Halle/Westfalen  Sting trifft in ausverkaufter OWL-Arena mit Evergreens den Nerv der Zeit

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 29.07.2022 13:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Popkultur kennt nur wenige Weltstars, deren musikalischer Erfolg seit mehr als vier Jahrzehnten andauert. Zu diesen Ausnahmeerscheinungen mit gleichbleibender Popularität zählt die Musiklegende Sting Foto: Andre Havergo
Die Popkultur kennt nur wenige Weltstars, deren musikalischer Erfolg seit mehr als vier Jahrzehnten andauert. Zu diesen Ausnahmeerscheinungen mit gleichbleibender Popularität zählt die Musiklegende Sting Foto: Andre Havergo
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Alle guten Dinge sind drei: Nach zwei pandemiebedingt verschobenen Terminen erschien die britische Songwriter-Legende Sting im Rahmen seiner „My Songs“-Welttournee endlich auf der Bühne der ausverkauften OWL-Arena im westfälischen Halle.

Im kanariengelben Jackett legte er gleich energisch los mit „Message In The Bottle“, einem der insgesamt sieben Hits seiner ehemaligen Band The Police, die Sting an diesem Abend präsentierte – nicht als Oldie-Show, sondern in frischen, teils mit neuer Instrumentierung rearrangierten Versionen, die beim Publikum durchweg gut ankamen. Das galt auch für die alten und neuen Solo-Stücke des vielseitigen Sängers, der im vergangenen Jahr 70 Jahre alt geworden ist, aber drahtig und voller Elan die Bühne und die Herzen seiner Zuhörer erobert wie eh und je.

Begleitet wird er dabei von einer formidablen fünfköpfigen Band, zusammengesetzt aus Kevon Webster an den Keyboards, Shane Sager an der Mundharmonika, dem neuen Schlagzeuger John Freese und Stings langjährigem Weggefährten Dominic Miller, der gemeinsam mit dessen Sohn Rufus für die Gitarrenarbeit sorgt, während der Chef selbst vornehmlich Bass spielt. Viel Anlaufzeit braucht auch das selbst in die Jahre gekommene Publikum nicht. Beim im Reggae-Rhythmus wippenden „Englishman in New York“ wird aus rund 8000 Kehlen kräftig mitgesungen – nicht nur der ohrwurmträchtige Refrain, sondern auch der finale Appell an Authentizität: „Be yourself, no matter what they say.“

Partystimmung herrscht auch noch beim treibenden „Every Little Thing She Does Is Magic“, bevor Sting sich auf den Barhocker begibt, um „If It‘s Love“ von seinem neuen Album „The Bridge“ zu pfeifen, das er während des ersten Corona-Sommers 2020 auf seinem toskanischen Weingut komponiert hat. Auch „Rushing Water“ stammt daraus, eine eingängige Rock-Nummer, die er nahtlos in die beiden frenetisch gefeierten Solo-Hymnen „If I Ever Lose My Faith In You“ und „Fields Of Gold“ überfließen lässt. Sager tritt mit Bravour in die Fußstapfen von Stevie Wonder, als er dessen Mundharmonika-Intro zu „Brand New Day“ spielt. Als es im Text dann „Stand Up“ heißt, lässt sich das euphorisierte Publikum nicht zweimal bitten.

Auch die beiden Background-Vokalisten bekommen ihre Solo-Auftritte: Gene Noble beim ruhigen „Shape Of My Heart“ als Stings Sparringspartner und Melissa Musique beim Blues-lastigen „Heavy Cloud No Rain“. Das Echo aus den Rängen zu „Walking On The Moon“ ist kaum verhallt, als der Achtzigerjahre-Party-Kracher „So Lonely“ mit seinen einzigartigen Tempowechseln und Ausrastmomenten die Fans wieder von den Sitzen reißt. Wiederum ohne Umschweife lässt Sting dann virtuos die orientalisch angehauchte „Desert Rose“ erblühen, bevor er noch dreimal The Police wiederauferstehen lässt.

Für „King Of Pain“ und das unwiderstehliche, in Endlosschleife mitgesungene „Every Breathe You Take“ betritt Stings 45-jähriger Sohn Joe Sumner noch einmal mit silbernen Glitzerschuhen die Bühne, nachdem er mit einem akustischen Singer/Songwriter-Set bereits das Vorprogramm hatte bestreiten dürfen. Ausgedehnt und spielfreudig gerät die kraftvolle Zugabe „Roxanne“, ein einfühlsamer Song über eine Sexarbeiterin (ja, so etwas gibt es wirklich, liebe „Layla“-Fans). Gefolgt von „Fragile“, einer anrührenden Ballade über Zerbrechlichkeit, die zwar bereits 35 Jahre alt ist, aber nichtsdestotrotz vortrefflich die aktuelle Weltlage beschreibt – und einen Abend abrundet, der mit einem sogar noch älteren Hilferuf an die Welt begonnen hat. Gültiger denn je.

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