Neubau Fockenbollwerkstraße Geschäftsleute kämpfen gegen Umsatzschwund durch Baustelle
Wegen des Neubaus der Fockenbollwerkstraße in Aurich kämpfen die dort ansässigen Kaufleute mit vielen Problemen. Dabei sind kreative Lösungen gefragt.
Aurich - Hereinspaziert! Normalerweise stehen die Türen im Bioladen Baier an der Fockenbollwerkstraße weit offen. Am Dienstagvormittag war das nicht der Fall: „Von der Baustelle weht einfach zu viel Staub rüber“, sagt Inhaber Thomas Baier fast entschuldigend. Vor seinem Laden rangieren auf der anderen Straßenseite seit Anfang Juni Bagger, Arbeiter fräsen den Bürgersteig ab. Also hat er bei den beiden Automatiktüren den Bedarfs-Öffnungsmodus aktiviert. Nicht nur wegen des Lärms und Drecks ist der Neubau der Fockenbollwerkstraße ein Ärgernis für den Geschäftsmann: „Gemessen an dem Jahr 2019 habe ich aktuell rund 30 Prozent weniger Umsatz.“ Der Kaufmann differenziert dabei deutlich. Die aktuellen Verhältnisse könne er nicht mit der Kundenfrequenz während der Corona-Jahre 2020 und 2021 vergleichen. „Wir als Biohändler haben vom Lockdown und von dem Erfordernis profitiert, an sieben Tagen den Kühlschrank füllen zu müssen“, sagt er. Außerdem habe der Wunsch, sich gesundheitsbewusst zu ernähren, vielfach Oberhand gewonnen.
Was und warum
Darum geht es: Wie wirkt sich die Baustelle auf die Geschäftswelt an der Fockenbollwerkstraße aus?
Vor allem interessant für: Anwohner, Kunden und Kaufleute in Aurichs Innenstadt
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hat sich für die Auswirkungen der Baustelle auf die Umgebung interessiert. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Jetzt gewinnt immer stärker der Sparimpuls die Oberhand. Thomas Baier hat sich Strategien überlegt und auch schon umgesetzt. In seinem Geschäft steht an zentraler Stelle ein Tisch mit gesunden Säften, Limonade, Salzgebäck und kleinen Snacks. Alles ist im Preis reduziert. Ein Schild mit der Aufschrift „Unser Baustellen-Angebot“ zieht mit einem lustigen Cartoon die Aufmerksamkeit auf sich: Zwei Strichmännchen mit gelbem Helm schleppen ein Stoppschild zur Seite. Nehmen wir es mit Humor, auch wenn es ernst ist, so lautet das Credo von Thomas Baier. Durch regelmäßige Posts in sozialen Foren wie Instagram und Facebook sorgt der Kaufmann mit seinem 14-köpfigen Team für Reichweite.
Lieferservice ist möglich
Sein Problem: Ihm fehlt die Laufkundschaft. „Viele Menschen glauben offenbar, dass die Fockenbollwerkstraße ganz dicht und mein Geschäft nicht mehr erreichbar ist“, bringt der Kaufmann das Problem auf den Punkt. Die Straße zählt zu den meistfrequentierten in Aurich – sowohl für den Kraftfahrzeugverkehr als auch für Radfahrer und Fußgänger. Alle drei Verkehrsteilnehmergruppen erhalten nach der anderthalb Jahre dauernden Sanierung ein besseres, teilweise breiteres Pflaster. Für die Anwohner und eben auch die Geschäftsleute ist diese Phase eine lange Durststrecke. Durch zusätzliche Banner und Flaggen vor seinem Geschäft will Thomas Baier der Öffentlichkeit zeigen: Ich bin noch da! Ihr könnt kommen. Im Hof gebe es sogar 14 Parkplätze, die auch von hinten über den Hammerkeweg und die Schmiedestraße erreichbar seien. Wer den Weg nicht zu ihm finde, könne auch an drei Tagen in der Woche beliefert werden.
Verzweiflungssignale senden auch andere Geschäfte in der Fockenbollwerkstraße aus. Amer Ramadam vom Lebensmittelgeschäft Nihad funkt seine Kunden über den Kurznachrichtendienst Whatsapp an und unterbreitet ihnen Sonderangebote, macht auf Aktionen aufmerksam. Aktuell habe er eine Reihe von Waren im Preis reduziert. Fladenbrot beispielsweise, sagt er und deutet auf zwei Körbe, die mit kleinen und großen Laiben gefüllt sind. „Wegen der Baustelle habe ich einen Umsatzrückgang von 50 Prozent“, sagt der Geschäftsmann. Parken könne man aktuell am Straßenrand nicht mehr. Befahrbar ist nur noch eine Hälfte, die andere wird saniert.
Obwohl es derzeit an der Fockenbollwerkstraße staubig ist, putzt Jens Höfeler unverdrossen die Schaufenster seines Geschäfts „Der Berlinerkönig“, das er seit 13 Jahren betreibt. Die Bauarbeiten schmecken ihm auch nicht, sagt er auf Anfrage. Er habe allerdings gegenüber den anderen Geschäftsleuten einen unschlagbaren Vorteil: Er habe nur sonnabends und sonntags geöffnet. Dann ruhten die Arbeiten an der Straße. Seine Kunden könnten dann durchaus Plätze zum Parken finden. Deshalb leide er nicht so stark unter der aktuellen Situation. Seine Berliner, Schmalzkuchen und Sprungfedern versüßen den Aurichern den Tag. Irgendwie muss man die Situation mit Bauarbeiten, Dreck, Lärm und Einschränkungen ertragen. Wer ist schuld? Wie könnte es besser sein? Thomas Baier zuckt mit den Achseln. Er könne niemandem einen Vorwurf machen. Die Bauarbeiter seien freundlich. Er biete für sie sogar „Bauarbeiter-Snacks“ und Kaffee zu vergünstigten Preisen an. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr habe sogar ein Baubüro für Fragen eröffnet. Jetzt setzt er vor allen Dingen auf seine Stammkunden. Die kennen den Weg ja, sagt er.