Vanille ist weiterhin der Renner Beim Eis sind Ostfriesen wenig experimentierfreudig
Es gibt mittlerweile die wildesten Eissorten. In Ostfriesland findet man sie aber eher selten. Das liegt nicht nur an den Vorlieben der Kunden.
Ostfriesland - Lakritz, Schoko-Chili-Orange, Spekulatius, Marshmallow oder Limoncello-Prosecco – aus Ostfriesland kommen recht abenteuerliche Eissorten. Sie alle finden sich gemeinsam mit rund 100 anderen auf der Homepage der Eisfabrik von Bruno Gelato aus Rhauderfehn.
In den ostfriesischen Eisdielen gibt es ausgefallene Geschmacksrichtungen aber eher selten: „Ich habe schon mehrere ungewöhnliche Sorten ausprobiert, aber sie wurden einfach nicht angenommen“, sagt Lidia Marcon, Inhaberin der Eisdiele Venezia in der Leeraner Fußgängerzone. Sie habe beispielsweise schon Zitrone-Basilikum, Ananas-Minze oder Rübli angeboten. „Einige unserer Kunden haben das zwar probiert, aber es waren einfach nicht genug, deshalb bleibe ich jetzt bei den bewährten Sorten.“ Wenn es so warm sei, wie in den letzten Tagen, laufe alles Fruchtige gut, aber auch Joghurt oder Joghurt-Kirsche. Generell seien Vanille und Schokolade am beliebtesten.
Eiskarte bestimmt die Auswahl der Sorten
Besim Orllati vom Eiscafé „Bei Bruno“ in Rhauderfehn nennt einen anderen Grund, warum er bei den bewährten Sorten bleibt: „Ich habe eine feste Karte, die kann ich nicht ständig wechseln.“ Da könne er nicht so flexibel sein, wie ein Kollege, der nur außer Haus verkaufe. Nachfragen von Kunden gebe es aber immer wieder. „Jüngst war jemand da, der hatte woanders Sanddorn-Eis probiert und hätte das gerne auch bei uns gegessen.“
In Weener heißt die Eisdiele auch Venezia – da und früher in der Außenstelle in Leer hat man in Sachen Experimentierfreudigkeit jedoch gute Erfahrungen gemacht. Er könne nicht sagen, dass die Ostfriesen nicht gerne mal etwas Neues ausprobieren, schreibt Andreas Karafotias. Mehr noch: Die Ostfriesen fragen sogar danach und essen ungewöhnlichere Sorten dann offensichtlich auch gerne. Sanddorn gibt es bei ihm mit Buttermilch. Die Geschmacksrichtung kam so gut an, dass sie es ins Stammsortiment geschafft habe, so Karafotias.
Weeneraner Eisdiele probiert neue Sorten aus
Seine Erfahrung: „Solange sich die Eissorten am guten Geschmack orientieren und qualitativ hochwertig sind laufen sie auch.“ Rhabarber etwa hat er ausprobiert, als Rhabarber Saison hatte. Kurzum: Die Eismacher aus Weener probieren sich aus – gerade mit Macadamia mit Salzkaramell. Die Eiskarte sei kein Hindernis, so Karafotias, „die ist digital“. Und weil der Eistresen eine begrenzte Kapazität habe, biete man täglich andere Eissorten an.
Eine normale Eisvitrine biete Platz für 24 Sorten, rechnet Sebastian Herold, Eigentümer von „Leckmich – die Eisbar“ in Aurich vor. 20 davon brauche er für die Eissorten, die er in seinen Eisbechern verarbeite. Bei den übrigen vier probiere er auch ungewöhnliche Sorten aus, im Moment beispielsweise Griechischer Joghurt, Schokolade-Champagner, Cookie und Quark-Holunder. „Auf ganz extreme Sachen wie Schaschlik oder Bier verzichten wir aber. Wir wollen eine ernsthafte Chance haben, sie auch zu verkaufen.“
Eisprobe statt Keks
Bei ihm gibt es zum Heißgetränk keinen Keks, sondern eine Miniwaffel mit Minieiskugel einer der neuen Sorten. „So mancher kommt so auf den Geschmack und nimmt beim Rausgehen noch eine große Kugel mit.“ Die Antwort auf die Frage nach der beliebtesten Eissorte kommt bei Herold genauso wie bei Orllati wie aus der Pistole geschossen: „Vanille ist immer noch der Renner.“
Die Argumentation der Eigentümer der ostfriesischen Eisdielen kann Peter Flügge, Prokurist von Bruno Gelato, nachvollziehen. In großen Städten wie Berlin oder München seien die Eisvitrinen größer und böten mehr Platz für ungewöhnliche Eissorten. Die würden von den Endverbrauchern mittlerweile stark nachgefragt. „Sie wollen nicht nehmen, was sie schon kennen, sondern mal was ausprobieren, was erleben.“ Eine Sorte wie Granatapfel, Cookie oder Cheesecake hätte es noch vor wenigen Jahren nicht gegeben, „heute sind sie schon fast wieder normal“.
Auf der Homepage von Bruno Gelato finden sich unter den mehr als 100 Sorten auch BVB 09 – dahinter verbirgt sich der Fußballclub Borussia Dortmund – und Werder-Bremen-Eis. Mit beiden Clubs und auch mit dem VfL Wolfsburg gebe es eine Partnerschaft, die in die Eissorten gemündet habe, erklärt Flügge. Eis für weitere Fußballvereine sei im Moment nicht geplant. „Eine solche Partnerschaft mit einem Fußballverein muss ja auch gelebt werden.“ Das gehe über den reinen Verkauf des Eises hinaus. „Aber wenn Bayern München anfragen würde, würden wir die Türe wohl nicht zumachen.“