Energie- und Rohstoffpreise  Kostenexplosion bringt Handwerker in große Not

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 04.08.2022 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Mann arbeitet an einem Stromkasten. Für Handwerksbetriebe ergeben sich durch die steigenden Kosten derzeit große Probleme. Foto: Hoppe/DPA
Ein Mann arbeitet an einem Stromkasten. Für Handwerksbetriebe ergeben sich durch die steigenden Kosten derzeit große Probleme. Foto: Hoppe/DPA
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Steigende Kosten stellen Handwerksbetriebe vor Probleme – häufig sei ein Auftrag am Ende ein Minusgeschäft, sagt ZDH-Präsident Wollseifer. Helfen könnten die Kommunen – doch so einfach ist das nicht.

Ostfriesland/Berlin - „So eine Situation habe ich noch nicht erlebt“, sagt Albert Lienemann. Der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Ostfriesland ist Chef eines Heizungs- und Wasserinstallateurbetriebs und wird nach eigenen Worten gerade „überrannt mit Aufträgen“. Viele Ostfriesen würden angesichts hoher Gaspreise gerne auf eine Wärmepumpe umrüsten, doch die Geräte seien kaum zu beschaffen. Lienemann spricht von „unendlich langen Lieferzeiten“.

Doch der eklatante Teilemangel sei für die Betriebe momentan nur ein Problem in einer ganzen Reihe, so Hans Peter Wollseifer, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): „Die Unternehmen und Betriebe im Handwerk sind stark verunsichert durch die Lage insgesamt, speziell durch die Materialknappheit und exorbitante Preissteigerungen, durch dramatische Energiepreiserhöhungen und die Inflation.“ Steigende Kosten würden die Betriebe in eine schwierige Lage bringen. „Wir können diese Kosten nicht in der gleichen Höhe, wie sie bei uns anfallen, an die Kundinnen und Kunden – gerade der öffentlichen Hand – weitergeben. Das alles führt dazu, dass viele Aufträge nur noch als Minusgeschäft zu erfüllen sind, was auf Dauer kein Betrieb aushalten kann.“

Preisgleitklauseln könnten für Kommunen zum Risiko werden

Wollseifer sieht hier auch die Kommunen in der Verantwortung, von denen nur etwa zehn Prozent bereit seien, Preisgleitklauseln in Verträge einzubauen. Mit solchen Klauseln können die Betriebe steigende Kosten an Auftraggeber weitergeben. „Da ist es nicht verwunderlich, dass viele unserer Betriebe nicht unbedingt motiviert sind, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen.“

Preisgleitklauseln könnten aber nicht ohne Weiteres in Verträge eingebaut werden, sagt Helfried Goetz (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Friedeburg und Bezirksgeschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds (NSGB). „Das Vergaberecht ist sehr streng.“ Wenn überhaupt, könnten Preisgleitklauseln nur für steigende Kosten bei Baumaterialien gelten. Sollten Kommunen sie dennoch in öffentliche Ausschreibungen einbauen, würden sie riskieren, Fördergelder zu verlieren. Goetz merkt jedoch an, dass er Verständnis für die Not der Handwerksbetriebe habe.

HWK-Präsident Lienemann erklärt, dass er die Situation der Kommunen durchaus verstehen könne – aber explodierende Kosten während eines Bauprojekts könne auch ein Betrieb nicht tragen. Wenn so etwas bei größeren Vorhaben geschehe, „das kann dann schon existenzgefährdend sein“, sagt er.

Mit Material von DPA

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