Taipeh  Warum Taiwan für den Welthandel so wichtig ist

Alexander Barklage
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Von Alexander Barklage
| 04.08.2022 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der größte Halbleiter-Produzent TSMC ist Weltmarktführer mit Sitz in Taiwan. Foto: imago-images/Zuma Wire
Der größte Halbleiter-Produzent TSMC ist Weltmarktführer mit Sitz in Taiwan. Foto: imago-images/Zuma Wire
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Der Streit um Taiwan ist einer der gefährlichsten Konfliktherde weltweit. Eine militärische Auseinandersetzung zwischen China und Taiwan hätte massive Auswirkung auf den Welthandel. Bei der Chipherstellung ist sogar China abhängig von Taiwan.

Besorgt schaut die Welt aktuell auf die Lage im südchinesischen Meer. Nur knapp 160 Kilometer liegt Taiwan von der chinesischen Küste entfernt. Politisch liegen jedoch Welten zwischen beiden Ländern. Experten gehen davon aus, dass ein Krieg zwischen China und Taiwan größere Auswirkungen auf den Welthandel hätte als der Angriff Russlands auf die Ukraine.

Grund für diese Annahme: Taiwan ist mit Abstand Weltmarktführer von Halbleitern. Besser bekannt unter dem Namen Mikrochips sind Halbleiter deshalb so wichtig, weil sie in fast jedem Smartphone, Haushaltsgerät und Laptop enthalten sind. Außerdem spielen die Halbleiter in Industrieanlagen, beim Bau von Waffen und auch in der Autoindustrie eine große Rolle.

Der mit Abstand größte Hersteller von Halbleitern ist das taiwanesische Unternehmen TSMC (Taiwan Semicondutor Manufactorin Company). Der Hersteller hat laut „Bloomberg“ einen Marktanteil von rund 53 Prozent. Auf Platz zwei folgt das südkoreanische Unternehmen Samsung. Auf Rang drei landet mit UMC ebenfalls ein Unternehmen aus Taiwan.

Taiwan mit seinen nur 23,5 Millionen Einwohnern ist Nummer 22 der großen Volkswirtschaften, industriell weit entwickelt und stark mit der Weltwirtschaft verflochten. Wegen der großen Abhängigkeit vom chinesischen Markt wären deutsche Unternehmen massiv betroffen, wenn wirtschaftliche Sanktionen gegen China verhängt werden sollten.

Allerdings müsste China gar nicht unbedingt militärisch eingreifen, um der Chipindustrie massiv zu schaden. Wie die „taz“ berichtet, würde es auch schon reichen die Handelswege abzuschneiden. Kurioserweise ist Taiwans Chipindustrie auch mit der Volksrepublik eng verknüpft. Alleine 8000 taiwanesische Unternehmer fertigen ihre Chips auf dem chinesischen Festland, darunter auch der Apple-Auftragsfertiger Foxconn.

Vor der aktuell angespannten Lage mit China rechnete TSMC Mitte Juli noch ungeachtet weltweiter Rezessionssorgen mit mehr Umsatz als bisher. Die Erlöse dürften dieses Jahr statt um etwa 30 Prozent nun um etwa 35 Prozent steigen, teilte TSMC mit. Für das laufende dritte Quartal rechnete der Chipkonzern nun mit einem Umsatz zwischen 19,8 und 20,6 Milliarden US-Dollar (19,75 bis 20,55 Mrd Euro).

TSMC ist der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips und Wafern, den Grundplatten für elektronische Halbleiter. Er ist auch Asiens größtes Unternehmen. TSMC und Rivalen wie Samsung, Globalfoundries oder der US-Chipkonzern Intel stecken derzeit viel Geld in den Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten. Weltweit herrscht Mangel an bestimmten Elektronikchips. In Deutschland sind besonders die Autokonzerne Volkswagen, Mercedes, BMW und Daimler Truck betroffen. Deshalb sieht auch die deutsche Exportwirtschaft die Eskalation mit Sorge.

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mit dpa-Material

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