Gastronomie in Esens Kinder unter zehn Jahren müssen beim Café draußen bleiben
In der „Kaffeebeere“ in Esens sind Kinder unter zehn Jahren im Gastraum nicht mehr geduldet. Schuld tragen ignorante Eltern. Nicht der erste Fall in Ostfriesland.
Esens - Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Nach einem weiteren Vorfall, bei dem ein Kind „mehrere gefährliche Situationen provoziert“ hatte – wie es in einem Facebook-Beitrag der „Kaffeebeere“ nachzulesen ist – ziehen die Betreiber des Cafés am Esenser Marktplatz einen vorläufigen Schlussstrich. „Kinder unter zehn Jahren haben bei uns keinen Zutritt mehr in den Innenraum des Cafés“, bestätigt uns Elena Helwig, die gemeinsam mit ihrem Mann Martin den gastronomischen Betrieb führt. „Wir haben nichts gegen Kinder, wir mögen sie sehr“, beteuert die Kaffeehausbetreiberin. „Aber wir haben keine Lust mehr, auf uns herumtrampeln zu lassen.“
Was und warum
Darum geht es: Die „Kaffeebeere“ in Esens verbannt Kinder unter zehn Jahren aus ihrem Gastraum. Das ist nicht der erste Fall in der ostfriesischen Gastronomie.
Vor allem interessant für: Familien und Gastronomen
Deshalb berichten wir: Uns hat interessiert, was der Grund ist und welcher Konflikt hinter der Sache steckt. Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de
Die Schuldigen seien dabei nicht die Kinder. Vielmehr seien es Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmerten oder ihnen alles durchgehen ließen. „Als wir vor fünf Jahren unser Café eröffnet haben, hatten wir das nicht auf der Rechnung. Und es wird immer schlimmer“, sagt Helwig. Es sei eine unschöne gesellschaftliche Entwicklung, dass Eltern ihre Kinder zunehmend sich selbst überließen. Im konkreten Fall habe die Mutter die ganze Zeit nur auf ihrem Smartphone rum getippt. Als der Vater auf das Verhalten der Kinder angesprochen wurde, habe er nur gelangweilt gesagt: „Es ist ja nichts passiert.“
Kontroverse Diskussion
„Wir sind gerne Gastgeber, auch für Familien“, betont Helwig. „Aber auch für Gäste gilt, dass sie wissen sollten, wie man sich bei Fremden benimmt.“ Nur weil für den Kaffee gezahlt werde, bedeute dies nicht, dass dies ein Freifahrtschein für schlechtes Benehmen sei. „Es ist nicht Aufgabe der Service-Kräfte in der Gastronomie, die Erziehung der Kinder zu übernehmen, und dann noch von Eltern angeblafft zu werden.“ Auch davor müsse sie als Gastronomin ihr Personal schützen. Leid tue es ihr, für diejenigen Eltern, die sich vorbildlich verhielten und nun die Leidtragenden des Fehlverhaltens einiger wären. Doch bei täglich vier bis fünf Vorfällen dieser Art habe das Gastronomen-Paar keine Alternative gesehen.
Auf Facebook wird die Entscheidung der Kaffeehausbetreiber kontrovers, aber durchaus gesittet kommentiert. Neben Zuspruch für die Gastronomen, gibt es auch Unverständnis für die Entscheidung, wegen des Fehlverhaltens einiger Eltern alle anderen auszuschließen. Häufig wird dabei auf das Hausrecht verwiesen. „Jeden Tag fünf Leuten Hausverbot zu erteilen, mit den damit verbundenen Diskussionen und Anfeindungen, kann nicht die Lösung sein“, sagt Helwig dazu. „Wir sind offen für andere Lösungen, wenn uns jemand einen Königsweg zeigen kann.“
Nicht der erste Fall in Ostfriesland
Ein regelrechter Shitstorm fegte im Frühjahr des Jahres über Gerald Hausmann hinweg, als er entschieden hatte, keine Kinder unter zwölf Jahren mehr in seinem Restaurant „Bunte Kuh“ auf Langeoog zu bewirten. Allerdings erfuhr auch er viel Zuspruch. Die Rote Karte für Familien mit kleinen Kindern ist Hausmann zufolge aber eine rein konzeptionelle Entscheidung. Im dazugehörenden „Suiten-Hotel Mare“, das nicht auf Eltern mit Kindern eingestellt ist, sei es eng. Kinderwagen hätten immer wieder Fluchtwege versperrt, das Geschrei der Kinder habe andere Gäste gestört. Im Restaurant, das überwiegend von Hotelgästen besucht werde, werde das Essen zum Teil auf einem heißen Stein oder über offener Flamme am Tisch gegart. „Das Schlimmste wäre, wenn sich so ein Zwerg verbrennt“, sagte der Gastronom im Mai im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Ausgrenzung wollte der Gastronom, der auf der Insel mehrere Gastronomiebetriebe führt, seine Entscheidung nicht verstehen. Vielmehr spezialisiere er sich in seinen Betrieben auf verschiedene Zielgruppen.
Dass sich Eltern nicht kümmern oder glauben, sie müssten den Kindern immer ihren Willen lassen, sieht auch Erich Wagner, Vorsitzender des Bezirksverbandes Ostfriesland des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), als ein Problem, mit dem Gastronomen zunehmend zu kämpfen hätten. Kinder zu verbannen, ist für ihn allerdings nicht die Lösung. „Unser Ziel ist immer, alle Gäste zufriedenzustellen. Und was gibt es Schöneres, als wenn viele Generationen gemeinsam an einem Tisch sitzen.“ Im Interesse aller Gäste sei es aber auch, dass sich Eltern verantwortlich für das Verhalten ihrer Kinder fühlten. Es könne nicht sein, wenn Kinder vom Personal auf ihr Fehlverhalten hingewiesen würden, sich die Eltern auch noch beschwerten, dass die Service-Kräfte sich in ihre Erziehung einmischten.
Aus eigener Erfahrung weiß Wagner, dass die Zeit zwischen der Bestellung und dem Servieren des Essens die schwierigste ist. Er empfiehlt Gastronomen, für Fälle, in denen Kinder unruhig würden, kleine Boxen mit verschiedenen Spielzeugen oder Sachen zum Naschen bereitzuhalten. „Wenn die Kinder darin herumwühlen, sind sie erstmal beschäftigt.“ Allerdings sollten vorher die Eltern gefragt werden, ob dies auch in Ordnung sei.