London  Spielerinnen im Direktvergleich: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Deutschland und England

Frank Hellmann
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Von Frank Hellmann
| 30.07.2022 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alexandra Popp und Co. müssen am Sonntag eine letzte Hürde nehmen: England. Foto: imago images/Sports Press Photo/Beautiful Sports
Alexandra Popp und Co. müssen am Sonntag eine letzte Hürde nehmen: England. Foto: imago images/Sports Press Photo/Beautiful Sports
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Wenn Deutschland und England am Sonntag in Wembley um den EM-Titel spielen, spricht viel für das englische Heimteam. Doch auch die deutsche Elf muss sich keineswegs verstecken. Die Mannschaften im Direktvergleich.

Mit der Power von Kapitänin Alexandra Popp wollen die deutschen Fußballerinnen bei der EM nun auch Wembley und noch mehr Sympathien in der Heimat erobern. Doch mit England steht der DFB-Elf am Sonntag (18.00 Uhr/ARD und DAZN) der wohl stärkste Gegner des bisherigen Turniers gegenüber. Im Direktvergleich der Spielerinnen gibt es einen vermeintlich klaren Sieger. Doch vor 90.000 Zuschauern in Wembley ist alles möglich. Die Teams im Kopf-an-Kopf-Check:

Merle Frohms (VfL Wolfsburg) – Mary Earps (Manchester United)

Interessante Schnittmenge: Beide waren Ersatztorhüterinnen beim VfL Wolfsburg. Die eine (Frohms) mehrere Spielzeiten zu Beginn der Karriere, die andere (Earps) eine Saison 2018/2019. Dabei fiel die Engländerin nicht als Ausbund von Tüchtigkeit auf. Sie aber sagt: „Ich habe gelernt, anderer Meinung zu sein und Nein zu sagen.“ Sie hat bei dieser EM keinen Fehler gemacht. Aber Frohms ist schneller geschmeidiger, athletischer. Und auf der Linie einen kleinen Tick besser.

1:0 für Deutschland

Giulia Gwinn (FC Bayern) – Lucy Bronze (FC Barcelona)

Zwei der besten Rechtsverteidigerinnen der Welt. Gwinn ist seit ihrem Kreuzbandriss deutlich stabiler geworden. Leistungsträgerin beim DFB-Team. Aber Bronze setzt weltweit Maßstäbe. Ihre Auftritte strotzen vor Selbstbewusstsein. Verliert kaum einen Ball. Extrem dynamisch im Vorwärtsgang. Übt extremen Einfluss aus. Nicht umsonst Weltfußballerin 2020.

Stand 1:1

Kathrin Hendrich (VfL Wolfsburg) – Leah Williamson (Arsenal FC)

Hendrich spielt als Innenverteidigern ein solides Turnier. Wenig Ausschläge nach oben und unten. Aber kann sie Stürmerinnen wie Ellen White oder Alessia Russo halten? Williamson ist nicht umsonst die Kapitänin der Lionesses. Ihr Aufbauspiel ist eine Augenweide, außerdem hat sie an Ausstrahlung gewonnen.

Stand 1:2

Marina Hegering (VfL Wolfsburg) – Millie Bright (Chelsea FC)

Die beiden Abwehrchefinnen haben eine bärenstarke EM hingelegt. Immer auf der Höhe. Am Boden und in der Luft. Von beiden hatte man das nicht erwartet. Fürs englische Gefüge spielt die breitschultrige Bright dank ihrer Aura noch eine wichtigere Rolle als die erstarkte Hegering fürs deutsche Ensemble. Die hätte gegen Frankreich fast ein Gegentor verschuldet.

Stand 1:3

Felicitas Rauch (VfL Wolfsburg) – Rachel Daly (Houston Dash)

Beide Linksverteidigerinnen sind die unauffälligsten Figuren der Viererkette – aber deswegen keine Schwachpunkte. Rauch schlägt gute Standards, setzte gegen Finnland einmal wegen Gelb-Sperre aus, war gegen Frankreich voll da. Weil Daly zwar eine gute Passquote hat, aber fast nur Sicherheitspässe spielt, gibt es einen Mini-Vorteil für Deutschland.   Stand: 2:3

Lena Oberdorf (VfL Wolfsburg) – Keira Walsh (Manchester City)

Die Abräumerinnen vor der Abwehr. Mit Verlaub: Was Oberdorf bei dieser EM anbietet, ist uneingeschränkte Weltklasse. Wuchtig, willensstark, widerstandsfähig. Grätscht wie Sergio Ramos. Solch eine Präsenz kann Walsh nicht in die Waagschale werfen. Sie hat mit 25 noch einiges vor, aber Oberdorf ist erst 20. Wird oft vergessen. Klarer Vorteil Deutschland.

Stand 3:3

Lina Magull (FC Bayern) – Georgia Stanway (FC Bayern)

Beide spielen nächste Saison beim FC Bayern. Magull ist technisch stärker, hat zweimal die 1:0-Führung geschossen, aber Stanway ist eine Dampfmacherin mit großem Herz und Talent. Ihr wuchtiger Schuss zum 2:1 gegen Spanien hat ganz England glücklich gemacht. Bei Magull schwinden mit fortschreitender Spieldauer wegen ihrer Muskelprobleme die Kräfte.

Stand 3:4

Sara Däbritz (Olympique Lyon) – Fran Kirby (Chelsea FC)

Beide arbeiten auf bemerkenswerte Art und Weise im Mittelfeld fürs Team. Aus Dirigentinnen sind Dienerinnen geworden. Beide habe vielseitige Qualitäten, können Kampf und Kunst kombinieren. Kirby hat mehr Zug zum Tor. Kann den Ausschlag geben.

Stand 3:5

Svenja Huth (VfL Wolfsburg) – Beth Mead (Arsenal FC)

Noch so ein Vergleich auf allerhöchsten Level. Hier die umtriebige Deutsche, der kein Weg zu weit ist – und die im Halbfinale zweimal zu Popps Volltreffern servierte. Aber was bitte spielt die quirlige Engländerin für ein Turnier? Entwischt über Außen fast allen Gegenspielerinnen und schießt mal eben so sechs EM-Tore.

Stand 3:6

Alexandra Popp (VfL Wolfsburg)– Ellen White (Manchester City)

Ungefähr ein Stürmertyp und jenseits der 30. Beide haben unschätzbare Verdienste für ihr Nationalteam, aber den besseren Lauf hat die Deutsche. Sechs EM-Tore sind sagenhaft. Eigentlich hätte man sie an den Kreidefelsen von Dover projizieren müssen.

Stand 4:6

Jule Brand (VfL Wolfsburg) – Lauren Hemp (Manchester City)

Brand, mit 19 das Küken im deutschen Kader, rutscht durch die Covid-Infektion von Klara Bühl in die Startelf. Sie hat es gegen Frankreich ja ganz gut gemacht, aber an die Qualitäten von Hemp kommt sie (noch) nicht heran. Die Britin ist an guten Tagen fast genauso gut wie Mead – und daher die Bessere.

Stand 4:7

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