Premiere bei „Bettels“  Hunderte Tonnen schwere Betonteile schweben beim Emder Südkai

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 03.08.2022 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Schwimmkran transportierte das 175 Tonnen schwere Betonteil vom Kai zum Ponton. Foto: Hanssen
Der Schwimmkran transportierte das 175 Tonnen schwere Betonteil vom Kai zum Ponton. Foto: Hanssen
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Zum ersten Mal wurden bei der Emder Firma „Bettels Betonfertigteile“ direkt am Kai riesige Betonteile auf ein Ponton verladen. Ein Schwimmkran aus Hamburg musste anrücken.

Emden - Alle Blicke sind auf das 175 Tonnen schwere Betonteil am Kai der Emder Firma „Bettels Betonfertigteile“ (ehemals WEC Turmbau) gerichtet. Das soll von Deutschlands größtem Schwimmkran „Enak“ hochgehoben und auf einen Ponton verladen werden. Die Kameras der zahlreichen Zuschauer sind bereit, die Männer der Hamburger Firma Lührs verschrauben noch die letzten Anschlagpunkte auf der späteren Beton-Zugangsbrücke für das geplante Flüssig-Erdgas-Terminal in Wilhelmshaven.

Was und warum

Darum geht es: eine spannende Verlade-Aktion am Emder Südkai

Vor allem interessant für: Hafen- und Wirtschaftsinteressierte

Deshalb berichten wir: Wir wurden von dem Team von Bettels Betonfertigteile auf die Verladung von zwei großen Betonteilen hingewiesen. Das klang spannend, also haben wir uns das angeschaut.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Dort steht man schon „Gewehr bei Fuß“, sagt Thomas Macagnino, Qualitätsmanagement-Beauftragter bei „Bettels“. Die Pfähle seien dort gerammt, man brauche nun die Emder Teile, um loslegen zu können. „Der Druck ist da“, sagt er. Denn: Angesichts der Energiekrise und der drohenden Gas-Knappheit im Winter sollen schnell Resultate her. Erst Mitte Mai sei die erste Anfrage zu dem Auftrag nach Emden gekommen, Mitte Juni wurden schon die ersten Verträge unterschrieben, sagt Vertriebsleiter Hervé Mota. Bis September sollen alle Teile fertig und abgeliefert sein.

Fläche am Wasser wird erstmals sinnvoll genutzt

Das Team der Emder Firma „Bettels“ ist angespannt. „Schwer und groß konnten wir schon immer, jetzt ist es aber noch ein bisschen schwerer und größer“, sagt Olaf Stracke, zuständig für den technischen Vertrieb. Es ist eine Premiere an diesem Mittwochvormittag: „Es ist der erste richtig große Auftrag, bei dem wir die Fläche hier sinnvoll nutzen können“, sagt Stracke. Der Standort der Betonfertigung sei deutschlandweit, wenn nicht gar europaweit, einmalig optimal am Wasser gelegen.

Thomas Macagnino (rechts) und Hervé Mota warten gespannt auf das Verladen der Betonteile. Foto: Hanssen
Thomas Macagnino (rechts) und Hervé Mota warten gespannt auf das Verladen der Betonteile. Foto: Hanssen

Die Firma befindet sich im Jarßumer Hafen beziehungsweise direkt am Südkai des neuen Binnenhafens. Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu fünf Metern können hier anlegen. Die Produktion der schweren Betonteile für Wilhelmshaven wurde direkt auf die Fläche am Wasser verlegt. Von hier aus kann der Transport ins Binnenland oder zur See starten. Mit der Neuausrichtung der Firma, die als WEC Turmbau zuvor Betonsockel für Enercon-Windkraftanlagen hergestellt hatte, die mit Binnenschiffen verladen wurden, will man sich breit aufstellen - und insbesondere mit der Lage punkten.

Die Anschlagpunkte an dem 175 Tonnen schweren Betonteil müssen festgeschraubt werden, bevor der Schwimmkran es anheben kann. Foto: F. Doden
Die Anschlagpunkte an dem 175 Tonnen schweren Betonteil müssen festgeschraubt werden, bevor der Schwimmkran es anheben kann. Foto: F. Doden

Am Freitag soll Ladung in Wilhelmshaven sein

Alle Schrauben sitzen jetzt an dem tonnenschweren Betonteil fest. Die Männer treten zur Seite. Der Schwimmkran-Führer sitzt in der Kabine. Bis zu 600 Tonnen kann das Gefährt aus Hamburg heben. Jetzt hört man ein Surren, ein Ächzen. Die Sorge besteht einerseits, dass das Teil - immerhin 33 mal 8,5 Meter groß - beim Anheben durchbrechen könnte, falls es im nicht optimalen Winkel gehoben wird. Andrerseits könnte sich der Beton am Untergrund - dem sogenannten Schalungstisch - festgesaugt haben und beim Anheben den Tisch mit heben. Um das zu verhindern, sind Betonklötze, die fast wie Legosteine aussehen, zum Beschweren ringsum auf dem Tisch abgestellt.

Auf dem Schwimmkran werden die letzten Seile befestigt. Foto: Hanssen
Auf dem Schwimmkran werden die letzten Seile befestigt. Foto: Hanssen

Es kommt noch ein Ächzen vom Kran, dann löst sich das Betonteil mit einem schmatzenden Geräusch von dem Schalungstisch. Einige Zuschauer klatschen. Erleichterung. Nach Stunden der Vorbereitung geht der nächste Schritt schnell: Der Schwimmkran fährt ein Stück rückwärts und steuert dann zum Ponton. „Wir wussten ja, dass es so ablaufen würde“, sagt Hervé Mota mit einem Lachen. Das zweite Betonteil - eine 375 Tonnen schwere Plattform - wurde erst nach dem Mittag verladen. Noch in der Nacht auf Donnerstag sollen Schwimmkran und Ponton begleitet von Schleppern nach Wilhelmshaven fahren. Laut Ablaufplan soll am Freitag die Ladung am dortigen Kai angekommen sein.

Mit einem schmatzenden Geräusch löste sich das Betonteil von dem Schalungstisch. Foto: F. Doden
Mit einem schmatzenden Geräusch löste sich das Betonteil von dem Schalungstisch. Foto: F. Doden

2018 war Standort noch vor Schließung

Dass es bei der Emder Betonfertigung jetzt so deutlich bergauf geht, hätte man nach 2018 nicht gedacht. Da hatte das Auricher Unternehmen Enercon den Emder Produktions-Standort aufgegeben. Die Bettels-Gruppe aus Hildesheim übernahm den Beton-Betrieb und geriet zunächst negativ in die Presse, weil mehr als 40 Leute ihre Arbeit verlieren sollten.

Erleichterung: Das erste große Teil landet auf dem Ponton. Foto: Hanssen
Erleichterung: Das erste große Teil landet auf dem Ponton. Foto: Hanssen

„Die Situation war sehr schwierig am Anfang“, sagte Knut Bettels, Gesellschafter und Geschäftsführer der Bettels Betonfertigteile GmbH, bei einem Pressegespräch Ende Juni. Man stellte sich breiter auf - und jetzt wird Emden eine „hohe Priorität“ innerhalb des Unternehmens zugesprochen. Bis 2024 soll sich die Belegschaft verdoppeln. Große Aufträge - etwa Betonteile für den Elbtunnel in Hamburg oder für Brücken - kommen jetzt verstärkt, hieß es.

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