Mit Trikottausch und Tränen  So erlebte Marek Janssen das DFB-Pokal-Spiel gegen Augsburg

| | 01.08.2022 18:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gegen den FC Augsburg lebte Ostfriese Marek Janssen (hier beim Kopfball) seiner Mannschaft den leidenschaftlichen Einsatz vor. Auch die Zuschauer in Lohne animierte er immer wieder nach positiven Aktionen. Foto: Imago
Gegen den FC Augsburg lebte Ostfriese Marek Janssen (hier beim Kopfball) seiner Mannschaft den leidenschaftlichen Einsatz vor. Auch die Zuschauer in Lohne animierte er immer wieder nach positiven Aktionen. Foto: Imago
Artikel teilen:

Der Traum ist wahr geworden: Ostfriese Marek Janssen durfte im DFB-Pokal gegen einen Bundesligisten spielen – sogar über 90 Minuten. Bereits vor der Partie wurde es emotional.

Lohne - Als „sehr emotional“ bezeichnet Marek Janssen den vergangenen Sonntag. „Mehrfach hatte ich Tränen in den Augen. Den Tag werde ich nie vergessen.“ Es war der Tag, an dem sein Traum, einmal im DFB-Pokal zu spielen, in Erfüllung ging. Über die vollen 90 Minuten durfte der 25-jährige Rheiderländer gegen den Fußball-Bundesligisten FC Augsburg ran. Vor mehr als 4000 Zuschauern. In der ersten Halbzeit hielt der krasse Außenseiter BW Lohne die Null, verlor am Ende aber mit 0:4. Die Pokal-Sensation wurde also verpasst. „Klar hätten wir gerne gewonnen, die Überraschung wäre mit etwas Spielglück vielleicht sogar möglich gewesen“, sagt der Ostfriese. „Dennoch sind wir stolz auf unsere Leistung.“

Ähnliche Artikel

Nicht nur an die 90 Spielminuten wird sich Marek Janssen gerne zurückerinnern – besonders auch an die Momente vor der Partie. „Die Kabinenansprache von unserem Trainer Henning Rießelmann hat uns einfach gepackt“, schildert Janssen. Ein Video der Ansprache, das von Lohnes Pressesprecher Hardy Kloßek aufgenommen und dem Sender Sky zur Verfügung gestellt worden war, wurde schon zehntausendfach angesehen. Auf der Plattform Tiktok hat das Video mehr als 20.000 „Gefällt-mir“-Angaben und wurde fast 200-mal geteilt. Im Nachgang der Ansprache wurde es in der Kabine von Blau-Weiß noch emotionaler, wie Marek Janssen verriet. „Auf einem Fernseher wurden Videobotschaften gezeigt.“ Dabei kamen Familienangehörige, Freunde und alte Weggefährten der Spieler zu Wort. „Mich hat Bastian Fuhrken, der Sportliche Leiter meines Ex-Klubs Atlas Delmenhorst, direkt angesprochen. Spätestens als die Frau und Tochter unseres Torwarts zu sehen war, hatte ich Tränen in den Augen.“ Auch einstige Fußball-Größen wie Nelson Valdez (Werder Bremen) und Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund) und der Trainer des Zweitligisten FC St. Pauli, Ostfriese Timo Schultz, richteten Motivationsworte an die Lohner Spieler. „Dann sehen wir uns in der 2. Runde in Hamburg“, hatte der gebürtige Esenser gesagt. Daraus wird nun nichts, Lohne schied bekanntlich aus.

Einzel-Statistik vom Verband

Nach dem Aufwärmen erfolgte für Marek Janssen während des Einlaufens im Stadion der nächste emotionale Moment. „Da wusste ich endgültig: Ich spiele tatsächlich im DFB-Pokal.“ Als es beim Halbzeitpfiff noch 0:0 stand, gab es Standing Ovations vom Publikum. „Es war der nächste Gänsehaut-Moment“, sagt Marek Janssen, der sich nach der Partie noch ein spezielles Erinnerungsstück sichern konnte: das Trikot von Daniel Caligiuri. Der 35-Jährige ist Augsburgs erfahrenster Spieler, hat mehr als 350 Bundesliga-Spiele und mehrere Partien in der Champions und Europa League auf dem Buckel. „Das Caligiuri-Trikot habe ich schon gewaschen und werde ich sicherlich ab und zu anziehen – vielleicht zum Uni-Sport“, sagt der Lehramtsstudent für Sport und Wirtschaft.

Am Sonntagabend erhielt Janssen noch eine Art statistisches Zeugnis vom Deutschen-Fußball-Verband (DFB) zugesandt. So kam der Ostfriese im Augsburg-Spiel auf 36 Ballbesitzphasen, eine Passquote von 77 Prozent, allerdings keinen Torschuss. Von den 21 Zweikämpfen gewann er immerhin neun. All das geht aus dem sogenannten „Matchreport“ hervor.

Frohe Kunde während des Kickers-Spiels

Wegen einer frisch auskurierten Oberschenkel-Zerrung hatte Janssens Einsatz im DFB-Pokal auf der Kippe gestanden. Die frohe Kunde, dass sich Trainer Rießelmann für den Rheiderländer entschieden hat, erhielt dieser am Samstagnachmittag via Whatsapp. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir gerade den Livestream vom Spiel von Kickers Emden gegen Weiche Flensburg angeschaut“, verrät Marek Janssen, der auf die beiden genannten Vereine in der Regionalliga Nord noch treffen wird.

Wegen des DFB-Pokalspiels startet BW Lohne erst am Sonntag in die Regionalliga-Spielzeit. Dann wird der 1. FC Phönix Lübeck zu Gast sein. „Da rechnen wir uns deutlich mehr aus als gegen Augsburg“, sagt Janssen. „Wir streben einen Sieg an.“ Wie Kickers Emden gibt Mitaufsteiger BW Lohne den Klassenerhalt als oberstes Saisonziel an. In der ein oder anderen Partie könnte Marek Janssen die Lohner sogar mal mit der Kapitänsbinde auf den Platz führen. In mehreren Testspielen hatte der Neuzugang schon die Binde getragen. „Wir haben keinen festen Kapitän, hier wechseln sich vier, fünf Spieler ab“, sagt der Ostfriese, der an sich selbst hohe Erwartungen hegt: „Ich möchte vorangehen.“ Gegen Augsburg hat das Vorangehen geklappt. Nur ein eigenes Tor und die Pokal-Sensation hat nicht sollen sein.