Bildung Zum neuen Schuljahr öffnet Emdens erste Privatschule
In Ostfriesland gibt es bereits Freie Schulen – nur in Emden nicht. Das soll sich jetzt ändern. Die „mobilen Klassenräume“ stehen schon. Auch andernorts wächst das nicht-staatliche Angebot.
Emden/Ostfriesland - Jetzt wird‘s ernst: Emdens erste private Grundschule soll zum neuen Schuljahr eröffnen. Auf dem ehemaligen Kasernengelände im Stadtteil Barenburg stehen seit knapp einer Woche schon die mobilen Klassenräume. In den 14 Container-Modulen sollen rund 24 Kinder untergebracht werden können. „Um die 20 aus Emden und dem Umkreis sind schon angemeldet“, sagt die Initiatorin der Freien Grundschule, Dr. Katharina Lühring, vor Ort im Gespräch mit dieser Zeitung.
Was und warum
Darum geht es: ein neues Bildungsangebot in Emden
Vor allem interessant für: Eltern von Kindern im Grundschulalter in Emden, Bildungsinteressierte
Deshalb berichten wir: Wir verfolgen die Entwicklung der ersten Freien Schule in Emden schon seit Anbeginn und wollten nun nach dem aktuellen Stand der Planung fragen. Also haben wir uns vor Ort auf dem Kasernengelände mit den Verantwortlichen getroffen. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Klassenübergreifend werden die Erst- mit Zweitklässlern und die Dritt- mit Viertklässlern gemeinsam unterrichtet. Zwei Schulklassen und zwei Fachräume mit jeweils 36 Quadratmetern sowie zwei Sanitärräume sind in den Modulbauten eingeplant. Mit Marlene Helms und Reiner Riemann sind zwei Lehrkräfte schon gefunden. Erstgenannte wird die Grundschule auch leiten. Eine Vertretung sei ebenfalls eingeplant: Eine „erfahrene Schulleitung“ aus Emden stehe nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zur Seite, so Lühring.
Grundschule nicht als Konkurrenz zu anderen gedacht
Über ein Kinderfest im Juni habe man bereits Spendengelder einnehmen können. „Viele Sachen wurden auch gespendet“, sagt sie - etwa Musikinstrumente, Spielsachen oder Möbel. Das Gelände rund um die Container wird bereits mit Freiwilligen bearbeitet. Ein Schulgarten sowie eine Rasen- und Sandfläche sind geplant, ebenso Hochbeete. Man wolle sich mit viel Natur umgeben, so die Idee. Auch Kleintiere wie etwa Kaninchen oder Meerschweinchen könne sich Lühring für die Grundschule vorstellen.
Die neue Einrichtung sei keine Konkurrenz für staatliche Grundschulen in Emden, betont Reiner Riemann. „Wir entlasten die Schulen“, ist er sich sicher. Für einige Schülerinnen und Schüler sei das Konzept der Freien Grundschule leichter, meint er. „Wir haben nur gute Rückmeldungen von anderen Schulen bekommen“, sagt auch Lühring, die in Emden ein eigenes Institut für psychologisch-pädagogische Bildung und Entwicklung leitet. Das Konzept der Schule sieht vor, dass der „Spaß am Lernen elementar“ sei, so Riemann. Kinder seien von Natur aus neugierig, das müsse man fördern, nicht ersticken. Marlene Helms betont, dass ihr das soziale Miteinander insbesondere wichtig sei. „Wenn es da gut läuft, läuft alles“, sagt sie. Man wolle mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Mädchen und Jungen eingehen, weniger in der starren Unterrichtsstruktur und auf Noten fixiert denken.
Langfristig soll neu und größer gebaut werden
In der Planung ist die erste Privatschule für Emden schon seit dem Sommer 2020. Zweimal hatte eine Eröffnung verschoben werden müssen, weil ein geeignetes Gebäude nicht hatte gefunden werden können. Das Grundstück nun ist von privat gepachtet. Das Regionale Landesamt für Schule und Bildung habe schon im vergangenen Jahr das Lehr-Konzept genehmigt. Auch alles andere sei abgenickt worden. Die sozial-ökologische Förderbank GLS-Bank etwa habe die Kreditzusage erteilt. Zuletzt müsse jetzt noch ein Dezernent der Behörde für die abschließende Überprüfung vorbeikommen. Da alles den Vorgaben entsprechend aufgebaut worden sei, gehe sie aber nicht davon aus, dass es da noch Probleme gibt, so Lühring.
Drei Jahre lang muss die private Bildungseinrichtung „finanziell selbst klarkommen“ - unter anderem durch Spenden, Bürgschaften Einzelner und Schulgeld, das sich am Gehalt der Eltern orientieren soll. Nach dieser Zeit könnten Zuschüsse von der öffentlichen Hand beantragt werden. Drei Jahre lang laufe auch die Pacht auf dem jetzigen Grundstück. „Langfristig wollen wir neu bauen“, sagt die Initiatorin. Man habe das „große Glück“, dass jemand mit ihnen den Neubau errichten und man die Schule dann auch erweitern wolle.
Privatschulen-Ausbau in Ostfriesland
Die größte Privatschule in der Region ist die Freie Christliche Schule Ostfriesland (FCSO) in Veenhusen (Landkreis Leer) mit rund 1300 Schülerinnen und Schülern. Und die will weiter wachsen. Voraussichtlich zum Schuljahr 2023/24 will sie eine Zweigstelle in der Gemeinde Südbrookmerland (Landkreis Aurich) in dem ehemaligen Gebäude einer Realschule in Moordorf eröffnen. Dorthin schielt auch die Freie Schule Ostfriesland, die erst 2018 als Grundschule mit selbstbestimmtem Lernen startete und sich bereits vergrößern will. Derzeit ist sie noch im Bürgerhaus in Großheide untergebracht.
In Ostfriesland gibt es insgesamt derzeit sechs Schulen in privater Trägerschaft - sieben, wenn man die Emder Grundschule schon mitrechnet. In Aurich findet sich eine Waldorfschule, auf der Insel Spiekeroog das Internat Hermann-Lietz-Schule sowie jeweils eine Förderschule in Aurich und Leer.