten bei Hagenbeck haben unsere volle Solidarität.“

Hagenbecks Belegschaft berichtet seit dem Amtsantritt von Albrecht im Frühjahr 2020 von einem „schwierigen Klima“ im Tierpark. In einem Offenen Brief im März diesen Jahres war von einem „patriarchischen Führungsstil“ die Rede. Durch den 73-Jährigen komme es zu Demütigungen, Diffamierungen und Diskriminierungen. Rund 40 Angestellte sollen aufgrund des Geschäftsführers ihr Arbeitsverhältnis im Tierpark beendet haben.

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