Neuer Ärger im Trog  Südumgehung-Sanierung in Emden wird erneut zurückgeworfen

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 28.07.2022 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Frisch saniert und schon kaputt: Mit Farbe sind mehr als 50 Schadstellen in der neu asphaltierten Fahrbahn des Trogs markiert. Foto: Päschel
Frisch saniert und schon kaputt: Mit Farbe sind mehr als 50 Schadstellen in der neu asphaltierten Fahrbahn des Trogs markiert. Foto: Päschel
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Die schlechten Nachrichten von der Emder Trogstrecke reißen nicht ab. Die frisch aufgetragene Fahrbahn muss wieder aufgerissen werden – inklusive Vollsperrung.

Emden - Die Sanierung der Trogstrecke in Emden schreibt ein weiteres Fiasko-Kapitel. Wie die Stadt am Donnerstag bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz vor Ort mitteilte, weist der gerade erst aufgetragene Asphalt erhebliche Schäden auf und wird entfernt. Die wichtige Südumgehung ist ab Montag, 1. August, voraussichtlich für mindestens zwei Wochen für den Verkehr voll gesperrt. Die Zufahrt zum Hafen (Zur Alten Brikettfabrik) ist dann nur von der Petkumer Straße möglich.

Was und warum

Darum geht es: Die von Pleiten, Pech und Pannen gezeichnete Sanierung einer der wichtigsten Verbindungsstraßen für den (Schwerlast-)Verkehr in Emden

Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer und Unternehmen, die auf eine funktionierende Trogstrecke angewiesen sind

Deshalb berichten wir: Die Stadt hatte kurzfristig für Donnerstag zu einer Pressekonferenz eingeladen, um eine erneute Hiobsbotschaft zu verkünden.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Mit dieser Entscheidung folgt die Stadt nach eigenen Angaben der Empfehlung des Planungsbüros Grassl, das die millionenschwere Sanierung verantwortet. Vor Ort sagte dessen Mitarbeiter Michael Borowski: „Wir haben an über 50 Stellen eine Blasenbildung festgestellt. Wir wissen noch nicht, woher es im Einzelnen kommt.“ Eine Alternative zum Aufreißen gibt es nach Einschätzung von Stadtbaurätin Irina Krantz nicht: „Mit dem aktuellen Zustand können wir nicht zufrieden sein“, sagte sie. Hier sei das Ingenieurbüro gefordert.

Wer trägt die Kosten?

Als plausibelste Ursache für die Schäden in der Fahrbahn wird Feuchtigkeit vermutet. Im ersten Schritt soll jetzt geklärt werden, ob das Wasser von unten durch die problembehaftete Betonschale des Trogs eindringt oder aus einer anderen Quelle stammt. Erst danach lässt sich besser einschätzen, wie teuer der erneute Rückschlag wird, wer die Zusatzkosten trägt und wann mit einer Fertigstellung der gesamten Kernsanierung zu rechnen ist.

Sobald der Asphalt abgefräst und die darunter liegende Betonschale vollständig freigelegt worden ist, soll der Verkehr wieder in alle Richtungen durch den Trog fließen können – begrenzt auf eine Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern. Wie die Sanierung danach weitergeht, ist unklar. Wie bisher solle laut den Verantwortlichen aber darauf geachtet werden, dass die Strecke zum Weihnachtsmarkt oder zu anderen Festen, die den Verkehrsfluss in der Innenstadt betreffen, offenbleibt. Für Fußgänger und Radfahrer gilt jederzeit in beide Richtungen freie Bahn.

Nils Andersson (BEE-Leiter, von links), Michael Borowski (Ingenieurbüro Grassl), Stadtbaurätin Irina Krantz und Wolfgang Fecht (BEE) überbrachten am Donnerstag auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz im Trog die erneute Hiobsbotschaft. Foto: Päschel
Nils Andersson (BEE-Leiter, von links), Michael Borowski (Ingenieurbüro Grassl), Stadtbaurätin Irina Krantz und Wolfgang Fecht (BEE) überbrachten am Donnerstag auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz im Trog die erneute Hiobsbotschaft. Foto: Päschel

Es ist nicht die erste Überraschung

Die Schäden im bereits frisch sanierten Trog sind nicht zu übersehen. Auf dem dunklen Asphalt sind Dutzende Stellen mit verschieden-farbigen Kreisen gekennzeichnet. Innerhalb dieser Markierungen weist die Fahrbahndecke zum Teil große Risse und Versackungen auf. Michael Borowski vermutet, dass sich durch eindringende Feuchtigkeit Hohlräume gebildet haben, die von den darüberfahrenden Fahrzeugen eingedrückt werden.

Es ist nicht die erste Hiobsbotschaft, die die ursprünglich auf 5,5 Millionen Euro kalkulierte Kernsanierung begleitet. Schlechtes Wetter, knappe Rohstoffe und Konstruktionsfehler hatten den Zeitplan für das Projekt wiederholt aus den Fugen gehoben. Im vergangenen Jahr stellte sich zudem heraus, dass das Verfahren, mit dem das Betonbett aus 31 Einzelteilen und entsprechend vielen Fugen abgedichtet werden soll, ungeeignet ist. Es brauchte eine neue technische Lösung für das Bauwerk aus den 1970er-Jahren.

Der Trog und die Verkehrsexperimente

Um die jetzt sichtbar gewordenen Probleme zu beheben, tritt die Stadt in Vorleistung. Nils Andersson, Leiter des Emder Bau- und Entsorgungsbetriebs (BEE), schätzt alleine die Kosten für den Rückbau des unbrauchbaren Asphalts auf einen „höheren fünfstelligen Betrag“. Ob diese Summe und auch die zu erwartenden Folgekosten vom Steuerzahler oder den an der Sanierung beteiligten Unternehmen getragen werden, hängt von der Schadensursache ab.

Ärgerlich ist die Entwicklung aus Sicht der Stadt auch, weil es ein weiteres großes Vorhaben ausbremst – die Verkehrsexperimente im Emder Zentrum: Die erneute Verzögerung hätte „mit Sicherheit Auswirkungen auf das Thema, wie wir Am Delft weitermachen“, sagte Irina Krantz. Ohne einen freien Trog lassen sich weitere Sperrungen in der Innenstadt nicht ohne Weiteres umsetzen. Ursprünglich hatte die Verwaltung gehofft, nach vollendeter Sanierung der Südumgehung die Versuche im nächsten Jahr auszuweiten. Zurzeit spricht viel dafür, dass daraus nichts wird. Zunächst braucht es Klarheit zur Dauerbaustelle Trogstrecke.

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