Energiemanagement im Haus Wie uns steigende Gaspreise fast kaltlassen
Dr. Holger Glaus erläutert, wie man sein Haus energetisch so ertüchtigen kann, dass man Heizkosten spart. Auch kleine Aktionen bringen etwas.
Aurich - Die Preise für Lebensmittel steigen, die für Strom und Gas auch, und damit wächst die Angst der Ostfriesen, im Winter schlotternd in der guten Stube zu sitzen, mit gedrosseltem oder ganz abgestelltem Gashahn. In diesen Zeiten erscheint es noch wichtiger als früher, das eigene Haus so zu präparieren, dass Energie nicht sinnlos verpulvert wird – sondern eingespart. Wie das funktionieren kann, hat die Redaktion im Gespräch mit Dr. Holger Glaus, einem Energieberater für die Verbraucherzentrale in Aurich, in Erfahrung gebracht.
Was und warum
Darum geht es: Was kann ein Eigenheimbesitzer machen, um sein Gebäude energetisch zu ertüchtigen?
Vor allem interessant für: Ostfriesen, die Angst vor weiter steigenden Gaspreisen haben.
Deshalb berichten wir: Weil sich die Redakteurin gefragt hat, wie sie ihr Haus energetisch fit machen kann, um für den Winter gerüstet zu sein. Ursprünglich wollte Dr. Holger Glaus sich deren Zuhause auch anschauen. Das war dann aus privaten Gründen kurzfristig nicht möglich. Über die Verbraucherzentrale können aber Termin bei Dr. Glaus gebucht werden. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Nach seiner Einschätzung lassen sich etwa für ein Haus aus den frühen 70er Jahren bis zu 70 Prozent der Energie einsparen, wenn man es optimal dämmt und eine moderne Anlagentechnik mit Solarthermie und einer guten Lüftungsanlage installiert. Dann hätte man ein Energieeffizienzhaus geschaffen, das nur noch einen Verbrauch von ungefähr 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr hat. „Der Königsweg zur Verbesserung der energetischen Situation für ein Gebäude ist die Wärmedämmung. Die rangiert noch vor der Anlagentechnik.“ Das liege daran, dass es einen direkten Zusammenhang gebe zwischen der Qualität der Dämmung und der Heiztechnik. Ein optimal gedämmtes Haus, also ein so genanntes Passivhaus, benötigt so gut wie keine Heizung für die Wärmeerzeugung. In jedem Fall führten Dämm-Maßnahmen zu einer Verringerung der benötigten Heizleistung. Dadurch ist es um so eher möglich, das Gebäude mit einer Wärmepumpe wirtschaftlich zu versorgen. Was dann natürlich noch anfalle, sei die Warmwassererzeugung. Doch auch hier könne man durch eine Solaranlage auf dem Dach sparen. Diese sorge dafür, dass mindestens von Frühling bis Herbst die Warmwasserversorgung abgenommen wird.
Wärmedämmung
Bei Häusern mit einer zweischaligen Fassadenkonstruktion ist eine Einblasdämmung laut Holger Glaus eine kostengünstige Lösung. Das funktioniert, wenn die Luftschicht zwischen der inneren und der äußeren Schale mindestens vier Zentimeter beträgt“, sagt der Experte. Als Dämmmaterial würden in der Regel kleine Kügelchen aus Polystyrol genutzt. Denkbar sei auch die Verwendung von Mineralwolleflocken. Kostenpunkt für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von rund 120 Quadratmetern: um 3000 Euro.
Immer wieder werde er gefragt, sagt Holger Glaus, ob die Verfüllung der Luftschicht nicht problematisch sein könnte, schließlich diene die als eine Art Witterungsschutz. Diese Bedenken könne er relativ schnell zerstreuen. Es sei mitnichten so, dass durch die Dämmung das Schimmelrisiko erhöht werde. Die Dämmstoffe, die eingesetzt würden, ließen keine Nässe von außen durch. Sie wirkten wie eine Art Kiesschicht. Der Fachmann spreche von einer Kapillarbrechung. Luftfeuchtigkeit kann aber im Winter durch die Dämmung nach außen gelangen. Holger Glaus sagt, dass er immer wieder mit verhaltener Skepsis gegenüber der Einblasdämmung konfrontiert wird. Die sei in der Regel unangebracht, wenn man sich auf Anbieter aus der Region verlasse. die bauaufsichtlich zugelassene Einblasdämmstoffe einsetzen und den Zustand der Fassade und der Luftschicht zuvor prüfen. Bedenken müsse man bei fahrenden Händlern haben: „Dabei habe ich schon erlebt, dass ein Material eingeblasen wurde, das an Katzenstreu erinnerte und nach Anfeuchten zerfiel.“
Wärmebrücken
Holger Glaus empfiehlt bei der Dämmung auch, die Heizkörpernischen zu dämmen, zum Beispiel mit Porenbeton. Sonst blieben Wärmebrücken bestehen. Porenbeton sei das von ihm favorisierte Material, man könne aber auch Mineralwolle oder Styropor verwenden.
