Vorwürfe gegen Erzieherinnen  Vorfälle an der Kita im Gulfhof – das sagt das Ministerium

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 28.07.2022 12:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im April wurden die Vorwürfe gegen zwei Erzieherinnen an der Kita im Gulfhof Loquard laut. Diese befindet im gleichen Gebäude wie die Grundschule untergebracht. Foto: Wagenaar
Im April wurden die Vorwürfe gegen zwei Erzieherinnen an der Kita im Gulfhof Loquard laut. Diese befindet im gleichen Gebäude wie die Grundschule untergebracht. Foto: Wagenaar
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Die Polizei ermittelt wegen der Vorwürfe gegen zwei Mitarbeiterinnen an einer Kita in Loquard. Das Kultusministerium nimmt auf Anfrage unserer Zeitung Stellung.

Loquard - Was ist dran an den Vorwürfen gegen zwei mittlerweile freigestellte Erzieherinnen, die an der Kita im Gulfhof in Loquard eingesetzt waren? Und was genau wird ihnen vorgeworfen? Ein anonymer Brief hatte die Aufmerksamkeit auf die Einrichtung gelenkt, doch Eltern und Gemeinde halten sich bedeckt, beziehen sich auf die laufenden Ermittlungen.

Was und warum

Darum geht es: Land und Gemeinde Krummhörn sind wegen der Vorwürfe gegen zwei Erzieherinnen im engen Austausch.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Vorfälle in Loquard interessieren

Deshalb berichten wir: Wir hatten nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe das Landesjugendamt um eine Stellungnahme gebeten.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, hat unsere Zeitung schon früh nach Bekanntwerden der Vorwürfe beim Landesjugendamt nachgefragt, welches wiederum an das Niedersächsische Kultusministerium verwiesen hat. Jetzt liegen alle Antworten vor.

Wann wurden die Vorwürfe beim Land bekannt?

Laut Kultusministerium ging am 28. April dieses Jahres zunächst telefonisch und im Tagesverlauf schriftlich die Beschwerde eines Elternteils beim Landesjugendamt ein. „Die Gemeinde hat daraufhin als Einrichtungsträger die beiden Kolleginnen, gegen die sich die Vorwürfe richten, mit sofortiger Wirkung freigestellt“, heißt es weiter.

Wurden die Beschuldigten anderweitig eingesetzt?

Tatsächlich wurden die beiden Erzieherinnen zwischenzeitlich anderweitig eingesetzt. Dies sei im „Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde“ geschehen. „Vereinbart war ein begleitetes Arbeiten, um das Kindeswohl sicherzustellen.“ Nachdem die Gemeinde „von dem polizeilichen Ermittlungsverfahren in Kenntnis gesetzt wurde, sind die Kolleginnen unverzüglich wieder freigestellt worden“, so das Kultusministerium.

In welche Richtung gehen die Vorwürfe?

Das Kultusministerium bestätigt, dass verschiedene Anschuldigungen erhoben wurden. Dazu gehören Vorwürfe, die auch gegenüber unserer Zeitung geäußert wurden: Kinder in der Toilette eingesperrt; Kinder hätten sich aus Angst in die Hose gemacht; Kinder wurden geschlagen; Kinder wurden in Hochstühlen fixiert; die Fäuste von Kindern gewaltsam zusammengedrückt. Darüber hinaus sei das „Abstrafen durch das Setzen in einen Hochstuhl“ und „Austausch einer Tasse durch eine Schnabeltasse, wenn ein Kind kleckert“ sowie unpassende „verbale Umgangsformen“, aber auch „die fehlende Ausstattung eines Raumes mit für die Gruppe angemessenem Material“ gemeldet worden. „Die Polizei verfolgt die Vorwürfe und hat entsprechende Ermittlungen eingeleitet.“

Über ähnliche Vorwürfe gegenüber den Erzieherinnen aus der Vergangenheit sei dem Landesjugendamt nichts bekannt.

Welche Maßnahmen haben die zuständigen Behörden eingeleitet?

Die Freistellung der beschuldigten Mitarbeiterinnen ist laut Ministerium nicht die einzige eingeleitete Maßnahme. So habe es im Mai einen Vor-Ort-Termin gegeben, „um die Probleme in der Einrichtung zu begutachten“. Hier seien erste Maßnahmen abgesprochen worden. Als Beispiel werden Kontaktaufnahmen zu Fachberatungen, die Beseitigung baulicher Mängel und eine Überarbeitung des pädagogischen Konzeptes genannt.

Seit Anfang Juli seien die durch die Freistellung offenen Stellen zudem neu besetzt worden. Kurz danach habe es eine „weitere Besichtigung der Einrichtung unter Beteiligung des örtlichen Trägers der Jugendhilfe“ gegeben. Hier sei festgestellt worden, dass die Gemeinde als Träger „alle empfohlenen Maßnahmen auf den Weg gebracht hat“. Sowohl die Kita im Gulfhof als auch die Gemeinde als Trägerin würden „weiterhin engmaschig über die Fachberatung begleitet“ und auch das Landesjugendamt lasse sich regelmäßig berichten.

Was haben das pädagogisches Konzept und die baulichen Mängel mit der Sache zu tun?

Auf Nachfrage konkretisiert das Kultusministerium, warum auch pädagogische Konzepte und bauliche Mängel eine Rolle spielen. So stamme das aktuelle Konzept der Kita im Gulfhof aus dem Jahr 2020, hier sei eine Aktualisierung gefordert worden. Weiter heißt es: „Bauliche Mängel waren unter anderem eine scharfkantige Säule im Garderobenbereich, ein fehlender Sichtschutz auf die Intimsphäre der Kinder an WC-Türen beziehungsweise am Fenster des Sanitärraums und eine unzureichende Rutschhemmung der im Garderobenbereich verlegten Fliesen.“ Diese Mängel seien von der Gemeinde „zeitnah behoben“ worden.

Was sagt die Gemeinde?

Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) möchte sich aufgrund der laufenden polizeilichen Ermittlungen und des heiklen Themas nicht ausführlich äußern. Die Gemeinde habe „größtes Interesse daran“, den Sachverhalt aufzuklären und aufzuarbeiten. Man werde dafür „jeden erforderlichen Beitrag leisten“. Looden appelliert aber auch: „Während des laufenden Ermittlungsverfahrens sollte, im Interesse der Kinder, der Eltern, aber auch der beschuldigten und der derzeit in der Einrichtung arbeitenden Mitarbeiterinnen, von Vorverurteilungen unbedingt abgesehen werden.“

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