Theater in Ayenwolde 700 Zuschauer sahen ein berührendes Stück über die Flucht
Der Bürgerverein Hatshausen/Ayenwolde zeigt eine aufwendige Produktion über die unmittelbare Nachkriegszeit in Ostfriesland. Mehr als 100 Personen gehören zum Ensemble.
Ayenwolde - Am Freitagabend begeisterten die Laienschauspieler vom Bürgerverein Hatshausen-Ayenwolde zusammen mit vielen Darstellen aus befreundeten Theatergruppen rund 700 Zuschauer mit der ersten von 13 geplanten Aufführung des Stückes „Heimat“ von Erhard Brüchert. Es erzählt von der unmittelbaren Nachkriegszeit in Ostfriesland.
Regisseurin Elke Münch hat das Stück mit einem Ensemble von über 100 Personen, zu der auch 20 Kinder gehören, auf besondere Art und Weise aufwendig in Szene gesetzt und dies kam bei den Besuchern nicht nur ausgesprochen gut an, es versetzte alle sofort in der Zeit zurück.
Zeitzeugen vor Ort
Schirmherr Horst Milde wies anhand seiner eigenen Erfahrungen als unmittelbarer Zeitzeuge darauf hin, dass er im Alter von 13 Jahren als Vertriebener aus Schlesien auf Umwegen mit seinen Eltern nach Ostfriesland gelangte und in Holtland untergekommen ist. Die außergewöhnlichen Umstände und Gefahren der Flucht, bei der sie alles verlassen mussten, wird er nie vergessen.
Seine Flucht und auch die Unterbringung in den ersten Monaten sei katastrophal gewesen, „Wir sahen aber ein, dass es nicht anders ging, zumal unsere Gastgeber alles taten, um uns das Leben zu erleichtern“, sagte er. Freitag war der Auftakt der bis zum 12. August geplanten 13 Aufführungen und damit einem Mammutprogramm für die Laienschauspieler.
Erinnerungen an Schlesien
Auf sehr großer aufwendig mit vielen technischen Raffinessen hergerichteter Bühne werden die Zuschauer in die Nachkriegszeit versetzt. Mit Beginn des Stückes kommen Flüchtlingsfamilien aus Schlesien und Pommern mit ihren Kindern über die Wiese in das Dorf und sollen bei den Einheimischen einquartiert werden. Diese Weisungen erzeugen gemischte Gefühle von Zustimmung bis Ablehnung, die Einwohner werden jedoch gezwungen Familien aufzunehmen, was zu verschiedenen Konflikten aber auch zu Familienzusammenführungen führt.
Neben den Flüchtlingen wollen aber auch noch entlassene Kriegsgefangene, die im Laufe des Stückes im Dorf auftauchen, versorgt werden. Da Ostfriesland nach dem Kriegsende unter britischer Verwaltung stand, müssen sich der Bürgermeister und der Dorfpolizist wiederholt zur Regelung der Angelegenheiten mit einem britischen Offizier auseinandersetzen. Außerdem dürfen auch die Hamsterer aus dem Ruhrgebiet nicht unerwähnt bleiben, die aufgrund fehlender Lebensmittel versuchen, diese auf dem Tauschwege für ihr wertvolles Hab und Gut zu ergattern.
Spuren der Zeit
Verbunden wird das Freilichttheater mit einem „Sechs-Jahrzehnte-Markt“ neben dem Festspielplatz. Hier werden typische Speisen und Getränke aus den letzten Jahrzehnten angeboten. Auch werden Autos Gerätschaften aus der jeweiligen Zeit und eine Litfaßäule mit Nachrichten aus den letzten 70 Jahren ausgestellt.
Für die weiteren Aufführungen am 30., und 31. Juli, sowie im12. August jeweils um 20 Uhr, (sowie Nachmittagsaufführung am 7. August, 15 Uhr), gibt es noch Karten. Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene 22 Euro, Kinder bis 16 Jahre 15 Euro und für Gruppen ab zwölf Personen pro Person 20 Euro. Karten gibt es online, beim Bürgerverein unter 04945 / 1666 und bei der Tourist-Info Moormerland unter Tel. 04954 / 8012500.