Wiesmoorer zahlungsunfähig Golfclub Ostfriesland meldet Insolvenz an
Der Golfclub Ostfriesland aus Wiesmoor kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. In einem Schreiben an die Mitglieder spricht der Vorsitzende von einer Insolvenz.
Wiesmoor - Der Golfclub Ostfriesland mit Sitz in Wiesmoor ist insolvent. Der Redaktion wurde ein Schreiben des Vorstands an die Mitglieder zugespielt. Darin verkündet der Verein am 4. August, seine Rechnungen über die Pflege des Platzes nicht mehr bezahlen zu können. Auch von weiteren Verpflichtungen ist die Rede. „Aus diesem Grund bin ich gezwungen – wegen drohender Zahlungsunfähigkeit – Insolvenz anzumelden“, heißt es in dem Schreiben, das vom Vorsitzenden Ralf Wilde unterschrieben ist.
Was und warum
Darum geht es: Dem Golfclub Ostfriesland in Wiesmoor ist das Geld ausgegangen. Jetzt geht er in die Insolvenz.
Vor allem interessant für: Golffreunde und Förderer
Deshalb berichten wir: Uns wurde ein Schreiben des Vereins an die Mitglieder zugespielt.
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Noch wurde der Eintrag nicht im Insolvenzregister des Amtsgerichts Aurich veröffentlicht. Laut Ralf Wilde ist das Schreiben, wie im Brief an die Mitglieder erwähnt, am 4. August per Post rausgegangen. In den kommenden Tagen werde das Verfahren offiziell eröffnet. Seiner Ansicht nach war die Insolvenz die einzige Chance, den Golfplatz für Ostfriesland langfristig zu erhalten. „Dem Verein geht es schon lange finanziell nicht gut“, so Wilde. „Wir hätten ewig so weitermachen können wie bisher. Das hätte dem Platz und auch dem Ansehen des Clubs aber eher geschadet“, ist Wilde überzeugt.
Es gab früher schon Probleme
Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein in einer finanziell extrem schwierigen Situation steckt. Bereits Ende 2019 hatte eine Insolvenz gedroht. Die Mitglieder hatten sie damals mit einer Sonderzahlung von 250 Euro verhindert. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember 2019 stimmten die rund 140 Mitglieder über eine einmalige Umlage in Höhe von 250 Euro ab. 80 Mitglieder hatten für die Umlage, die 2020 in zwei Raten gezahlt wurde, gestimmt. 60 waren dagegen.
Die Umlage spülte damals frisches Geld in die Vereinskasse: Mehr als 90.000 Euro kamen nach Angaben des 2. Vorsitzenden Albrecht Heim zusammen. Damit hatte der Golfclub Ostfriesland keine Liquiditätsprobleme mehr und war wieder zahlungsfähig. Nach dieser Notsituation hatte sich der Verein neu aufgestellt und Ende August 2020 einen neuen Vorsitzenden gewählt – Prof. Dr. Ralf Wilde aus Leer. Doch jetzt steht der Golfclub wieder vor dem gleichen Problem.
„Wir können uns nicht von Jahr zu Jahr retten“
„Wir können uns nicht von Jahr zu Jahr retten und die Mitglieder immer wieder Umlagen zahlen lassen, das macht niemand mit. Egal, ob es 50 oder 250 Euro sind“, so Wilde. Deshalb hat der Vorsitzende mit den Eigentümern des Grundstücks gesprochen. Das ist die Erbengemeinschaft Quitmeyer rund um den Club-Mitgründer und langjährigem Präsidenten des Golfclubs, Dr. Uwe Quitmeyer. „Sie haben zugesagt, den Golfplatz weiter betreiben zu wollen“, so Wilde. „Ich bin mir sicher, dass es der beste Weg ist, Ostfrieslands schönsten Golfplatz auch über das Jahr 2030 hinaus zu erhalten.“
2030 ist ein kritisches Jahr für den Golfclub. Denn dann läuft der Pachtvertrag mit der Erbengemeinschaft aus. „Mit der Perspektive hätten wir als Verein nicht mehr viel Spielraum gehabt. Es musste eine nachhaltige Lösung her“, so Wilde. Einen Investor für die kurze Zeitspanne zu finden sei unwahrscheinlich. Die Erbengemeinschaft habe bereits zugesagt, bei der Pflege des Platzes in Vorleistung zu gehen. So könnte das Grün in einer Form erhalten werden, die dem Verein nicht mehr möglich sei. „Ohne Pflege wäre der Platz in ein paar Wochen tot“, so Wilde.
