Osnabrück  Ein Taiwan-Krieg wäre das Letzte, was wir jetzt noch gebrauchen können

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 05.08.2022 14:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Auswirkungen einer bewaffneten Auseinandersetzung um Taiwan bedrohen auch Deutschlands Wirtschaft. Foto: Imago Images
Die Auswirkungen einer bewaffneten Auseinandersetzung um Taiwan bedrohen auch Deutschlands Wirtschaft. Foto: Imago Images
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Lieferengpässe, Gasknappheit, Inflation: Die wirtschaftlichen Probleme sind hierzulande bereits erdrückend. Kommt es zum Krieg um Taiwan, würde es bitter. Einen Hoffnungsschimmer aber gibt es.

Eine Eskalation im Taiwan-Konflikt wäre das Letzte, was die deutsche Wirtschaft, ja die Weltwirtschaft jetzt noch gebrauchen kann. Die Probleme sind hierzulande ohnehin schon erdrückend: an der Schwelle zur Rezession stehend, geplagt von Lieferengpässen, Gasknappheit, Ukraine-Krieg, Inflation - gefühlt nimmt die Liste derzeit kein Ende.

Würde nun auch noch China Taiwan militärisch angreifen oder auch nur die Handelswege beschneiden, würde es bitter. Denn Taiwan ist für viele Länder wirtschaftlich systemrelevant: Egal ob Smartphones, Autos, Industrieanlagen oder Kühlschränke - ohne Computerchips aus taiwanischer Fertigung würde vieles nicht laufen. Etwa zwei Drittel aller weltweit benötigten Mikrochips kommen aus dem Inselstaat. Ohne den Nachschub stünde die Weltwirtschaft in vielen Bereichen still, das hat die Corona-Pandemie erst gezeigt.

Damit nicht genug: Sollte der Westen China als Reaktion auf einen Angriff ähnlich wie bei Russland mit Sanktionen belegen, kämen die meisten globalen Lieferketten komplett zum Erliegen. Die Folgen wären weitere Lieferengpässe und noch schneller steigende Preise.

Doch es gibt einen - zugegeben kleinen - Hoffnungsschimmer: Chinas Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Harsche Lockdowns legen Industrie und Konsum lahm. Ein Immobiliencrash bedroht das Finanzsystem. Vor allem aber: Auch China ist von der taiwanischen Chipproduktion abhängig. Präsident Xi Jinping wird sich einen Einmarsch entsprechend zweimal überlegen. Vorausgesetzt, er agiert rationaler als sein russischer Amtskollege und weiß die ökonomischen Gefahren eines militärischen Überfalls richtig einzuschätzen.

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