Hamburg Warnstreik bei Hagenbeck geplant: Belegschaft fordert mehr Geld
Beim Tierpark Hagenbeck streikt die Belegschaft für bessere Arbeitsbedingungen. Mit Geschäftsführer Dirk Albrecht gibt es seit geraumer Zeit Streit.
Sie wollen eine bessere Bezahlung: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) veranstaltet mit den Angestellten von Hagenbecks Tierpark am Mittwoch einen zweistündigen Streik. Gerechnet wird damit, dass sich viele der rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab 10 Uhr auf dem Vorplatz des Zoos versammeln.
Konkret fordert die Gewerkschaft bessere Konditionen bei den Arbeitszeiten, Zuschlägen und Urlaubstagen. Außerdem sollen mehr Auszubildende übernommen, Sonderzahlungen erhöht und ein Fahrtkostenzuschuss eingeführt werden. Seit der Übergabe eines Tarifvertrags Ende April seien mehrere Aufforderungsschreiben zur Terminfindung seitens des Arbeitgebers unbeantwortet geblieben, heißt es von der IG Bau. „Deshalb wollen wird mit dem Warnstreik nun den Druck erhöhen“, sagte IG-BAU-Regionalleiter André Grundmann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.
Hagenbecks Geschäftsführer Dirk Albrecht macht indes deutlich, dass Verhandlungen mit der Gewerkschaft zunächst nicht angedacht sind und nennt juristische Unklarheiten als Grund. „Unsere Juristen prüfen im Moment, ob die Gewerkschaft überhaupt für uns zuständig ist und ob der Tierpark verpflichtet ist, auf die Forderungen der Gewerkschaft einzugehen und die Verhandlungen aufzunehmen“, sagte Albrecht am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. „Erst wenn das so ist, können wir über Inhalte reden“, sagte der 73-Jährige weiter. Der Tierpark werde in dem Zusammenhang ein Arbeitsgericht anrufen. „Das machen wir auf jeden Fall, weil ich Rechtssicherheit haben will.“
Sollte die Gewerkschaft zuständig sein, werde der Tierpark auch mit ihr verhandeln. Albrecht schränkte aber gleichzeitig ein, dass er aufgrund der steigenden Kosten und die Umsatzeinbußen durch Corona im Moment keine wirtschaftlichen Verbesserungen für den Tierpark sehe. „Die Mitarbeiterverträge, die wir im Moment haben, sind aus meiner Sicht qualitativ und auch wirtschaftlich sehr gut. Das sind keine Hungerleider-Verträge.“ So hätten die Mitarbeiter 30 Tage Urlaub, bekämen Zuschläge und könnten Plus- und Minusstunden auf einem Arbeitszeitkonto sammeln. Albrecht zufolge arbeiten im Tierpark derzeit etwa 160 Menschen in Voll- oder Teilzeit - von der Kasse über die Verwaltung bis zu den Tierpflegern.
Zwischen Teilen der Belegschaft und Geschäftsführer Dirk Albrecht schwelt seit längerer Zeit ein Streit. Mit einem „Hilferuf“ wendeten sich Mitarbeiter im März an die Öffentlichkeit. In dem offenen Brief wurde Albrecht ein „patriarchischer Führungsstil“ vorgeworfen. Seit seinem Amtsantritt sei der Umgang „unerträglich“ geworden. 40 Angestellte sollen wegen des Geschäftsführers bereits gekündigt haben. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft aktuell eine Strafanzeige gegen Albrecht.
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Der geplante Warnstreik könne mitten in der Ferienzeit durchaus zu Störungen im Zoo-Betrieb führen, so IG Bau. „Besucher sollten deshalb Geduld mitbringen und etwas mehr Zeit einplanen.“ Die notwendige Versorgung der Tiere werde nicht beeinträchtigt, bestätigten Gewerkschaft und Tierpark-Geschäftsführer Albrecht.
Mit Material der Deutschen-Presse-Agentur.