Nach EZB-Entscheidung  Verzichten die ostfriesischen Banken nun auf Verwahrentgelte?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 26.07.2022 16:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sparer in Ostfriesland wurden in der Vergangenheit durch die Verwahrentgelte belastet. Foto: Fabian Sommer/dpa
Sparer in Ostfriesland wurden in der Vergangenheit durch die Verwahrentgelte belastet. Foto: Fabian Sommer/dpa
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Die Banken müssen nun keine Verwahrentgelte mehr zahlen. Das sollte sich auch auf die Endkunden auswirken. So agieren die Banken in der Region.

Ostfriesland - Die Rekordinflation im Euroraum zwingt Europas Währungshüter zum Handeln. Erstmals seit elf Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) wieder die Zinsen erhöht - und zwar unerwartet kräftig um 0,50 Prozentpunkte.

Was und warum

Darum geht es: Die EZB hat beschlossen auf Verwahrentgelte zu verzichten. Wie sieht es bei den ostfriesischen Banken aus?

Vor allem interessant für: Sparer

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, ob die Verwahrentgelte auch für die Endkunden entfallen.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Damit entfällt auch der Negativzins für geparkte Gelder von Geschäftsbanken. Auch ostfriesische Banken müssen somit keine Entgelte mehr an die EZB zahlen. Wirkt sich das auch auf die Kunden aus?

Ostfriesische Volksbank

„Für unsere Kunden freut es uns, dass wir die Negativzinsen nun nicht mehr vereinnahmen. Wir hatten zum 1. Juni die Freigrenzen für Bestandskunden deutlich erhöht und dadurch faktisch alle unsere Sparer entlastet. Ab dem 1. August fallen nun auch diese Grenzen, so dass wir keinerlei Negativzinsen mehr haben werden“, sagt Björn Nauschütt, Leiter Vertrieb/Marketing bei der Ostfriesischen Volksbank.

Für ihn ist der Zinsanstieg ein positives Signal, um einem weiteren Anstieg der Inflation entgegenzuwirken. „Allerdings erwarten wir dadurch keinen merklichen Rückgang der Inflation, da die EZB zum Beispiel keinen Einfluss auf die hohen und steigenden Energiepreise hat“, sagt er.

Sparkasse Leer-Wittmund

„Unsere Verwahrentgeltvereinbarungen beinhalten eine 1:1-Koppelung an den EZB-Zinssatz, das heißt, wir berechnen unseren Kunden dann keinerlei Verwahrentgelt mehr“, sagt Carsten Mohr, Sprecher der Sparkasse Leer-Wittmund. Das gelte ab dem 27. Juli.

Für die Sparkasse ist die Entscheidung wichtig. „Die Entscheidung der EZB ihren Leitzins um 0,50 Prozentpunkte anzuheben ist eine echte Zinswende und war angesichts der galoppierenden Inflation überfällig“, so Mohr. Die Sparkasse gehe davon aus, dass es im Laufe des Jahres zu weiteren Zinserhöhungen kommen werde. Für Sparer bedeute dies, dass Verwahrentgelte für Bankeinlagen entfallen und Guthaben sukzessive wieder verzinst werden. „Häuslebauer und Unternehmen müssen sich jetzt darauf einstellen, dass Kredite nicht mehr nahezu kostenlos zu haben sind“, sagt er. An den Immobilienmärkten werden die Auswirkungen noch ein wenig mehr Zeit benötigen. „Insbesondere die rasanten Preissteigerungen bei Immobilien sollten durch die moderaten Zinssteigerungen ausgebremst werden“, sagt Mohr.

Sparkasse Aurich-Norden

„Der Vorstand der Sparkasse Aurich-Norden hatte bereits im Vorfeld aufgrund der steigenden Marktzinsen beschlossen, ab dem 1. Juli auf die Belastung von Negativzinsen zu verzichten“, sagt Inka Lottmann von der Sparkasse Aurich-Norden.

Auch für sie war der Schritt der EZB dringend erforderlich. „Die nun vollzogene Zinsanhebung ist unseres Erachtens nur der erste Schritt, dem im Laufe der Zeit weitere Zinserhöhungen folgen werden“, sagt sie. Angesichts der steigenden Inflation sei es wichtig, dass die EZB ihren Kurs nun beibehält, um selbst glaubwürdig zu bleiben und den Marktteilnehmern Sicherheit zu vermitteln.

Oldenburgische Landesbank

Auch die Oldenburgische Landesbank verzichtet künftig auf Verwahrentgelte. Diese werden ab dem 1. August nicht mehr erhoben. „Wir lassen unsere Kunden direkt von der EZB-Entscheidung profitieren und bieten ihnen attraktive Anlagemöglichkeiten und verbesserte Kontoleistungen“, sagt Aytac Aydin, Vorstandsmitglied der OLB.

Auch Firmenkunden müssten nicht länger dafür zahlen, ihr Geld bei der OLB zu parken. Man habe bereits im April dieses Jahres die Grenze für

Verwahrentgelt deutlich angehoben.

Raiffeisen-Volksbank Aurich

Simone de Wall von der Auricher Volksbank sagt: „Von unserer Seite aus, werden wir die Anpassung der Leitzinssätze 1:1 an unsere Kunden weitergeben. Somit werden wir das vereinbarte Verwahrentgelt taggleich mit der Umsetzung der EZB nicht weiter berechnen, solange es keine Negativzinsen seitens der EZB gibt.“

Auch sie bewertet den Schritt als sinnvoll. „Der jüngste Schritt wird aber angesichts einer Inflation von deutlich über 8 Prozent nur ein erster Schritt sein“, sagt sie. Es sei wahrscheinlich, dass die Inflation kurzfristig nicht sinken wird. Die Maßnahmen des Staates haben oftmals nur einen kurzfristigen Effekt und die Zinsschritte der EZB können dieser hohen Inflation auch nur sehr begrenzt entgegenwirken. „Es ist zu beachten, dass bei weiterhin niedrigen Zinssätzen der Kaufkraftverlust aus der Inflation bei Weitem nicht ausgeglichen wird“, sagt sie.

Sparkasse Emden

Bei der Sparkasse Emden seien nur wenige Kunden von einem Verwahrentgelt betroffen gewesen. Auch die jetzige Entscheidung der EZB werde an die Kunden weitergegeben. Das Verwahrentgelt entfällt daher, entsprechend der Zinssatzerhöhung der EZB, ab dem 27. Juli.

Jens Jann, Vorstand der Sparkasse Emden, hierzu: „Wir begrüßen die Korrektur der Geldpolitik der EZB sehr, auch wenn diese aus unserer Sicht viel zu spät erfolgt. Da kurzfristig nicht damit gerechnet werden kann, dass die von der EZB eingeleiteten Maßnahmen dämpfend auf die Inflation wirken, raten wir weiterhin dazu, mit unseren Beratern über die Anlage in Wertpapieren zu sprechen.“

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