Abgeschnitten vom Netz Auch Groß-Vermieter beißt bei Vodafone auf Granit
Seit Wochen sind Haushalte in der Auricher Wiesenstraße ohne TV- und Internetempfang. Vodafone reagiert auf Anfragen nicht. Der Landkreis stellt etwas klar.
Aurich - Rund 40 Haushalte in der Auricher Wiesenstraße müssen sich in Geduld üben − und in Nachbarschaftshilfe: Die TV- und Internetempfangsstörung bei Vodafone-Kunden geht in die vierte Woche. Seit 21 Tagen können Dutzende Familien weder fernsehen noch telefonieren, wenn sie die Verbindung über Kabel Deutschland/Vodafone herstellen wollen. Diese gehört standardmäßig zum Mietangebot des Vermieters, der LEG-Immobilien-Gruppe in Düsseldorf. Alle Wohnungen seien mit einem Kabelanschluss ausgestattet, um die Dienstleitungen über Vodafone zu beziehen, sagte LEG-Pressesprecher Nils Roschin. Sein Unternehmen sei umgehend tätig geworden, als es von den Problemen gehört habe: „Seit Mitte Juli machen wir bei Vodafone Druck, damit die Störung beseitigt wird. Natürlich möchten wir, dass unsere Mieterinnen und Mieter störungsfrei ihre TV- und Internetdienstleistungen in ihren Wohnungen nutzen können.“
Nicht nur das Düsseldorfer Unternehmen ist Vodafone auf die Pelle gerückt, auch die Mieter haben über die Hotline den Defekt reklamiert. Die Reaktion: Davon habe man Kenntnis. Man arbeite daran. Ein kleiner Trost für die Betroffenen: Probleme dieser Art gibt es deutschlandweit. Erst am Donnerstag meldete die Lokalzeitung „Darmstädter Echo“, dass Leser in Wohnungen des Bauvereins im Bürgerparkviertel seit fast acht Monaten massive Probleme beim Empfang von einigen Sendern haben. Es komme immer wieder zu Bildstörungen mit starken Verpixelungen. Auch in Darmstadt blieben die wiederholten Anrufe bei der Vodafone-Hotline ohne Ergebnis.
Leistungen wurden bei Vodafone gebucht
In dem Artikel gab es einen Hinweis der Verbraucherzentrale: Demnach ist der Kunde bei „erheblichen, kontinuierlichen oder häufig auftretenden Abweichungen zwischen der tatsächlichen und im Vertrag angegebenen Leistung eines Telekommunikations- oder Internetzugangsdienstes berechtigt, das Entgelt zu mindern oder den Vertrag außerordentlich zu kündigen“. So sieht es das seit Dezember 2021 geltende Telekommunikationsgesetz vor. Das Problem in der Wiesenstraße: Dort hat der Vermieter die Leistungen von Vodafone gebucht. Also ist er in der Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Nils Roschin sagte, dass nach seinen Informationen bei Arbeiten für den Glasfaserausbau die Hauptleitung von Vodafone durchtrennt worden sei.
Nach Recherchen dieser Zeitung war tatsächlich im Juli ein Verlegetruppe für Glasfaser in der Wiesenstraße unterwegs. Die Redaktion hat mit dem Bauleiter gesprochen, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er versicherte, das seine Kolonne keine Schäden verursacht habe. Diese Zeitung hat erst vor Kurzem darüber berichtet, dass die Fälle von Pfusch und Schlamperei bei der Breitband-Verkabelung sprunghaft angestiegen seien − auch im Landkreis Aurich. Dort ist die Verwaltung derzeit dabei, durch ihren Eigenbetrieb Breitbandnetz Landkreis Aurich ein passives Next Generation Access (NGA)-Breitbandnetz zu schaffen. Dieses soll für 20 Jahre an die Vodafone Deutschland GmbH verpachtet werden. Zum Ende des ersten Förderabschnitts sollen rund 7750 Haushalte mit einem Breitbandanschluss versorgt sein.
Landkreis-Sprecher Nikolai Neumayer warnte auf Anfrage dieser Zeitung davor, „unterschiedliche Sachverhalte miteinander zu vermengen“. Der Glasfaserausbau des Landkreises habe nichts mit den Störungen in der Wiesenstraße zu tun. Bei diesem Problem müsse die Ursache beim Anbieter selbst gesucht werden. Doch dessen Pressesabteilung reagiert seit vier Tagen nicht auf Mailanfragen. Per Telefon dringt die Redaktion auch nicht zu irgendjemandem durch. Den betroffenen Kunden in der Wiesenstraße bleibt also nichts anderes übrig, als weiter auf Nachbarschaftshilfe zu setzen. Wie berichtet, gewähren Mieter, die Telekommunikationsleistungen von einem anderen Anbieter beziehen, Nachbarn Zugang über einen Hotspot. Oder sie stellen schlicht ihr Telefon zur Verfügung. Ein Dauerzustand kann das aber nicht sein.
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