Kolumne: Artikel 1, GG Endlich mal wieder in die Türkei
Mittwochs geht es in unserer Kolumne stets um unterschiedliche Kulturen. Heute freut sich unsere Kolumnistin auf ihre Reise in die Türkei – mit ein bisschen Aufregung im Gepäck.
Wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich hoffentlich schon in der Türkei sein. Ich bin nämlich auf dem Weg dorthin – als Beifahrerin meiner Freundin Ijlal, die wie ich Tochter von Gastarbeitern ist. Sie hat ein Haus an der Westküste und verbringt jeden Sommer dort. Ich hingegen war seit etlichen Jahren nicht mehr in der Türkei. Journalisten, die kritisch über dieses Land berichten, bekommen ja schnell mal Ärger mit dessen Präsidenten. Auch deswegen habe ich vor ein paar Jahren aufgehört, über die Entwicklungen in meiner „Heimat“ zu schreiben. Als Ijlal mich fragte, ob ich nicht mit in ihr Sommerhaus fahren mag, habe ich nach kurzem Überlegen zugesagt – annehmend, dass man mich nicht (mehr) auf dem Kieker haben wird.
Zur Person
Canan Topçu (56) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.
Meine Aufregung steigt, je näher das Ziel rückt. Wie wird wohl der Grenzübertritt sein? Werden sie meine Freundin und mich durchwinken? Oder so wie früher das Fahrzeug durchfilzen? Ich erinnere mich ungern an diese Zeiten. Aus reiner Schikane ließen die Grenzbeamten die „Deutschländer“ lange warten, durchwühlten die Fahrzeuge und das Gepäck nach zollpflichtiger Ware. Und davon gab es jede Menge in den Wagen der Heimatbesucher als Geschenke für Familie, Verwandte und Nachbarschaft – Kosmetik- und Elektroartikel, Instantkaffee und vieles andere an „Westware“, was es in der Türkei nicht gab oder unerschwinglich war.
Mitbringsel für Nachbarn und Freunde hat meine Freundin auch wieder im Gepäck – aber nicht etwa Niveacreme, Nestcafé, Jonny-Walker-Whiskey, Fa-Deospray und Lux-Seife, sondern etliche Flaschen Raki. Ja, sie haben richtig gelesen, türkischen Tresterschnaps, gekauft im deutschen Supermarkt, und zwar um einiges günstiger als im Heimatland des Rakis.
Die islamistische Regierung hat nämlich die Alkoholsteuer so sehr erhöht, dass Raki unerschwinglich ist und sich als Gastgeschenk eignet.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Keine „echten“ Deutsche
Das ist nichts anderes als Schönfärberei
Eine erschreckende Entwicklung der Gesellschaft
Ich bin nicht „weiß gewaschen“