Eher Friedhof als Golfplatz
Die finanzielle Not begann 2017. Bis 2019 verzeichnete der Golfclub jedes Jahr ein Minus von 30.000 Euro. Für die prekäre Lage gab es damals viele Gründe. Unter anderem weniger Golf spielende Feriengäste. Die würden ansonsten aus ganz Deutschland anreisen, vor allem aus Nordrhein-Westfalen. Auch bei den Niederländern sei die 27-Loch-Anlage in Wiesmoor früher gefragter gewesen, hieß es damals. Wenn keine Gäste kommen, entfallen auch die Gelder der Greenfee. Das ist eine Spielgebühr, die Gäste-Golfer auf fremden Plätzen entrichten. Das Problem zog sich die nachfolgenden Jahre durch wie ein roter Faden und verschlimmerte sich in der Pandemie.
„Allein in den Corona-Jahren hatten wir bei der Greenfee Einbußen von 200.000 Euro“, so Wilde. Selbst jetzt noch – in den Monaten Juni und Juli – habe der Platz eher einem Friedhof geglichen als einem lebendigen Golfplatz. Wilde: „Die Einbußen waren erschütternd. Die Menschen waren in der aktuellen wirtschaftlichen Situation lieber vorsichtig und haben sich mit Urlaub und anderen Ausgaben zurückgehalten.“ Deshalb hält er den von ihm eingeschlagenen Weg für den einzig möglichen. „Eine Betreibergesellschaft kann diesen Platz ganz anders vermarkten, als wir es als Verein in unserer Situation tun können.“ So könnten auch er und seine Frau darauf hoffen, auf dem Platz auch über 2030 hinaus weiterspielen zu können.
Zahl der Mitglieder ging immer weiter zurück
1983 eröffnete der Golfclub Ostfriesland eine 18-Loch-Meisterschaftsanlage. Ab 2005 wurde die Anlage auf 27 Loch erweitert – ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Über die Jahre kamen die Golfanlagen in Lütetsburg, Papenburg und Bad Zwischenahn hinzu, wohin auch einige Mitglieder des Wiesmoorer Vereins wechselten. Zur Zeit der ersten drohenden Insolvenz zählte der Golfclub Ostfriesland rund 560 Mitglieder, heute sind es laut Wilde noch 530. Zum Vergleich: Vor mehr als zehn Jahre waren es noch mehr als 800. Seitdem ging auch ein jährlich hoher Betrag an Mitgliedsbeiträgen verloren.
Wie anderen Vereinen fiel es auch den Wiesmoorern immer schwerer, neue Mitglieder zu gewinnen. Trotz Schnuppertagen und spezieller Wettbewerbe blieb vor allem der Nachwuchs aus. Der Verein hatte in der letzten Zeit immer wieder versucht, durch spezielle Angebote neue Mitglieder zu werben. Zuletzt hatte er angekündigt, sich um eine Zulassung von Golf im Verein als Rehasport-Angebot zu bemühen. Der Golfclub Ostfriesland sah darin eine Chance, sich für neue Interessenten zu öffnen.
In der aktuellen Situation ist allerdings nicht klar, ob daraus etwas werden wird. Jetzt geht es laut Wilde erst einmal darum, den Golfplatz zu retten. „Übertragende Sanierung mit vorübergehendem Verwalter“ nennt Ralf Wilde das Rettungskonzept, das er mit der Erbengemeinschaft entwickelt hat. Wilde jedenfalls ist zuversichtlich, dass der Plan funktioniert. Dafür müssten die aktuellen Mitglieder dem Club allerdings weiter die Treue halten, sonst wäre dieser Schritt schwierig.