Berlin Geplantes Attentat auf Lauterbach: So irre war der Plan der Entführer
Im April wurde ein Attentat auf Gesundheitsminister Karl Lauterbach verhindert. Nun wurden Details zu den Plänen bekannt. Anscheinend setzten die Entführer auf Unterstützung aus dem Militär – und von Wladimir Putin.
Ein „Entführungskommando“ überwältigt die Personenschützer von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit Hilfe von Sturmgewehren der Marke Kalaschnikow. Vor laufenden Kameras wird ihm ein „Haftbefehl“ verlesen, bevor er in ein Versteck gebracht wird. Doch das ist erst der Anfang des geplanten Staatsstreichs. So weit zumindest der Plan für die „Aktion Klabautermann“, die im April von Mitgliedern einer Telegram-Gruppe aus dem Reichsbürger-Milieu geplant wurde.
Die Pläne konnten von Ermittlern verhindert werden, indem diese den Tätern Waffen, darunter auch Kalschnikows, im Wert von zehntausenden Euro anboten. Ein Mitglied der Gruppe hortete bereits Waffen und griff begeistert zu. Er und vier andere Beteiligte wurden in einer anschließenden Razzia prompt festgenommen. Fünf Verdächtigen wurde von der Bundesanwaltschaft die „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ nahe gelegt.
Nun hat der „Spiegel“ weitere Details über die Pläne der Männer herausgefunden. Demnach sollten laut Phillipp Grassl, dem Anwalt des Opfers zeitgleich mehrere hundert Personen an einem geheimen Ort zusammentreten und eine „konstituierende Sitzung zur Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reichs“ abhalten. Dort sollte eine angepasste Version der Reichsverfassung von 1871 beschlossen werden. Ebenfalls auf der Agenda stand die Wahl einer Reichsregierung.
Gleichzeitig wollten die Verdächtigen wohl Doppelgänger von Bundeskanzler Olaf Scholz oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auftreten lassen, die die Rechtmäßigkeit des Umsturzes bestätigen sollten. Anschließend sollte ein „bundesweiter Stromausfall“ herbeigeführt werden.
Damit sollte die Bevölkerung vom Zugang zu Medien abgeschnitten werden, damit die Reichsregierung ungestört ihre Arbeit aufnehmen könne. Die Gruppe um den Verdächtigen Sven B. ist laut „Spiegel“ davon ausgegangen, dass „Teile von Polizei und Bundeswehr“ die Pläne unterstützen würden. Auch mit einem weiteren Unterstützer wurde fest gerechnet: Wladimir Putin.
Laut Anwalt Grassl sollte ebenfalls die Unterstützung der russischen Regierung und von Präsident Wladimir Putin eingeholt werden. „Ob die russische Regierung bereits tatsächlich von den Plänen meines Mandanten und seines Umfelds informiert wurde, war meinem Mandanten zum Zeitpunkt seiner Festnahme nicht bekannt“. Anführer Sven B. hatte wohl Kontakte nach Russland, wo er einige Jahre gearbeitet hatte.
Motiv für die „Aktion Klabautermann“ war laut Anwalt Grassl eine „tiefe Unzufriedenheit mit der politischen Situation in Deutschland, insbesondere der Corona-Politik“. Reichsbürger sind eine Gruppe aus der Verschwörungsszene. Sie halten die Bundesrepublik nicht für einen legitimen Staat. Viele sind rechtsradikal und einige wollen die Bundesrepublik mit gewaltsamen Mitteln stürzen.