Fenster
Der Einbau neuer Fenster sorgt ebenfalls dafür, dass Wärme nicht entweicht. Holger Glaus empfiehlt Einblasdämmung und Austausch der Fenster möglichst in einem Paket vor der nächsten Heizperiode in Angriff zu nehmen. Wenn nur eine Maßnahme durchgeführt werde, bestehe die Gefahr, dass rund um die Fenster viele kalte Flächen übrig bleiben, etwa die Leibungen der Fenster. „Dort kann es leicht anfangen zu schimmeln. Das passiert dort, wo nur die Fenster ausgetauscht und die Wände nicht gedämmt wurden“, sagte der Energieberater. Denn im Winter komme der Effekt zustande, dass die neuen Fenster dichter hielten und auf der Innenseite wärmer seien als die alten. Die Gefahr sei groß, dass sich an Außenwänden, zum Beispiel Außenwand-Ecken, Schimmel bilde. Geschätzter Kostenpunkt für den Austausch der Fenster im Schnitt: 20.000 Euro, je nach Umfang der Maßnahme.
Das Dach
Der finanziell betrachtet größte Batzen bei der energetischen Ertüchtigung eines Gebäudes ist das Dach. Eine Dämmung der Schrägen im Dachboden hält der Experte nur dann für sinnvoll, wenn der Dachboden auch beheizt wird. Ansonsten ist es ratsamer, die oberste Geschossebene stärker zu dämmen.
Lüften
Sparen kann man auch durch die Anschaffung eines Thermohygrometers. Dieses habe zwei Messfühler, einen für die Raumtemperatur und einen weiteren für die Luftfeuchtigkeit. Ein solches Hilfsmittel könne man für einen Preis zwischen zehn und 30 Euro im Baumarkt erwerben. Die Modelle seien mit Zusatzfunktionen ausgestattet. Es gebe beispielsweise Hygrometer, die bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent ein Alarmsignal auslösten. „Es macht Sinn, so etwas im Haus zu haben, und zwar im Badezimmer, in der Küche und im Schlafzimmer. In solchen Räumen, in denen viel Feuchtigkeit entstehe, kann es schnell zu Schimmelbildung kommen. Mit einem solchen Gerät sieht man sofort, wann es kritisch wird.“ Das sei ab 60 Prozent Luftfeuchtigkeit der Fall. Beim Lüften sollte man auf jeden Fall die Heizung abdrehen und die Fenster zum Stoßlüften möglichst ganz öffnen. Wenn das Gerät anzeige, dass die Luftfeuchtigkeit auf 50 Prozent gesunken sei, könne man das Fenster wieder schließen und die Heizung aufdrehen. Indem der Raum aber nur kurzzeitig gelüftet ist mit weit offenen Fenstern, entweicht die Feuchtigkeit schneller als bei auf Kipp stehenden Fenstern, die man länger offen lässt – auf die Weise kühlt der Raum weniger aus und man spart Energie.
Spartipps zum Selbermachen
Holger Glaus empfiehlt, den Kellerabstieg im Haus zu dämmen. Der bestehe oft bei älteren Gebäuden nur aus einer dünnen Holzschicht der Seitenwände und der Treppenstufen. Dort könne man von innen Styroporplatten ankleben. „Das kann man in Eigenarbeit machen, dafür benötigt man nicht unbedingt einen Fachmann.“ Außerdem könne man den Keller-Türrahmen isolieren. So dringe nicht so viel Kälte von unten durch die Ritzen. Das Gleiche könne man mit der Dachbodenluke machen, die auch oft nur aus einer dünnen Schicht Sperrholz bestehe: „Dadurch hat man einiges gewonnen, ohne viel Geld auszugeben“, ist sich Holger Glaus sicher. Ein Warnhinweis: Bei dem Dichtungsmaterial sollte man darauf achten, dass es nicht zu üppig ist, sonst kann man die Dachbodenluke nicht mehr schließen. Holger Glaus geht davon aus, dass für das komplette energetische Ertüchtigungspaket (Fußboden, Wände, Fenster, Dach, Heizung) im Schnitt 150.000 Euro fällig werden können. 20 Prozent davon lassen sich staatlich in Form von Zuschüssen fördern.