Hamburg  Zwei Haushalte, ein Abo? Diese Anbieter bestrafen Dich dafür

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 27.07.2022 14:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wer nichts verpassen will, muss beim Streaming tief in die Tasche greifen. Foto: dpa/Silas Stein
Wer nichts verpassen will, muss beim Streaming tief in die Tasche greifen. Foto: dpa/Silas Stein
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Du benutzt den Netflix-Account Deiner Schwester, den Disney Plus-Zugang der Freundin oder das Deezer-Abo vom Kumpel? Das kann Ärger geben - wenn man sich erwischen lässt.

In diesem Artikel erfährst Du:

Wer Serien liebt, muss tief in die Tasche greifen: Denn um nichts zu verpassen, werden pro Monat mehr als 50 Euro fällig. Wer alleine wohnt und sich die Kosten dafür nicht teilen kann, muss sich irgendwann entscheiden: Verzichte ich künftig auf Netflix und damit Hits wie „Stranger Things“ oder „Squid Game“, entscheide ich mich gegen Disney Plus und alle Marvelinhalte oder kann ich Apple TV plus kündigen? Wer ein paar Euro sparen will, teilt sich mit der Familie oder Freunden das Onlineabo. Nur– ganz legal ist das nicht.

Viele Anbieter erlauben offiziell nämlich nur geteilte Abos für Menschen im gleichen Haushalt.

So viel kosten die jeweils günstigsten Abos der Streaminganbieter im Monat?

Netflix versucht bereits jetzt, mit dem Versprechen einer besseren Bildqualität zu einem teureren Standard- oder Premiumabo zu verleiten.

Teilen mit Freunden ist möglich, offiziell nicht erlaubt. Die Netflix-Dienste „dürfen nicht mit Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, geteilt werden“, heißt es in den AGBs. Die Person, die den Account erstellt hat und dafür zahlt, ist „für jegliche mit dem Netflix-Konto in Verbindung stehenden Aktivitäten verantwortlich“. Wer sein Passwort weitergibt, dem könnte Netflix den Account sperren.

Aktuell kämpft Netflix mit herben Aboverlusten, mehr als 200.000 Abos wurden im ersten Quartal 2022 gekündigt. Der Streaminganbieter sieht unter anderem Passwortsharing in der Schuld dafür. Deswegen experimentiert Netflix in mehreren Ländern (nicht in Deutschland!) mit Zusatzkosten für Abos, die von mehreren Haushalten genutzt werden: Drei Euro kostet jeder zusätzliche Haushalt.

Ob eine solche Zusatzgebühr auch in Deutschland eingeführt wird, ist nicht bekannt.

Disney+ bietet nur ein Abo an: für 8,99 Euro im Monat beziehungsweise im Jahresabo für 89,90 Euro gibt es hier (fast) alles zu sehen. Pro Account kannst Du sieben Profile anlegen – allerdings nur auf bis zu vier Endgeräten gleichzeitig streamen. Auf bis zu zehn Endgeräten könnt Ihr Inhalte herunterladen.

Wenn Du Dir Deinen Account mit zu vielen Leuten teilst, kannst es zu folgenden Fehlermeldungen kommen, wie „Giga“ berichtet:

Bei dieser Fehlermeldung hilft es nur, dass ein anderer Nutzer den Streamingdienst beendet.

Prime Video ist der Streamingdienst des Onlinehandel-Giganten Amazon.

Dieser steht aktuell in der Kritik, weil Amazon die Abopreise drastisch erhöht hat.

Bei monatlicher Zahlung kostet das Abo ab September 8,99 Euro statt bisher 7,99 Euro beziehungsweise pro Jahr 89,90 statt zuvor 69 Euro. Der Streamingdienst ist Teil des Amazon Prime-Services und nicht exklusiv buchbar.

Teilen ist bei Amazon Prime eigentlich nicht vorgesehen. Es ist jedoch möglich, auf bis zu drei verschiedenen Geräten gleichzeitig Filme und Serien zu schauen. ABER: Wenn Ihr die gleiche Serie parallel anseht, geht das nur auf zwei Geräten.

 „Wenn das rauskommt, kann man sofort wegen Vertragsverletzung gekündigt werden“, sagt Jens Fusbahn, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Düsseldorf der „dpa“. Ihm seien bisher aber keine solchen Fälle bekannt. Jurist Fusbahn hält es auch für unwahrscheinlich, dass es so weit kommt. „Das Streaminghaus müsste nachweisen, dass ich die Zugangsdaten weitergegeben habe“, erklärt er.

Die Familienmitglieder dürften schließlich auch auf Geschäftsreise oder im Urlaub streamen – wer da nun vor dem Gerät sitzt, ist schwer überprüfbar.

Eine deutlich realistischere Gefahr ist, dass jemand Euer Primekonto benutzt. Denn um den Einzelaccount auf verschiedenen Geräten zu nutzen, musst Du Dich jeweils mit dem Amazon Prime Konto einloggen. Und wer das hat, kann über Deinen Account kaufen, was er will – und Du musst bezahlen.

Der Streamingdienst von Apple gibt sich auf der Website betont familienfreundlich. Im FAQ erklärt der Dienst auf die Frage, ob man mit seiner Familie gemeinsam einen Account nutzen kann:

Für 4,99 Euro pro Monat gibt es das Apple TV+-Abo.

Früher hieß es noch Sky Ticket, jetzt Wow: Das Streamingportal hat sich vor allem Neuerscheinungen und Sportübertragungen verschrieben. Wer nur Serien schauen will, kommt günstiger weg mit 7,99 Euro, für Filme kommen zwei Euro dazu und wer die Bundesliga, 2. Bundesliga, Premier League und Formel 1 sehen will, muss mindestens 25 Euro im Monat hinlegen.

Wow kannst Du auf zwei Geräten gleichzeitig streamen, eingeloggt kann man auf bis zu fünf Geräten sein.

Offiziell heißt es nur: „Als Kunde von WOW bist du für die sichere Nutzung deines Accounts verantwortlich.“

Spotify bietet drei Abomodelle an: Individual, Duo und Family.

Spotify greift deutlich härter durch als andere. Beim Premium-Duo Abo zu nutzen, „müssen der Hauptnutzer und der Inhaber des Unterkontos Familienmitglieder sein, die ihren Wohnsitz an derselben Adresse haben.“ Deswegen muss bei der Aktivierung des Hauptkontos eine Adresse angegeben werden, die gegebenenfalls mittels Google Maps überprüft werden könne. Gleiches gilt für das Familien-Abo.

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