Neues Feuerwehrauto in Großefehn  Wenn der Bürgermeister vor Freude einen Meter hoch springt

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 02.08.2022 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ende September vorigen Jahres erhielt die Feuerwehr in Westrhauderfehn einen Gerätewagen Logistik 2. So ähnlich könnte das Fahrzeug, das wohl im kommenden Jahr nach Großefehn kommen dürfte, auch aussehen. Foto: Archiv/Weers
Ende September vorigen Jahres erhielt die Feuerwehr in Westrhauderfehn einen Gerätewagen Logistik 2. So ähnlich könnte das Fahrzeug, das wohl im kommenden Jahr nach Großefehn kommen dürfte, auch aussehen. Foto: Archiv/Weers
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Das Land Niedersachsen übernimmt drei Viertel der Anschaffungskosten für ein neues Feuerwehrauto in Großefehn. Als der Bürgermeister über unsere Redaktion davon erfuhr, brach er in Jubel aus.

Großefehn - Es passiert nicht so oft, dass Bürgermeister mitten in einer Besprechung vor Freude und vor Zeugen urplötzlich einen Meter hoch in die Luft springen. Eben das soll sich aber am Dienstag im Bürgerhaus in Großefehn zugetragen haben, wie Bürgermeister Erwin Adams (parteilos) selbst sagt. Grund der Freude war eine Anfrage unserer Zeitung per Whatsapp, ob er sich dazu äußern mag, dass die Gemeinde Großefehn 325.000 Euro als besondere Bedarfszuweisung vom Land Niedersachsen für die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos bekommt. „Das ist schon ein bisschen wie Weihnachten, darüber freue ich mich riesig“, sagte Adams wenig später. Die Gemeinde selbst habe durch unsere Redaktion erst vom Zuschlag des Landes erfahren. Das Land hatte am Dienstagnachmittag veröffentlicht, dass insgesamt 28 Kommunen in Niedersachsen zusammengerechnet 16 Millionen Euro für den Brandschutz erhalten – darunter die Gemeinde Hinte, die einen Hilfeleistungssatz für Verkehrsunfälle im Wert von 35.000 Euro erhält, und die Gemeinde Großefehn, die etwa neunmal so viel Geld bekommt.

Was die Gemeinde konkret anschaffen möchte, ist ein sogenannter Gerätewagen Logistik 2, kurz GW-L2. Salopp gesagt, ist das ein Allzweck-Packesel für alle möglichen Arten von Einsätzen, mit dem die Helfer benötigtes Material herbeischaffen können. „Darin gibt es jede Menge Platz für Rollcontainer mit Material vom Schlauch bis zur Kettensäge“, sagt Adams. „Wenn etwa zum Löschen von Bränden längere Schlauchverbindungen nötig sind, als ein Einsatzfahrzeug transportieren kann, kann das Logistik-Fahrzeug helfen. Nicht nur bei Bränden, auch bei Hochwasser-Einsätzen oder Sturmschäden, bei Hygiene- oder Belüftungseinsätzen kann es hilfreiche Dienste leisten. Wir haben uns schon lange mit dieser Anschaffung beschäftigt. Da wollen wir uns vernünftig aufstellen.“ Solch ein Fahrzeug habe man im Gemeindegebiet noch nicht, halte es aber gerade mit Blick auf häufiger werdende Extremwetterlagen für sehr sinnvoll. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde Großefehn 930.000 Euro für den Bau seiner neuen Feuerwehr-Zentrale vom Land bekommen. „Dass wir jetzt noch einmal das Glück hatten, freut uns immens“, sagt Adams.

Land trägt etwa drei Viertel der Kosten

Auch die Höhe der Förderung freue ihn. Mit 325.000 Euro trägt das Land gut drei Viertel der grob veranschlagten Anschaffungskosten für den GW-L2 in Höhe von etwa 420.000 Euro. Den zu erwartenden Preis hatte die Gemeinde zuvor über die Kommunale Wirtschafts- und Leistungsgesellschaft, eine Tochter des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, kalkulieren und dort auch bereits eine Ausschreibung für das Fahrzeug vorbereiten lassen. Weil man auch schon dabei gewesen sei, eine Leistungsbeschreibung für das, was man im Fahrzeug benötige, aufzustellen, habe man kurzerhand online einen Förderantrag beim Land eingereicht. Sobald man in Kürze dann auch die offizielle Förderzusage habe, werde man das Fahrzeug, das extra nach den Anforderungen der Fehntjer angefertigt wird, ausschreiben. „Erst danach werden wir wissen, was das Fahrzeug ganz konkret kosten und wann es fertig sein wird“, sagt Adams. „In den kommenden Wochen“ soll der Bescheid des Landes eintreffen, versicherte Minister Boris Pistorius (SPD).

Das neue Einsatzfahrzeug soll seinen Heimatstandort im ebenfalls neuen Domizil der Feuerwehr Großefehn-Zentrum erhalten. Die ersten Erdarbeiten dafür am Moorlager Weg hat es schon gegeben. Am Montag nun hat die Gemeinde einige Bauhauptarbeiten ausgeschrieben, für einige Gewerke habe man auch schon Firmen gefunden. Zugleich sei man froh, dass die sonst zeitlich enger gehaltenen Fristen für die Fertigstellung hier verlängert wurden, sodass man bis Ende 2023 Zeit habe. Auf die Weise sei man trotz der zuletzt dramatisch gestiegenen Preise nicht gezwungen, weit über Kurs zu bezahlen, nur um die Arbeiten rechtzeitig fertig zu bekommen. Sofern alles glatt läuft, erwarte man auch ungefähr zum Einzug ins neue Gebäude Ende nächsten Jahres das neue Einsatzfahrzeug, so Adams.

Pistorius ist von Investition überzeugt

Minister Pistprius sieht das Geld jedenfalls gut angelegt: „Die furchtbaren Brände in der Sächsischen Schweiz oder auch der vor Kurzem gelöschte Moorbrand im Landkreis Gifhorn zeigen uns noch einmal ganz deutlich: Dem Brandschutz kommt eine überragende gesellschaftliche Bedeutung zu. Deshalb unterstützen wir auch in diesem Jahr die finanzschwächsten Kommunen mit den Bedarfszuweisungen im Bereich des Brandschutzes. Die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner erwarten zu Recht gute Ausbildungsbedingungen, eine zeitgemäße Ausstattung und eine angemessene Unterbringung – dafür wollen wir unseren Teil beitragen“, heißt es von ihm in einer Mitteilung des Innenministeriums. Bedarfszuweisungen sind gesonderte Finanzmittel innerhalb des kommunalen Finanzausgleichs, die das Innenministerium auf Antrag besonders finanzschwachen Kommunen gewährt, um ihre Finanzkraft zu stärken.

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