Bewohner in Emden verärgert  „Barenburg ist kein Problemstadtteil“

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 02.08.2022 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Berendine Bamminger lebt seit 37 Jahren in Barenburg und arbeitet ehrenamtlich bei der Mieterberatung im Ortsteil. Foto: Hanssen
Berendine Bamminger lebt seit 37 Jahren in Barenburg und arbeitet ehrenamtlich bei der Mieterberatung im Ortsteil. Foto: Hanssen
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Auf einen Artikel dieser Zeitung, in dem Barenburg als „Problemstadtteil“ bezeichnet wurde, kamen Rückmeldungen von Einwohnern. Sie sehen ihr Zuhause verunglimpft und bringen zahlreiche Argumente vor.

Emden - Seit 42 Jahren wohnt Theodor Nee im Emder Stadtteil Barenburg. „Vorher waren meine Frau und ich vier Jahre in Köln und sind heute noch dankbar für die Idee, wieder in die Heimat zurückzukehren und hier zu wohnen“, schreibt er gegenüber dieser Redaktion. Er ärgert sich darüber, dass in einem Artikel dieser Zeitung Barenburg vor kurzem als „Problemstadtteil“ bezeichnet wurde. „Freunde wohnen hier, Ärzte sind bekannt, eine gute Nachbarschaft, ein Krankenhaus haben wir auch noch und schöne Einfamilienhäuser oder Reihenhäuser gibt es auch“, schreibt er.

Was und warum

Darum geht es: die schönen Seiten des Emder Stadtteils Barenburg

Vor allem interessant für: Menschen, die in Barenburg leben oder den Stadtteil mal kennenlernen wollen

Deshalb berichten wir: Wir hatten in einem Bericht zur Weiterführung des Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ von Barenburg als „Problemstadtteil“ geschrieben. Das wollen Bewohnerinnen und Bewohner nicht auf sich sitzen lassen. Wir haben uns mit ihnen unterhalten.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Im Gespräch mit dieser Zeitung ergänzt er weiter: In den Jahrzehnten, die er und seine Frau in dem Ortsteil leben, sei „einmal eine Blume rausgerissen“ worden. Sonst sei nichts zu beanstanden gewesen. Er sieht die „Gefahr der Verallgemeinerung“. Barenburg hatte einst einen sehr schlechten Ruf - auch wegen einem der Hochhäuser, die im Volksmund als Glaspaläste bezeichnet werden. Das bestätigt im Gespräch Berendine Bamminger. „Dessen Zustand war sehr schlimm“, sagt sie. Sie arbeitet seit knapp 20 Jahren ehrenamtlich in der Mieterberatung im Stadtteil und lebt seit 37 Jahren „am Fuße“ des noch übrigen zweiten Glaspalastes. Der erste war 2013 abgerissen worden. Auf dem Gelände ist ein Park entstanden, auf dem Veranstaltungen durchgeführt werden - unter anderem das Sportprogramm „Barenburg bewegt“ jeden Donnerstag in diesem Monat ab 17 Uhr.

Tipp: Einfach mal durch Barenburg radeln

Berendine Bamminger hebt hervor: „Man kennt sich hier.“ Auf den Treppen zu den Wohnblocks sitzen gelegentlich Bewohner und tauschen sich mit Nachbarn aus. In ihrer Nachbarschaft gebe es jedes Jahr ein Straßenfest, sagt sie. Eine Einsamkeit wie in anderen Stadtteilen kenne sie hier nicht. „Hier achtet man aufeinander.“ Es gebe zwar auch in einigen Bereichen häufigere Mieterwechsel. Aber insbesondere in dem noch stehenden Glaspalast würden die meisten in Eigentumswohnungen leben. „Das kann sich kein Sozialhilfeempfänger leisten“, sagt sie.

Zahlreiche Wohnblocks finden sich zu beiden Seiten der Hermann-Allmers-Straße. Foto: Hanssen
Zahlreiche Wohnblocks finden sich zu beiden Seiten der Hermann-Allmers-Straße. Foto: Hanssen

Bei den Wohnungen, die von der Selbsthilfe bereit gestellt würden, sei ebenfalls „alles top in Ordnung“. Viele junge Menschen hätten mittlerweile Häuser in der Nachbarschaft gekauft. Hunderte Wohnungen wurden in Blocks saniert, ebenso viele Straßen und beispielsweise der Schnedermannplatz. Sie fühle sich sicher, wenn sie abends spazieren gehe. Sie und auch Theodor Nee wünschen sich, dass mehr Menschen Barenburg einmal für sich selbst erkunden. „Es fahren so viele mit dem Rad auf dem Treidelpadd an Barenburg vorbei, sie sollten auch mal durchfahren“, rät sie.

Müll ist ein Problem

Theodor Nee ärgert sich aber über das Müllproblem im Stadtteil. Das sei durch die gemeinsamen Container für Mietblock-Bewohner, die von der Stadt vor einigen Häusern aufgebaut wurden, verstärkt worden. „Das organisiert keiner“, sagt er. Bamminger spricht von regelrechtem „Müll-Tourismus“, also davon, dass Nicht-Bewohner ihren Müll karrenweise dort abladen.

Müll ist ein sichtbares Problem im Stadtteil. Foto: Hanssen
Müll ist ein sichtbares Problem im Stadtteil. Foto: Hanssen

Auch am Dienstag ist in Barenburg an einigen Stellen viel Müll auf den Straßen zu sehen. Die Vögel picken Gelbe Säcke auf, öffnen nicht ganz verschlossene Tonnen und Container. „Das ist hier alle zwei Wochen so“, sagt ein Anwohner in der Celosstraße. Die Mitarbeiter der Müllabfuhr, die am Morgen die Tonnen geleert hätten, hätten verständlicherweise keine Zeit, den Müll von der Straße, der über Nacht verteilt wurde, aufzusammeln. „Das fege ich dann auf und werde dafür auch noch komisch angeguckt“, sagt der Anwohner.

Viele Straßenzüge in Barenburg bestechen durch interessante Häuser. Foto: Hanssen
Viele Straßenzüge in Barenburg bestechen durch interessante Häuser. Foto: Hanssen

Im letzten Basisbericht der Sozialplanung der Stadt Emden vom August 2018 zeichnet sich klar ab, dass mittlerweile der stärkste soziale Brennpunkt der Seehafenstadt in der Wilhelm-Leuschner-Siedlung im Stadtteil Borssum zu finden ist. In Barenburg-Mitte sind laut Bericht beispielsweise 15 Prozent der Bewohner arbeitslos, in der Siedlung sind es knapp 21 Prozent. Fast 40 Prozent beziehen Sozialhilfe in Barenburg-Mitte, in der Siedlung sind es mehr als 50 Prozent.

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