Osnabrück  Fleischkonsum: Arte macht Menschen zum Schlachtvieh von Aliens

Marie-Luise Braun
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Von Marie-Luise Braun
| 01.08.2022 16:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schweinehälften im Schlachtbetrieb: Eine Arte-Reihe ergründet unseren Fleischkonsum. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Schweinehälften im Schlachtbetrieb: Eine Arte-Reihe ergründet unseren Fleischkonsum. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
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Eine neue Arte-Reihe befasst sich mit unserem Fleischkonsum. Das Format „Wen dürfen wir essen?“ wagt ein kühnes Gedankenspiel: der Mensch als Lieferant von Fleisch und Muttermilch.

„Warum isst du Fleisch?“: Es war die Frage seines sechsjährigen Sohnes bei einem Grillabend, die Jakob Schmidt dazu brachte, nach Antworten zu suchen. Denn spontan fiel dem Dokumentar- und Spielfilmregisseur nicht viel dazu ein. Und mit Ausreden wollte er seinen Sohn nicht abspeisen. Gemeinsam mit dem Drehbuchautor und Produzenten Jannis Funk hat er sich auf die Suche nach Antworten begeben. Das, was sie gefunden haben, regt zum Nachdenken an.

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„Wir glauben immer, dass Vegetarier und Veganer einer Ideologie anhängen. Aber der einzige Grund dafür, dass wir Schweine essen und Hunde nicht, ist die, dass auch wir einer Ideologie anhängen“, sagt beispielsweise die Sozialpsychologin Melanie Joy in der zweiten Folge. Darin gehen Schmidt und Funk den kulturellen und psychologischen Wurzeln des Fleischkonsums auf den Grund.

Die Folge beginnt mit einem ungewöhnlichen Gedankenspiel: Jakob Schmidt und Jannis Funk malen sich aus, wie wir Menschen von Außerirdischen „gehalten“ werden könnten, wie sie Eltern ihre Kinder wegnehmen, die Frauen melken, Menschen in viel zu enge Räume pferchen, um sie schließlich zu schlachten. Und alles nur, weil sie sich für intelligenter halten und Menschen einfach lecker finden.

83 Prozent der Deutschen lehnen die moderne Tierhaltung laut der Reihe ab. Zugleich essen neun von zehn Deutschen Fleisch. Wie aber kann es sein, dass wir selbst zu einer Welt beitragen, die wir eigentlich ablehnen? Die wenigsten Betriebe halten Tiere artgerecht.

In der Dokumentation wird unser Verhalten mit zwei Brillen erklärt, die wir abwechselnd aufhaben. Mit der einen sehen wir das Fleisch, mit der anderen die Lebewesen, die dafür sterben müssen. „Wie wird sich die Welt verändern, wenn wir die zweite Brille öfter tragen?“, ist eine Frage, die der Film stellt und zu beantworten versucht.

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Und hier wird nicht nur die Philosophie als Begründung herangezogen, sondern auch der Klimaschutz. Denn laut der NASA-Klimaforscherin Cynthia Rosenzweig können wir mit unserem Fleischkonsum nicht so weitermachen wie bisher: Unser Planet bietet dafür nicht ausreichend Ressourcen. Tierhaltung und Fleischkonsum seien Verschwendung, legt der Beitrag dar. Eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung verbraucht wesentlich weniger Fläche. Auch auf die Forschung zu Fleischalternativen geht die Reihe ein, die am Ende aufzeigt, wie eine Veränderung des Fleischkonsums gelingen kann.

Sendetermin: „Wen dürfen wir essen?“ Fünf Folgen ab Montag, 1. August 2022, täglich um 19.40 Uhr auf Arte. 

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